§. 379. Die Quäker.
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gab er nach und nach dic Wahrheiten des Christenlhums auf, Alles hülltesich bei ihm in Unbestimmtheit. Daher sagte schon Joh. v. Mutier vonseinen sonst geschätzten Beiträgen zur Geschichte der Menschheit: „Ich findeAlles darin, nur nicht Christus; was ist aber die Weltgeschichte ohne Chri-stus!" Doch war sa Christus dem Sachwalter der Humanität nur „derLiebling JehovahS."
Als so viele Gcmüthcr in ihren religiösen Bedürfnissen unbefriedigtI,lieben und nach einer Nahrung für das Herz verlangten, konnten dic ein-fachen, fromm klingenden Worte G ellert's so vielen Beifall finden, unddie Messiadc Klopstock 's, wiewohl sic nicht, wie Dante's Meisterwerk,auf positiv christlichem Glauben ruhte, mit so großem Enthusiasmus begrüß:werden. Ungleich mehr auf christlichem Boden stand der tiefsinnige, pro-phetische Ham an und der fromme, volksthümliche Claudius, wovonder ersterc einen gewählten, der letztere einen weiten Kreis von Lesern fand'')und besonders die Schriften des Bischofs Fenclon empfahl (s. S. 038.Note 3.). Auch Lavater pries oft des Christenthumö Segen. Dagegenhat Göthe') durch seinen mächtigen Einfluß auf das Zeitalter die Zeitge-nossen für den Geist des klassischen Griechenlandcs begeistert und „als dc-cidirter Nichtchrist" vom Christcnthume gänzlich abgclenkt; sa nachseinem ganzen Wesen Natur und Wohlbehagen und darin ganz aus-gehend, hielt er sich Religion und Politik als ein zu trübes Element für dieKunst so weit als möglich vom Leibe! Nur „das ewig W e i b I i che zogihn an." Auch Schiller klagte wehmüthig in seinen „Göttern Grie-chenlands": Einen (Christcngott) zu bereichern unter allen, mußte dieseGötterwclt vergehn! sang voll Sehnsucht: „Kehre wieder, holdes Blüthen-altcr der Natur" und erklärte: „er sei ohne Religion — aus Religio n"!
§. 379. Die Quäker.
Ilint. ok rlm liko, truvolö nnä Lutlorin^n ot' 0 19>x. U in!. 991 Denn, 8um-uiui'v ok tim bist., (IneliiilN uni! elis<isilino ok briousto eil. 6. 1- »3 797.mit Anmcrk. v. Scebohm. Pprinont. 792. Möhler, Symbolik, II. Buch.
Die Quäker, gegründet von dem Schuster und Hirten Georg Forfgeb. 1624 zu Drayton in Leiccstershire, -s 1690), gehen davon aus, daßalles religiöse Bewußtsein unmittelbare Wirkung des h. Geistes sei, welcherdas „innere von Christus ausgehende Licht" durch innere Offenbarung imMenschen am Tage derHeimsuchung entzündet. Dieses innere Licht,durch die äußere Offenbarung und die Mittheilung der h. Schrift nicht un-nöthig gemacht, schließt vielmehr erst den Sinn der h. Schrift auf, darf aberdem äußern Schriftworte nicht widersprechen und keine andere HellSwahrhei-tcn mitthcilen; seine Wirkung ist die religiös-sittliche Erkenntniß,und diese dic Quelle des frommen Lebens. An dieses Grundprincip knüpftesich dann weiterhin ihre Lehre von der Rechtfertigung und Heiligung, von dervollkommenen Gesetzescrsüllung und von den Sacramenten, die sie lediglichals geistige Actionen und Bestienmtheitcn auffaßten. Dabei verwar-fen sie ein bestimmtes Lehr- und Predigtamt, indem dieses den momentanErregten überlassen wird; gebrauchten keine bestimmten Gebctsformeln, ver-weigerten den Kriegsdienst, den Eid und die Zehnten, verachteten das Theater,
I> Biogr. Erinnerung an fZob. Haman, Mimst. 855. Herbst, Bibl. christl.Denker. Lpz. 830. Bd. 1.-2) lieber Claudius u. Lavatcr bei Herbst Bd.6-— 3) Thvluck, vermischte Schrift. Bd. II. S. 361—83. Auf die bessern Ele-mente in Göthe u. Schiller verweist Daum er, meine Conversion, Mainz 859.E> 66. u. S. 119 ff.