994 3. Zcnraum. 2. Periode. 2. Zeitabschnitt, t. Capitcl.
An den Metropolen wurden Seminare errichtet; die Priester trugen selbstmit Aufmunterung der Regierung wieder ilire Staudeskleidnng; auch bildetensich abermals Commnnitäten für Krankenpflege und Jugcuduutcrricht, denender fromme Eifer der Gläubigen durch Vermächtnisse und Stiftungen zuHilfe kam. Die vier Erzbischöfe Dübelloy ovn Paris, Boisgelinvon Tours, CambacereS von Rouen und Fesch von Luon ernannte derPapst zu Eardiuälen. Auch das in Frankreich festlich begangene Jubiläum(lO. März 1804) regte das kirchliche Leben vielfach au. Doch fand nichtüberall die freiwillige Unterwerfung unter daS Concvrdat statt, wie man cSerwartet batte. Deshalb erließ der Cardinal-Legat Caprara ein Circularan die französischen Bischöfe, wobei er von dem thätigcn Abbö Barruelunterstützt wurde. Nun erkannte auch die Regierung wieder mehrere Con-gregationcu a»: die Priester d er M issi o n eu, dieBrüdcr der ch ri stI > chen Lehre, die H o s p i tal i t e r i un c u und die b a rm h er z i g e nSchwestern. Napoleon war der Meinung, daß die Kranke» durch derletzter» milde Hände besser und billiger verpflegt würden als durch weltlicheInstitute. Besondere Gunst und Gelduntcrstützungcn wurden der Congrc-gation für auswärtige Missionen zugewandt, und beim Abschlußdes Friedens mit der vttomanischen Pforte durch den General Brune erhieltFrankreich auch das Recht wieder, alle Kirchen lateinischen Ritus in derLevante unter seinen Schutz zu nehmen.
Napoleon, durch SenatSbcschluß zum Kaiser der Franzosen erhoben (8.Mai 1804), wollte seinem Kaiserthume noch die religiöse Weihe verleihen,und ersuchte daher den Papst wiederholt und dringend, ihn zu krönen. Pinsward dadurch in große Verlegenheit versetzt, da mehrere Hauptmächte Eu-ropa'ü davon abriethen, und Ludwig XVIII. dagegen protestirtc. Dennochentschloß sich der Papst zu dem gefährlichen Schritte, weil der Zweck seinerReise nach Frankreich, wie er im Consistorium (29. Octbr.) versicherte, nichtallein die Krönung sei, sondern die großen Interessen der Religion einenHauptthcil derselben bilden und in Conscrenzen mit dem Kaiser verhandeltwerden sollten. In Begleitung von 4 Cardinälen, 4 Bischöfen, 2 Prälatenbegann der Vater der Christenheit (2. Nov.) die Reise über die Alpen nachFrankreich ; sie wurde bald zu einem Triumphzuge. Auch nach der Salbung(2. Decbr.), denn die Krönung vollzog Napoleon an sich und seiner Ge-mahlin selbst, erhielt der h. Vater viele Beweise aufrichtiger Verehrung.Den Gefühlen des Volkes lieh der Cardinal-Erzbischof von Paris sein be-redtes Wort: „Vergeblich hat sich die Zahl der Feinde der Kirche vermehrt;ihr Name verlor sich in der Nacht der Zeiten. Wir finden kaum die Spurenihres Daseins in der Geschichte ihrer Niederlage, und Alles beschränkt sichauf die Erfahrung, daß es ihnen nicht gelang, die Reihenfolge der Päpstezu unterbrechen. O heilige römische Kirche! du hast die Dauer der Jahr-hunderte überwunden, hast beständig über die Gottlosigkeit trimuphirt, indemdu die Reinheit der Sitten, die Unversehrtheit der Lehre und die Gleich-förmigkeit der Disciplin, welche du von deinem göttlichen Stifter und denAposteln erhalten hast, bewahrtest." Die allgemeine Aufmerksamkeit gegen denPapst machte Napoleon sogar eifersüchtig. Wider seinen Willen mußte Piusden ganzen Winter in Paris bleiben, ohne nur die Freiheit zu haben, dieStätte, wo er seine Andacht verrichten wollte, selbst wählen zu dürfen. Docht^rs, nu Io triowplis eis In rel. kur. 802. 3 D Itiuerairs äs kur. ä -lerusa-lem 811. 3 T- (Sämmtl. Werke, deutsch von Haslinger u. a. Freib.)