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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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940
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940 3. Zeitraum. 2. Periode. I. Zeitabschnitt. I. Capitcl.

man sich an die fünf Sinne; der Geist wurde von der Materie völlig unter-drückt. Der nachtheiligste Einfluß wurde überhaupt von England') ausauf Frankreich geübt, wo die extremen Ausgeburten des Protestantismuseinen wohl zubereitctcn Boden fanden. Schon in der vorigen Periode hatteEdw. Herbert, Graf von Cherbury ff- 1048), erklärt: das Gött-liche des Christenthums könne höchstens wahrscheinlich gemacht, aber nichtbewiesen werde». Auch reiche zur Seligkeit hin, an Gott zu glauben, ihndurch Tugend zu verehren, die Fehler zu bereuen und zu verbessern, und voneiner Vergeltung nach diesem Leben überzeugt zu sein. Der Irländer To-land (,-f 1722) spottete zuerst über die Geistlichkeit, und suchte dann zu be-weisen, daß das Ehristenthum keinc Geheimnissc, überhaupt nichtsenthalte, was über die Vernunft sei, und regte starke Zweifel an der Accht-heit der biblischen Bücher an. Der Graf von Shafteöbury sch 1713),ein Schüler Locke's, spottete schon offen über einzelne Stellen der h. Schrift,Weißagungcn und Wunder. Noch gefährlicher war Ant. Coll ins, derden Namender Freidenker" geschaffen hat (Z 1729). ThomasWovlsto» (ch 1733) erklärte die ganze Geschichte des A. und N. T. alsfortgesetzte Allegorie. Der Ncchtsgelehrte Tindal (Z 1733) griff dasEhristenthum aus Haß gegen die Geistlichen an, und bestritt die Nothwen-digkcit einer übernatürlichen Offenbarung, da die natürliche hinreiche. Wil-liam Lyon (s- 1713) erklärte sich für die Untrüglichkeit der menschlichenVernunft und klagte den geistlichen Stand an, daß er mit der vorgeblichengöttlichen Offenbarung einen fortwährenden Betrug gespielt habe. Der Hi-storiker Dav. Hume (-s 1776) leugnete vermöge seines Skeptizismus dieWahrheit des Christenthums und erklärte den Polytheismus für die ältesteReligionsform, aus welcher erst der Monotheismus hergeleitet sei; derreine Deismus sei die vernünftigste Form der Religion^). Von diesenGegnern des Christenthums ging die antichristliche und antireligiöse Richtungvon England nach Frankreich über.

Da hier aber nicht, wie in England, Preßfreiheit stattfand, und dieGeistlichen ihre Gegner zu unterdrücken suchten, so wurden diese nur noch ge-hässiger. Man wählte anfangs die Form der Reisebeschreibungen, worin sicden Glauben der Kirche als bei fernen Völkern bestehend verhöhnten. DieSgeschah in der Geschichte der Severamben von Vairesse ^), in derReise und den Abenteuern des Jac. Massü von Simon Tyssot de Pa-tot und in Fönten elle's Beschreibung der Insel Borneo. MonteS-guieu führte in seinen persischen Briefen einen nach Frankreich gekommenenPerser auf, der sich über die kirchlichen Verhältnisse spottend erklärte, undder Graf Heinri ch von Bouillon Villers sch 1722 ) schrieb ein Le-ben Muhammed's in der Absicht, um den Muhammedanismus über das Chri-stenthum zu erheben. Der Historiker Bayle hatte schon früher seine Spötte-reien und seinen Skepticismus auch über die Bibel ausgelassen und behaup-tet, die menschliche Gesellschaft könne auch ohne Religion gar wohl bestehen.Nach diesen vereinzelten Versuchen schwur aber eine Rotte, die vom bittersten

1) Thorschmid, Vers. ei», sollst. Frcidcnk. Bibl. Hal. 765 ff. 4 Bdc. vgl.Leo, Lehrb. der Univcrsalgcsch. Bd. IV. S. 173 ff.

2» Lechlcr, Gcsch. des engl. Deismus. Stuttg. 841. Riffel, der engl.Deismus ». seine deutschen Nachklängc »Katholik 1848. Nr. 3638; 40- 41).Freib. Kirchcnlcr. ArtikelDeismus" u.Deisten."

3) Ilist. üo Loverambos. ?ur. 677 sg. 3 N. 12. Sulzb. 689. 3 Bde.