930 3. Zeitraum. 2. Periode. I. Zeitabschnitt. I. Capitel.
weitern Verbreitung jener Grundsätze entgegen zu wirken, verfaßte Boffueteine ausführliche Schrift über die verschiedenen Arten des Gebetes (snr b-sötnts >13».als,»ft, und übergab sie Fenclon' zur Approbation, welche die-ser verweigerte, weil sich in dem Buche allzu harte Urtheilc gegen die Guyonfänden. Es entspann sich ein eigcnthümlicher Streit zwischen zwei große»Männern. Auch er wollte die reinen Grundsätze der wahren Mystik entwickeln,ohne jedoch die Ansichten der Guyon in ein so ungünstiges Licht zu stellen,und verfaßte seine „Er k l ä rung d e r G rund sä tz e d er H e il i g e n (1097),worin er die Lehre von der reinen, uneigennützigen Liebe in einem blendendenLichte cntw ekelte (3. Bossuet fürchtete bei dem Glanze der Tugenden und demEinflüsse, den Fcnelon ausübte, sowie bei der bestechenden Darstellung destoüblere Folgen. Aber indem er den Pseudomysticismus bekämpfte, trat er derwahren Mystik theilweise zu nahe. Mit Bewilligung des Königs legte Fe-nclon endlich die Entscheidung dem apostolischen Stuhle vor. Jnnoeenz XIl.setzte eine Commission von 10 Theologen nieder, die nach sorgfältiger Bc-ratbung die „Grundsätze der Heiligen" im Allgemeinen verdammte, und 23Sätze als anstößig, gefährlich, verwegen und beleidigend bezeichnte. DerPapst suchte dem allgemein geachteten und liebenswürdigen Prälaten denSchmerz dieses Resultates dadurch zu erleichtern, daß er erklärte: „Fene-l on habe geirrt durch das Uebcrmaaß der Liebe Gottes; „Bossuet habegefehlt durch den Mangel der Liebe des Nächsten." Fenelvn, der die Vcrnr-theilnng in dem Augenblicke erhielt, als er die Kanzel bestieg, verlas dieselbesogleich und bat seine Freunde unter Thräncn, sein Buch nicht zu vertheidigen,die Gemeinde, es nicht weiter zu lesen. De» fernen Diöccsanen verkündete erseine Unterwerfung durch einen Hirtenbrief, und gebot ihnen ein Gleiches zu tlmn.
K. 307. Litlcratnr der g a l l i e a n i sch e u Kirche.
(IVcot) essai Inster. snr I'wtlnenee de ln reiiftlon an I'rauee nt.,-, 7-aerötelir.bist. de brnine nu 8>e,le XVIII. nbcrs. von Sander. Berl. 810. 2 Pde.
Die glänzendste Partie in der Geschichte der gallicanischen Kirche diesesZeitabschnittes ist die theologische Litteratur, welche der Klerus hcr-vorbrachte. Die Restauration des Klosterwesens, der sittlich reli-giöse Geist, welche am Ende der vorigen Periode große Männer wie Franzvon Sales, Vincenz von Paula u. A. den Ordcnsgliedcrn einzu-haucheu wußten, die treffliche Erziehung, welche die Geistlichen in dem In-stitute der Mauriner, Oratorianer und der Sorbonne erhielten,trug nun schöne Früchte. Neben den dogmatischen Streitigkeiten wurde derForschungSgcist noch durch zahlreiche kirchcnrechtliche Diseussionen, so wieauch durch den Gegensatz zu den Protestanten gefördert. Die lange und an-fangs nach außen so glückliche Regierung Ludwig's XI V. gab der Nationeinen Schwung und ein Selbstgefühl, welches die Blüthezcit der Littc-ratur Frankreichs hcrbeiführtc und auch auf die Theologie einflußreichwurde. Die Philosophie des anregenden des Cartes wurde jedoch nichtgehörig gewürdigt und für die Begründung der speculativen Theologie wenigbenutzt'). Sie kam vielmehr durch Mißverständniß und einseitiges Auffas-
I) Hxpliention (las muximes des 8aints snr In vie intörienre. ?nr. 697. 7'rnr-
lo», lettres ü XI. de Vlonux eu röponse nux divers öerits ou mömoires snr lelivre das mnximcs etc. — snr le tzuiötisme. sOeuv. nonv. öd. kur. 838. 3.11)Vgl. Lohnet, lettres snr I'aAdi're du tzniötismv. (Oeuv.nonv. öd. bar. 836.4. 3'.XII)
2 I Oarte.srV, opp. irret. 692 sg. 2 3'. 4. — 77«et,7 ceiisura zdiilos. Onrtes.I'nr. 689. 12. ed. IV. 694. Vgl. THrrratorr. ds moderat. IiiZenior. in religio»,neuotio lib. II. eap. 13. IHock, Cartcsius u. seine Gegner. Wien 835. ». im