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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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983
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§. 387. Die französische Nationalversammlung (Constituante.) 983

Kelche und Kirchengcfäße von Gold und Silber eiuzuschmelzen und zur Unter-stützung des Staates zu veräußern. Die Verlegenheit über solchen Ebel-mutl» wußte der Bischof von Autnn aber dadurch zu beseitigen, daß er am 10.October d. I. mit der berüchtigten Motion hervortrat:m an so l l e all c sKirchengut für Nationalgut erklären, einzichen und damitdie Staatsschulden tilgen." Die wohlmeinende Abmahnung des ge-mäßigten Montesquieu wie dcS feurigen Maury vor dieser rechtlosenund gefährlichenFinanzspeeulation, selbst diestrafendenWorteeinesSi ey cs:Ihr wollet frei sein, und wisset nicht gerecht zu sein," waren vergeblich.Ei» Decret der Nationalversammlung (2. November) stellte alle Kirchen-gütcr zur Verfügung der Nation, verhieß aber für die Kosten des Cultus,den Unterhalt der Geistlichen und für die Unterstützung der Armen auf schick-liche Weise Rath zu schaffen! Schon am 19. December wurden Güter desKlerus, 200 Millionen an Werth, feil geboten.

Dieselbe Gcwaltthätigkeit, nur mebr handgreiflich, wurde außerhalbder Nationalversammlung ausgeübt. Nach der Zerstörung der Bastille wa-ren mehrfach Truppen abgcfallen, und der berüchtigte Herzog von Or-leans spielte mit der ihm schmeichelnden Partei ein verräterisches Spielgegen den Thron. Auf den Straßen hallten die Verhandlungen der Depu-taten in dem Gebrülle des Pöbels wieder:Es lebe die Erklärungd er Men sch en rech te." Das Aeußerstc geschah am 5. u. 6. Oktober d. I.,als ein bewaffneter Pöbelbaufe den Köiug nach Paris führte, und die Na-tionalversammlung sogleich an diesen Feuerhcerd folgte. Von jetzt an wardie Revolution unvermeidlich; sie wurde aber dadurch beschleunigt, daß derbessere Thcil der Depntirten, an 300, Paris verließ, um an den ferner»Verbrechen keinen Theil zu nehmen. Die hier öffentlich agircndcn Jacobinerund Freiheitsmänner, denen sich auch der Herzog von Orleans, Groß-meister der Freimaurerlogen in Frankreich '), als Bruder Egalste- beigesellte, konnten nun kühner ihre verwegenen Streiche vollziehen. Am 13. Fe-bruar 1790 hoben sie aufdes Advocaten Tre illa r d's Antrag das M önchS-thum in Frankreich auf; den Mönchen verhießen sie eine geringe Pension,'die später ans herabgesetzt und schlecht bezahlt wurde. Wie im lotenJahrh. unter Luther, stürzten sich auch jetzt Mönche schaarenweise in das Re-volutionslcben, und wurden oft die wildesten Schreckensmänner (Fouchö,Chabot). Am 14. April wurde ungeachtet des Widerspruchs Gregoire'Sdie Verwaltung des gesammtcn Kirchenvermögens den weltlichen Behördenubergeben, durch welche alle Geistliche besoldet werden sollten, die Pfarrermit 1200 Livres nebst Haus und Garten.

Aber bevor den Geistlichen die verheißene Entschädigung, ja nur ihrLebensunterhalt gereicht wurde, suchte man erst die C i v il - E onstituti ondes Klerus aufzustellen (12. Juli 1790). Da man Frankreich dekathv-lisircn wollte, sv begnügte man sich nicht mit der Plünderung der Kirche;auch ihre Verfassung sollte zerstört werden. Statt der seitheri-gen 136 Bisthümcr soMn von nun an, entsprechend der Anzahl der neu-geschaffenen Departements, nur 83 bestehen*); die Domeapitel aufge-

l) lieb. d. Einfluß d. Freimaurerordens auf d. franz. Rcvol. s. Larruek. memai-res II. 257 8». et«'. Polignac, hist., polit. u. rcl. Studien Bd. I.S. 56ff.

Das Verzeichniß der noch 1789 cristircnden 18 Erzbisthiimcr mit 108 Suf-fragansbiSthümcrn sammt ihren Einkünften, der 5 zum Mctropolitanverband vonTrier gehörigen und der 5 Bisthümcr auf Corflka s. bei MazaS Bd. 1. S, 67 ff.