984 3. Zeitraum. 2. Periode. 2. Zeitabschnitt. l. Capitel.
hoben, alle Abteien, Priorate und Bciicsicicu eingezogcn werden. Die Bischöft und Pfarrer sollten von den gewöhnliche» Wahlversammlungen derDepartements ernannt werden, in denen sich auch Calviuisten und Juden be-fanden, die Confirmation der Bischöfe durch den Papst aufhören. Die kano-nische Bestätigung hätten sie vielmehr bei dem Metropoliten cinzuholen, undvor der Conseeration in Gegenwart der Mnnicipalität, des Klerus unddes Volkes zu schwören, der ihnen anvcrtrauten Heerde heilige Sorgfalt,der Nation, dem Gesetze und Könige Treue üben zu wollen. Jeder Bischofist Pfarrer der Kathedrale; die Pfarrer der Ncbcnkirchen sein Senat, a»welchen der Bischof in der Ausübung seiner Gewalt gebunden ist; jede Ein-mischung eines auswärtigen Bischofs ist verboten, doch unbeschadet der Ein-heit mit dem sichtbaren Obcrhauptc der Kirche. Man nannte dies bürger-liche Constitution des Klerus, als ob eo sich hiebei um bürgerliche Ge-genstände handele. Als die Bischöfe dagegen protestirtcn und auf Berufungeiner National- oder Provinzialsynode drangen, bestimmte man: alle Kir-chcnbeamten sollten diese Gesetze, als die bürgerliche Constitution des Klerus,bei Verlust ihres Amtes beschwören. Ludwig XVI. wurde mit Gewaltgezwungen, diesem Beschlüsse seine Einwilligung zu geben (27. December).Auf den Vorschlag des Protestanten Barn ave wurde nachdrücklicher festge-stellt (Januar 1791): alle Bischöfe und Priester sollten entweder dcnEidaus die bürgerliche Constitution leisten oder ihre Stellen verlieren; und wennsie ihre Functionen fortsetzten, als Störer der Ruhe verfolgt werden. Manversuchte es sogleich an den bei der Nationalversammlung accreditirten Geist-lichen. Von 300 ließen sich nur 80 bewegen, mehr aus Eigennutz als ausUcbcrzcugung (gs^rmontön). Unter den Erzbischöfen und Biichöfen warenes nur: Lomenie dc Brienne, EB. von Sens, Talleyrand, B. vonAntun, Savine, B. von Vivicrs, und Jarente, B. von Orleans.Grcgoire hatte in einer Rede die Gründe für die Eidesleistung vorgctragenund zuerst den verlangten Eid geleistet. Unter dem übrigen Klerus zählteman über 50,000 Pfarrer, Vicarc u. a. Geistliche, die Muth genughatten, die Eidesleistung abzulehnen (iiisorinontus). Auch traten von denwenigen Priestern, die den Eid geschworen hatten, mehrere zurück oder such-ten ihn auf eine ausweichende Weise zu erklären. Schon damals bedurfte esnur eines Winkes, um das Blut der Priester fließen zu lassen; aber manwollte, wie Condorcet sagt, keine Märtyrer machen.
Damit über die religiöse Gesinnung der Nationalversammlung keinZweifel mehr obwalte, wurde durch einen Beschluß vom 4. April dieKircheder h. Genovefa in ein Pantheon verwandelt, in welches dieLeiche Voltaire'S mit großem Pompe gebracht wurde. Der eidvcrwcigerndcKlerus wurde überall voni coiistitutionellen verdrängt, der meistens auspflichtvergessenen Mönchen oder eifrigen Revolutionsmünnern bestand, sogarentwichene Priester aus Deutschland und Holland nahm man in Frankreichans. Gegen 20 Pfarrer, die das Beispiel des Abfalles in der National-versammlung gegeben hatten, wurden mit Bisthümern belohnt. Zu diesengehörte auch Gregoire, welcher das Bisthum Blois noch bei Lebzeiten desrechtmäßigen B. von Thcmines erhielt. Zum Danke dafür drang er nachder vereitelten Flucht Ludwig's darauf, daß die Unverletzlichkeit desMonarchen aufgehoben und dem Könige der Proccß gemacht werden sollte.Zu seinem Generalvicar erwählte Gregoire den entarteten Kapuziner Chabot, gegen den der Wütherich Marat fast noch heilig erscheint. Tallcyrand