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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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982
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982 3. Zeitraum. 2. Periode. 2. Zeitabschnitt. I. Capitel.

sammlung, und legten sich den NamenNationalversammlung"bei. Diese Stellung hatte ihnen besonders der Abbe Sieycs, Generalvicar vonChartres und Verfasser d er b erüchtigten S ch rift:W a S ist derdritte Stand? " schon lange mit kecker Beharrlichkeit zu vindiciren ge-sucht. Cr selbst war von seinem Stande ausgestoßen, und wurde end-lich noch mit Mühe als Abgeordneter des dritten Standes in Paris gewählt.Neun Pfarrer, unter denen der Abbö Gregoire war ^) , schlossen sich so-gleich diesem Stande an, denen alsbald 148 andere Mitglieder des Klerusfolgten. Darunter waren die Erzbischöfe von Vienne und Bordeaur unddie Bischöfe von Chartres, Cvutanecs und Rhodcz; Tallcprand, B. vonAutun, wurde mit 151 neuen Mitgliedern aus dem Klerus der Hauptführerdieser Geistlichkeit. Als der König nun auch in diese Vereinigung der dreiStände einwilligte, überschritt der revolutionäre Hochmuth der Bürgerlichen,gleichsam siegestrunken, alle Schranken. Mit schäumender Wuth stürmten50,0110 Mann in der Hauptstadt die Bastille (14. Juli), der Königmußte den verbannten Minister Neckcr wieder zurückberufen. Kurz daraufusurpirte die Nationalversammlung die politische Gewalt und trat mit derTendenz hervor, den Adel und die Geistlichkeit nun ihrer Rechte und Güterzu berauben. In der stürmischen nächtlichen Sitzung vom 4. August zeigteder Adel und Klerus die rührendste Bereitwilligkeit, die Staatsschuld Leckenzu helfen. Der Adel entsagte seinen Titeln, Wappen und Vorrechten, derKleruS bot Besteuerung der Kirchcngüter, Ablösung des an ihn zu entrich-tende» Zehntens, Verzichten auf Stolgebübrcn und Aecid'enzicn an. DieI ansenisten hofften dabei aus eine Vergeistigung der Kirche. Als aberam 10. August daS daraus bezügliche Gesetz diseutirt wurde, und der Erz-bischof von Paris, seit 10 Jahren der Vater der Armen genannt, im Na-men der Geistlichkeit in einer eindringlichen Rede als Beringung der Preis-gebung deö Zehnten u. A. forderte: daß das Evangelium fortdauernd ver-kündet, der öffentliche Gottesdienst mit Würde und Anstand unterhalten, dieKirchen mit tugendhaften und eifrigen Pfarrern besetzt und auch die Armenim Volke noch ferner unterstützt würden, und daß darum die Einziehung desZehnten noch bis dahin eingestellt werden sollte, wo die Staatskasse jeneVerpflichtungen werde verbürgen können, erhielt die Geistlichkeit unbestimmteVersprechungen: 70 Millionen Franken jährlicher Einkünfte wurden aufeinmal gestrichen; die privilegirten Stände schon vom 1. April 1789 zurSteuerabgabe verpflichtet, die ärmeren Pfarrer und Vicarc ausgenommen,welche blos das nothdürftigste Einkommen (poitio cuimrua) hatten.

NunwurdeauchdieFragcübcrNcligionssrciheit angeregt und durchStimmenmehrheit (26. August) festgesetzt:Niemand dürfe wegen seinerMeinungen, selbst nicht wegen seiner religiösen beunruhigt werden, so laugeer durch ihre Ausbreitung die öffentliche, durch das Gesetz bestimmte Ord-nung nicht störe." Hierdurch näherte man sich bereits der Dekatholisi-rung Frankreichs, deren Nothwcndigkcit Mirabcau behauptet hatte,da der Katholicismus mit der Freiheit unverträglich sei. Bei der steigen-den Finanznoth des Landes machte der edle Erzbischof von Paris, hinweisendauf Beispiele früherer Zeiten, sogar daö Anerbieten, alle überflüssigen

1) blewoirss lle Oiegm're (4 >831), preeecleb tt'uue uot-iee Inet, sur I'sMeurpurLl. 77. kar. 837. 2 7'. Krüger, Gregoire nach seinen Dcnkwnrd mit

Vorrede von C. Hase. Lpz. 838. vgl. Tiib. Q.-Schr. 1838. H. 4. S. 72941.