§. 368. Verfall der Religion und Theologie in Frankreich re. 639
mals in der Kirchcnge sch ichte die französischen Gelehrten leisteten, ver-blieb der Nachwelt »och lange als ein unerreichbares Muster. Die WerkedcsTilleinvnt, Fleury, Natal.Alexander, Bossuet, Hardouin,Labbö, Cvssart u. rn. A. (s. S. 28 ff.) behaupten bis jetzt noch ihreneigciithümlichcn Werth, manche den ersten Rang auf diesem Gebiete. End-lich besaß Frankreich jetzt neben Bossuet und Fenelvn noch Prediger,die an Geist, rednerischem Schwünge, Gedankenfülle und künstlerischer Vollen-dung ihrer Vorträge für immer Muster bleiben werden. Flechier, B. vonNiSmes (ff 1710), beugte mit seiner markigen Beredsamkeit Alles unter diebchre vom Kreuze'). Weniger glänzend in der Rede ist der Jesuit Bour-dalonc"), aber an Kraft und Gedankenfülle ist er unstreitig der größteKauzclredncr (ff 1704). Die trügerischen Regungen des menschlichen Her-zens hat Niemand besser und klarer enthüllt als Massillon, B. von Cler-nwnt (ff 1742), und der Sünde gegenüber das Wesen der Tugend am an-ziehendsten geschildert^). In volksthümlicher Kraft der Rede und in Ent-hüllung der erschütterndsten Wahrheiten behauptet der Missionär Brid aine(nm 1750) den ersten Platz*).
tz. 368. Verfall der Religion und Theologie i» Frankreich zumTh eil durch Einwirkung englischer Freidenker.
Tlan'nek, mömnirvs cku .lui-olniumno 37 I. — l Stark, I. Ang. v I DerTriumph der Philosophie im 18. Jahrh. Frkf 803. 2 Th.; bearb. vonBnchfelncr. Ldsh. 834. Binder, Gesch. des Philosoph, u. revointion.Jahrh. mit Rücksicht auf die kirchl. Zustände, Schaffh. 844. 2 Bde. Walch,neust. Rcl. Gcsch. Bd. 1-II1. Huth, KG. des 18 Jahrh. Ld II. S. 265.
Selten hat Höhe und Verfall des kirchlichen Lebens so nahe an einandergestanden als jetzt in Frankreich. Die nächste Veranlassung dazu gab wohldie Regentschaft des sittenlosen H e rz ogs v v n O r 1 e a n s, an dessen Hofeeine grobe Sinnlichkeit herrschte, die sich von hier aus in weitern Kreisenverbreitete. Religion wurde am Hofe meist nur in leerem Ceremvnicndienstcund als Formalität ausgeübt. Auch der beklagenswerthe Ausgang des janscni-stischcn Streites trug dazu bei, das Sinken der Religiosität und den Spottüber Frömmigkeit zu befördern , zumal noch der leidenschaftliche Streit überdenProbabilismus zwischen Jansenistcn und Jesuiten hinzukam. Gleichbcklagenswerth war eö, daß Glieder des Jesuitenordens, wie Hardouin,den historische» SkeptieiSmus bis ins Absurde trieben, und sein SchülerBerruper die Geschichte des A. T. zu einem schlüpfrigen Romane bearbei-tete °), so daß sein Unglaube aus der Art des Vortrages allenthalben durch-leuchtete. Zwar bekämpften ihn mehrere Ordcnsgcnossen aufs kräftigste, aberder erzeugte Eindruck wirkte unter den obwaltenden Umständen sehr nachhaltig.
Daneben machte sich eine Art von Gerede, als „Philosophie" gel-tend, die ganz aus der herrschend werdenden Gefühls- und Willcnörichtunghcrvvrging. Nach dem Vorgänge des Engländers Locke (ff 1704) war eSzunächst der Empirismus, der aber allmälig in vollkommenen Mate-rialismus ausartcte. Da man keine Ideen mehr erzeugen konnte, hielt
l) ?iniö-rv,'ll,il 08 (lo8 8oiii!s: »rainons llmpdros: sermous.
2j Oenveoii gor ÄiAanck. Uar. 708 8g. 16 3. nonv. ock. Uar. 838. 5 I .
3j aouvros oowpcköwn. Uar. 838. 3 3'.
4; Lermons cku imi-os lloickruilo. ^vign. 827. 7 37 Vgl. ossal 8ur
lüNMdmo cko In clmire. Unr. 810. 37 I.
5) Uistoiro cku peupla ilo Dien ote. Uar. 728. 58. 13 Vol. 4. vgl. Fr cid.Ilirchenlcr. Bd. 1 S. 852.