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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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h. 389. Die römische Republik.

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rüstete auch der Papst ein Heer zum Schutze des Kirchenstaates. Nach denStegen Bouapartc'ö tu Oberitalien gegen Oesterreich, Sardinien und Ncapel griffen die Franzosen den Kirchenstaat wegen dieser Rüstung an, und Piusmußte mit Verlust von Läudcrgebietcn und Bezahlung von 21 MillionenLivres durch den spanischen Gesandten Azara eine» Waffenstillstand schließenlassen (,1796). Als Bonapartc nun aber sogleich das Ansinnen stellte i allegegen Frankreich erlassene Dekrete aufzuhcbcn, nnd Pius dies verweigerte;erklärte jener den Waffenstillstand für aufgehoben (1. Febr. 1707), nndzwang alsbald den Papst zum Frieden zu Tolentinv (19. Febr. 1797).Außer der Vcrzichtlcistnng ans die päpstlichen Besitzungen in Frankreich undder Abtretung der Legationen B olvgna, F errara und Nomagna mußten »och 30 Millionen Francs bezahlt, und eine große Anzahl Manuskripteund Kunstwerke auSgelicfert werden. Dabei erklärte der Eroberer:er habeganz Europa ein Beispiel von der Mäßigung des Direktoriums gegeben."Als in Rom bei einem Auflaufe der französische General Duphot getödtetward, schickte Frankreich Bert hier in den Kirchenstaat, welcher Nom alsRepublik proclamirte (1798). Nun wiederholten sich auch sogleich dieSccncn von Paris. Die demokratische Partei, gehoben von alten und neuenErinnerungen, schmeichelte dem Gencral Berthicr auf eine niedrige Weise, ver-höhnte dagegen den unglücklichen unterdrückten Pins. Am Eingänge der En-gclsbrücke errichteten sic eine Statue der Göttin der Freiheit, welche die Tiaraund andere Symbole der Religion mit Füßen trat. Ncbcr den Vorhang desTheaters Alibcrti malten sie die Symbole der päpstlichen Würde, wie sieThicre und Menschen mit Koth beschmutzten n. A.; ja man cntblödete sichnicht, bei satanischen Orgien aus heilige» Gefäßen zu trinken. Um so nöthi-gcr erschien die Anwesenheit des Oberhauptes der Kirche für den bessernThcil des römischen Volkes. Als er darum weder die Flucht ergreifen, nochauch dem Kirchenstaate entsagen wollte "') , wurde er, ein 80jährigcr Greis,um nicht der Unzufriedenheit des Volkes einen Anknüpfungspunkt zu einerGegenrevolution zu geben, zuerst nach Siena nnd dann in das Carthäuscr-klostcr bei Florenz gebracht. Die rührenden Beweise von Mitleid undThcilnahme, die inan dem Papste hier gab, erregten den Unwillen der Philo-sophen und die politische Aengstlichkcit der Direktoren. Als dann der Kriegwieder ausbrach, führte man ihn ohne Rücksicht auf sein hohes Alter nachValenec im südlichen Frankreich. Aber auch hier sollte er nicht bleiben, weilcs die Gewalthaber beunruhigte, daß Durchreisende sich zuweilen beim Papsteverfuhren ließen und um seinen Segen baten. Da entzog ihn ein sanfter Todferner» Qualen (29. Ang. 1799). Der dürftige Nest seiner Habe, der nurals Erinnerungszeichen Werth hatte, wurde den Dienern, die ihm ins Unglückgefolgt waren, genommen nnd als französisches Nationaler'genth umverkauft. Selbst den Leichnam wagte man nicht zu beerdigen in Erwartunghöherer Befehle; so engherzig machte die vom Volksmagistrate verwalteteHerrschaft, die man Freiheit nannte! Erst durch ein consular isches De-

*1Wie groß erschien mir Pius VI. in dem, gegen die Meinung der meisten,von ihm gefaßten Vorsätze, bei den Gräbern der Apostel, bei der Hauptkirchc derChristenheit auszuharre», welches Schicksal ihn treffe. Wenn er nur hierbei bleibt,der 80jährige, hcrrl. Greis, im 22. Jahre seines Pontificats, nach den hohen Prü-fungen, die Gott ihm werden ließ." Joh. v. Müller, Antobivgr. Brief vom 4.März 1797. (Sämmtl. Werke Bd. 3l. S. 187.) Vgl. auch die mcrkw. Wortedes Sarac.i n i» Gens. (Neueste Gcsch. d. Kirche Chr?2 A. Buch I. S. 6668.)