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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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923
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§. 303. Die Päpste des 18. Jahrhunderts. 923

imis'). Für die Zucht der Geistlichen erließ er zweckmäßige Verordnungenund bei Anstellungen der Bischöfe wandte er die größte Vorsicht an. Mitde» answärtige» Höfen aber gerietst er dadurch in Streit, daß er die Woh-nungen der Gesandten nicht mehr als Asyle der Verbrecher gelten lassenwollte. Alle Regenten verzichteten nach nähern Erklärungen auf diese Frei-heit, »ur Ludwig XIV. nicht. Der französische Gesandte mißhandelte daherLe» Papst nnt seinem Gefolge, das einem Heere glich, und benahm sich wien, einem eroberten Laude. König Ludwig ließ Avignon besetzen und appe l-l,rlca»ein allgemeines Cvneil. Der Streit über die Regale dauertefort. Innoccnz hatte nämlich die Appellation an ihn von den Bischöfen vonPamiers und Alais angenommen. Ludwig berief dagegen eine Versamm-lung der französischen Geistlichkeit, bestehend aus 34 Erzbischöfen und Bi-schöfen, 2 Agenten des Klerus und 30 Geistlichen des 2tcn Ranges (0. Nov.1681), die er für seine Ansichten zu gewinnen wußte. Hier wurden jenevier A rtikcl festgesetzt, wcicye dic Grundlage der s. g, gallicanisch e nKirchcnfrcihciten ausmachten. Als Ludwig diese vierDeclarationen">m ganzen Reiche zur Beachtung bekannt machen ließ , prvtestirtc der Papstdagegen. Nur die Freude darüber, daß die Macht der Türken durch denHelden Joh. Sobicöki vor Wien (1083) gebrochen war, daö Evange-lium in fernen Landen gedieh, und mehrere schismatische Bischöfe des OrientsAbgeordnete nach Nom sandten, um von jetzt ab Ihre Unterwürfigkeit unterden apostolischen Stuhl zu bezeugen, tröstete den sterbenden Papst, den dasVolk als einen Heiligen verehrte. Ihm folgte Alexander Vktl. ^Ottobvui168991). Er unterstützte sein Vaterland Venedig gegen dic Türken underhielt von Ludwig XI V. Avignon und Venaissin zurück; doch gegen die 4Declarationen der gallieanischen Kirche erließ er eine Verdammungüdulle.Von der verstorbenen Königin Christine erwarb er dic reichhaltige Bibliothekfür den Vatikan. Leider hat er sein Andenken durch Nepotismus getrübt.Innoccnz XII. (Pignatclli 10911700) trat abermals in die FußtapfenJmweenz X!., und unterdrückte sogar in einer eigenen Bulle den Nepotismus,erließ gute und kräftige Verordnungen zur-Ausübung der Gerechtigkeit undHerstellung der Sittlichkeit im Kirchenstaate, und nahm sich besonders derArmen an, die er seine Ncpotcn nannte: sein Lateran glich einem Hospital.Nach vielfachem Widerstande hatte Ludwig XI V. endlich seinen Bischöfengestatten müssen, dem Papste zu erklären, daß sic über die Beschlüsse derVersammlung von 1082 Reue empfänden, und selbe für ungültig hielten. Erselbst hatte zuvor an den Papst geschrieben:Ich bin sehr erfreut, Ew.Heiligkeit wissen zu lassen, daß ich dic nöthigen Befehle erthcilt habe, damitdie in meiner Verordnung vom 2. März 1082 enthaltenen Gegenstände, d>eoon der Geistlichkeit des Reiches gemachte Erklärung betreffend, wozu michdie Umstände nöthigten, keine Folge haben." Nun erließ der Papst die seit-her verweigerten Bestätigungsdecrctc für dic ernannten Bischöfe.

Z. 363. Dic Päpste des 18. Jahrhunderts.

Das neue Jahrhundert beginnt der würdige Papst Clemens X!. (Al-bani 17001721), der nur nach langem Bedenken dic auf ihn gefalleneWahl annahm. Er war ein selbstständiger Regent, gelehrter und eifrigerPrediger'-). Zwei Begebenheiten brachten ihn bald beim Antritte seines schwe-

1) Viia <p>nn(»'. XI. Ven. 090. 4. «lv vit» iniwe. XI. Kam. 770.

2) Opg. lU-m. 722., 1'r>s. 729. 2 N. k. Beider, Leben Clcm. XI. Frkf. 721,