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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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967
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§. 377. Prcisgcbcn deo spmbol. Lehrbegriffs; neuere Philosophie. 067

feindlich. Noch mehr entfremdete Locke(ff 1704h durch seine nüchternePhilosophie die Gemüther den tiefen christlichen Glaubenswahrheiten. Zwarschien Leibnitz sich 1716), der Repräsentant alles weltlichen und kirchlichenWissens seiner Zeit, besonders am Ende seines Lebens durch eine großartigereAuffassung des Christcnthums sich viescm befreundet zu haben'), doch hatteer auf die protestantischen Theologen nur sehr wenig Einfluß, und in denHänden Wolfs') wurde seine Philosophie zu einem Gemeingute der mittel-mäßigen Kopse, welche Lurch die von Wolf ausgestelltenatürliche Re-ligion" die positive Lehre zu verdrängen suchten. Dies gelang auch um soleichter, weil die Hauptmomcnte der natürlichen Religion, so sehr man diesauch zu verbergen suchte, aus dem Ehristenthume entlehnt waren! Aus dieserSchule ging die s. g. p o p ulär c P h i I o s o p hi c hervor, zu der besondersJerusalem, Garve, Reimarus, Eberhardt und Mendels-sohn beisteuerten, welche dem Wolsianismus die Schulform abftrcisen undsich nur an dengesunden Menschenverstand" halten wollten. Daher warvom christlichen Dogma nicht mehr die Rede, und selbst der Boden der na-türlichen Theologie wurde schwankend. Alles verwandelte sich in hypvth e-tische Näsonnements, daher Garve in einer Abhgndlung über das DaseinGottes den TheiSmuS nur als die beste unter den vorhandenen Hypothesendurchführt. Doch diese willkürliche Meinungsschriftstellcr blieben athcmloszurück, als der Protestantismus durch Kant seine Philosophie erhielt, nach-dem der Glaube in ihm unicrgegangen war. Auf dem theologischen Gebietezeigte sich die Einwirkung der Wolf'sche» Philosophie in der s. g. Werth-Heim er B i belü bcrs etzung ') , welche die Ansichten dieser Schule überdie Offenbarung an der Stirne trug, und die Weissagungen und biblischenIdeen höchst flach anffaßte. Sic wurde daher auf kaiserlichen Befehl imReiche verboten (1737); wäre sie 5 Decennicn später erschienen, so würdeihr wahrscheinlich der größte Applaus geworden sein.

Bald schlug auch der Naturalismus der Freidenker Englands, der ausdemselben protestantischen Principe hervorgegangcn war, liefe Wurzeln inDeutschland und wurde mit entsetzlicher Besonnenheit durchgeführt. Es bil-dete sich eine Gesellschaft der s. g. Eo nsci eutiar ier, deren GrundsätzeMatth. Knutzen durchTractätchen weiter verbreitete. Auch ELelmann ^)sprach seit 1735 sich gegen das gesammte historische Ehristeukhum rückhaltlosaus, wenn er in kecker, volköthümlicher Weise aufforderte:mit Verwerfungdes christlichen Koran's, der nicht weniger unzuverlässig und mit sich imWiderspruch wäre, als der türkische Koran, sich wieHenoch und Noaallein an die Vernunft zu halten, da das Gewissen, nicht eines Einzigen,sondern vieler Verständiger, von der Mutter Natur einem jeden eingcpflanztlehre, ehrlich zu leben, Niemanden zu beleidigen und jedem das Seine zulassen: wer diese Bibel verachte, verachte sich selbst. Das Gewissen

ijGuhraucr, Gons Will). Zehr, v. Leibuip. Eine Biogr. Bresl. 842.2 Th. Ritter, Grsch. der Philowphic Bd.Vill. Stauvcnn, a icr, Leibn. überMl. Offcnb. lTiib Q -Schr. 836.» Miinsr, die spekulative Theologie. Leib»,»ebendas. 840.) Tholnck, vcrniislbtc Schriften. Bd. l. S. 6>>37.

2) IVal/i ilmo». naiur. läps. 736. 2 77 4 Ritter, Grsch. der Philo-sophie. Bo. Vlll.

3» Vgl. Walch, RcligionSslreitigkcite». Bd. V.

4) Vgl. äetu licht. o.-<-ls Bd. IV. S. 436. Vl. 292. Xll. U0. XVlll. 057 ff.s. auch *W. Elster, Erinnerung an Zvh. Ehr. Edelmann in Bezug aus 7>r.Tav. Jriedr. Vtrauß. Clauöth. 830.