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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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§. 366. Quietismus; Molino'S; Gupon.

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bleiben, wo er starb. Jnnoccnz XI. hatte bereits 68 Sätze verdammt, beson-ders auf Veranlassung des Pore la Chaise, des Beichtvaters Ludwig'ö XiV.Dennoch mehrten sich die Anhänger. Man nannte sie Quietisten und ihrenFrrthum Q uietiömus, weil Molinos die Ansicht vorgetragen hatte: willder Mensch zur Vollkommenheit gelangen, so muß sein Gemüth ruhig, ohnealle Empfindung, Bewegung und Wirksamkeit sein; die höchste Blüthe desgeistigen Lebens sei jener Zustand, in welchem der Mensch ohne alles reflec-tirende Bewußtsein sich Gott hingebe. Die Seele müsse sich selbst vernich-ten, um zu ihrem Anfänge und Ursprünge zurückzukehren, wo sie verändertund vergöttlicht wird u. A.

Fast gleichzeitig glaubte mau ähnliche Verirrungen in Frankreich an demblinden Franz Malavale von Marseille, dem Abbö d'E stiv al, demBarnabiten la Combe (annlvsis oiationw), am bestimmtesten aber beiderIohanna von laMotteGuyon zu finden. Sic war eine geistreiche,religiöse und durch ihren Wandel ausgezeichnete Frau^). Aus einer adeligenFamilie geboren (1643), in verschiedenen Klöstern erzogen, war sie vonfrüher Kindheit zu einem beschaulichen Leben geneigt. Durch das Lesen derSchriften des h. Franz vonSales fühlte sie sich zu fleißigem Beten hin-gezogen. Da sie bereits im 16. Jahre unglücklich verheirathet wurde, drängteder Schmerz darüber und die Sehnsucht nach Trost und Beruhigung immermehr znm Umgänge mit Gott. Der Barnabit laCombe führte sic aufdiesem Wege weiter. Nach dem Tode ihres Mannes setzte sie ihr mystischesStreben fort, und machte die Erfahrung des gei st ig en Tod eS und derWiederkehr der innern Erquickung. Fest entschlossen, sich unbe-dingt dem Dienste Gottes zu widmen, ging sie nach Gens (1681), und alsder Bischof jenes Sprengcls sie verfolgte, trat sie in das Ursulinerkloster zuTonon. Nun fühlte sie einen unwiderstehlichen Trieb zum Schreiben, undverfaßte die Abhandlungen: Kurzes und leichtes Mittel zu beten;dieStrömc t Ikw tor, ); von dcm ge istigen Leben, und eine aus-führliche Erklärung der h. Schrift. Als in ihren Schriften gefähr-liche Grundsätze bemerkt wurden, übergab man sie einem Kloster (29. Jan.l688). Besonders wurde ihre Grnnd ansi cht gerügt: daß es einen Zu-stand der reinen Liebe Gottes ohne Rücksicht auf Belohnung und Strafe gebe,in welchem der Mensch selbst gegen sein Seelenheil gleichgültig sei, und Gottnur geliebt werde als das liebenswürdigste Wesen; daß man selig sei durchdie Liebe zu Gott, ja die Seele selbst darein willige, die ewige Verdammnißzu ertragen, wenn Gott sic uns bestimme u. A. Der EB. von Paris undder B. von Cbartrcö verdammten ihre Schriften (1694); die Commissionzur Prüfung derselben, an deren Spitze Bossuet stand (>69495),charakterisirtc in 34 'Artikeln die wahre und falsche Mystik. Guyon unter-schrieb jene Artikel und erklärte feierlich, sie habe nie etwas gegen die kathol.Kirche schreiben wollen. Darauf durfte sie sich nach St. Cy r zurückziehen,wo sie ihre Lebenstage in erbaulicher Frömmigkeit vollendete (1717).

Ohne die Theilnahme des EB. Fenelon von Cambray würde ihr Auf-treten weniger Bedeutung gehabt haben. In der Voraussetzung nämlich,daß ihre Liebe zu Gott jenes innige und großmüthige Gefühl sei, das ihnstlbst erfüllte, hat er sich öffentlich für ihre» Freund erklärt. Um jedoch der

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>- 12. Lrl. 826. 3 'k. deutsch v. Montenglaut. Brl. 826. 3 Th. lm läläs äs47. Suz/v,!. (toi.(^mst.) 712 sg. 201. Vgl. Engelhardt, KG. Bd. III. S. 222ff.