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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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§. 388. Directoriui», Thcophilantropen.

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bürgerliche» Vertrag, und führte mit Aushebung des kathol. Cultus durch einDecret vom 7. Nov. 1793 den Götzendienst der Vernunft ein, derenPriesterinen und Göttinen feile Dirnen waren. Man leugnete öffent-lich daSDascin Gottes, und forderte frech seine Rache heraus! An denGottesäckern las man die Aufschrift:DerTod ist ein ewiger Schlaf."Jetzt war die Revolution schon bis dahin gediehen, daß Gobel, der eon-stitutivnelle Bischof von Paris, mit feinem Klerus vor dem Convente auftratund bekannte: sie hätten bisher das Volk betrogen und eine Religion gelehrt,an welche sie selbst nicht glaubten. Das Volk, sagte Gobel, will keinen an-dern öffentlichen und nationalen Cultus mehr, als den der Freiheit undheil. Gleichheit; ich unterwerfe mich seinem Willen und lege Ring undStab ans den Altar deö Vaterlandes. Sie traten die Symbole ihres Stan-des und Amtes mit Füßen; statt der Mitra setzte Gobel eine Jakobinermützeaufs). Ein großer Theil der konstitutionellen Geistlichkeit verheiratetesich; einer trat ein Crucifir mit Füßen und sprach:Es ist nicht genug, daßder Tyrann der Leiber vernichtet ist, laßt uns auch den Tyrannen der Seelenzerstören." Bald feierte man in der Notredamekirche zu Paris das Festder Vernunft (20. Brumairc, d. i. 10. Nov. 1793), setzte eine feileDirne auf einen Triumphwagen, gab ihr ein Crucifir unter die Füße, führtesic in Proccsfion und unter dem Geleite der Gesetzgeber und Philosophen indie Kathedrale, setzte sie auf einen Altar, umhüllte sie mit Weihrauchwolkenund sang Hymnen dabei. Dieselben Fanatiker, welche die Reliquien derkathol. Kirche auf eine empörende Weise zerstörten, zeigten sich um so eifrigerin der Verehrung der Götzen der neuen Philosophie. Rouffeau's Perückeund Dose, Mirabeau'ö Degen, ja, Haare aus dem Pelzrocke Voltairc'S wur-den als kostbare Reliquien, verehrt. Um die Priester und den CultuS derkathol. Kirche zu verhöhnen, beging man eine seltene Art von Procession:durch verruchten Frevel war eine consecrirte Hostie geraubt worden, mit wel-cher man einen schauervollcn Unfug verübte. So war man vom Schismazur Ketzerei, von dieser zum Atheismus oder Heidenthume übergegangen.Bei dem Vernunftdienste wurden alle Sekten geduldet, nur der Glaubean Christus nicht.

Doch war diese Erniedrigung und Schmach in Frankreich noch nicht all-gemein geworden; in der Bretagne, in Anjou und Poitou gab eS«och ein kräftiges Volk, das für den König und die Religion die Waffen er-grifft Zwar unterlagen die Vendeer, jene heldenmüthigen katholischenMd königlichen Krieger ^), dem Uebergewichte; aber sie erkämpften doch einenrühmlichen Frieden: Freiheit der Religion. Desto schwerer lasteteaber in andern Thcilen Frankreichs die sacobinische Schreckensherrschaft aufden eidverweigcrnden Priestern. Zum Glück wurde man des Cultus der Vcr-nunftgöttin bald überdrüssig; der Dictatvr Rob cspierrc veraulaßte denConvent: das Dasein eines höchsten Wesens («ltre sugrstniv) unddieUnsterblichkeit d er Seele zu decretiren. Dem höchsten Wesenwurde ein abgeschmacktes Nationalsest gefeiert (8. Juli 1794); Tborheittrat an die Stelle der Blasphemie. Nach Robespierre's Sturze (28. Julid. I.) zeigte der Convent allmälig einen Schimmer von Nüchternheit undBesinn ung. Der Dcputirte Lccointre hatte in dem Convente eindringlich

kl Er starb auf dem Schaffst (13. April 17941. Im Gefängnisse bekehrte ersich reumüthig. s. 7'ekkei-, clictionnairs liinwr. 8. v. Ovbol.

1) Vgl. Mazas Bd. II. S. 131 ff.Darstellung des Vendeer-KriegeS."