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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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986
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986 3. Zeitraum. 2. Periode. 2. Zeitabschnitt. I. Capitcl.

Und die dem Mordstahle entgangen waren, mußten ihre Gemeinden undAlles, waS ihnen thcuer war, verlassen. Aber die Hand Gottes leitetedie Emigrirten; in Italien, Spanien, der Schweiz, in Deutschlandselbst in England fanden sie bei frommen Gemüthern Theilnahme. Nochmehr charakterisirte sich daö satanische Treiben der Gesetzgebenden darindaß sie den schwanger gewordenen Buhlerinnen regelmäßige Unterstützungbewilligten und die Ehescheidung erlaubten, so daß in 2 Jahren allein inParis 5900 Ehen getrennt wurden. Dem Auslände, dessen Fürsten derMehrzahl nach anfangs neutrale Zuschauer geblieben waren '), bis der Kai-ser Franz von Oesterreich und König Friedrich Wilhelm von Preußen späterihr Manifest für den unglücklichen Ludwig XV!. erließen, erklärte die ge-setzgebende Versammlung den Krieg (20. April 1792). Man wollte so dennach Freiheit strebenden Aufschwung des Volkes in einen kriegerischen ver-wandeln , und, wo möglich, einem geregelten Angriffe von ganz Europa zu-Vorkommen.

Nun stürzte das franz. Volk, als es durch Religionswechsel, schlechtePhilosophie und verderbliches Beispiel der Großen von dem festen GrundeGott und der Kirche" einmal abgekommen war, in immer schnellererZeit und größerer Ausdehnung zu der äußersten Stufe des Verderbens herab.Die neu berufene Versammlung, Nationalconvent (s. 21. Sept. 1792)schaffte sogleich das Königthum ab. Girondisten und Jacobincr, ausdenen der Convent bestand, waren darin einig ; einig auch in der Bernrthei-lung deS edlen, wohlwollenden, nur zu schwachen Regenten. Frankreich be-lastete sich mit dem Verbrechen der gerichtlichen Ermordung seinesKönigs (21. Jan. 1793). Die letzten Worte dieses Monarchen:Ichverzeihe den Urhebern meines Todes und bitte Gott, daß das Blut, welchesihr setzt vergießen wollet, nie auf Frankreich falle," bürgen für seine Seelcn-größe und christliche Ergebung. Die eidverweigerndcn Geistlichen wurdenvon Neuem gewaltsam verfolgt. Ucbcr das Land waren 44,000 Revvlutivns-tribunale mit ebenso vielen Guillotinen verbreitet; ein fliegendes Heer von6000 Mann säuberte die Republik von monarchischen und aristokratischenT.ndenzen!

Da nun Frankreich in einen gräßlichen Bürgerkrieg verwickelt, jedesehrwürdige Herkommen vernichtet, selbst daü Königthum entweiht war, undder Pöbel sich der Oberherrschaft bemächtigt hatte: erschien auch daSChristenthum als bloßes Herkommen und der Freiheit feind-selig. Ein Gesetz von 1792 hatte bereits allen Religionen Duldung zu-crkannt, und in der That war nur E i n e ausgeschlossen. Der Pöbel führtedie Lehren der franz. Philosophen, die er auf seine Wdise erfaßt hatte, prak-tisch durch. Während man die wahren Priester verfolgte, wurden die Kir-chen nicht milder behandelt; und als sie auSgeplündert waren, riß man sienieder, verkaufte sie, oder verwandelte sie in s. g. Vernunfttempel. Umalle Erinnerung an das Christenthum zu tilgen, führte man eine neue sinn-lose Zeitrechnung mit Dekaden und republikanischen Festen ein H; be-seitigte alles Christliche aus den Gesetzen; behandelte die Ehe als einen rein

820; sowie die ob. vor h. 386. citlrte Schrift Carron's: die Glaubensbckenner,die in der dent. Ucbcrsetz. Zusätze enthält aus Icm inaihrs äe ln io,

penilnnt ln i^voliuivn Onn^nise, 821. 4 4.

>) Mazas Bd. 1. S. 244. besond. im Anhänge S. 335 80.

2) S. Lco's Univcrsalgcsch. Bd. V. S. 88. besond. S. 11417.