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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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910
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3. Zeitraum. 1. Periode. 5. Capitcl.

freien Cultus gestattete und sie den Katholiken gleichstellte. Hierdurch cr-muthigt, gingen sic unter Kaiser Matthias in ihren Forderungen bis zurVerletzung der königlichen Gewalt. Da Matthias keine Nachkommen batteso war Ferdinand II., ein EnkelFcrdinand's I., als Nachfolger gekrönt wer-den (1617). Er war dem kathol. Glauben innig ergeben und hatte wegenwiederholter Empörungen, eigenmächtiger, willkürlicher Verträge der Prote-stanten') selbst mit dem Auslande, dem Lutherthnmc in seinen ErblandcnSteiermark, Kärnthen und Krain nach Kräften gesteuert, dadurch aber denHaß der Protestanten in Oesterreich und Böhmen auf sich geladen. InBöhmen hatte sich der Groll schon bei Kaiser Matthias Lebzeiten in einerförmlichen Empörung Luft gemacht. Der verliehene Majestätsbrief bewilligtenur den Herren, Rittern und königlichen Städten, nicht aber den Unterthancnkatholischer Gutsbesitzer, protestantische Kirchen ans kathol. Boden zu erbauen.Dennoch erlaubten sich solches die Untcrthanen des Erzbischofs von Prag zuKlostergrab und des Abtes zu Braunau, ungeachtet ihre Gebieter da-gegen protcstirten. Als die widerrechtlich erbaute Kirche zu Klostergrab aufkaiserlichen Befehl niedergerissen, die zu Braunau geschlossen wurde, glaubtendie Utraquisten hierin eine Verletzung des Majestätöbricfcs zu finden, undüberreichte» dem Kaiser eine Beschwerdeschrift. Als dieser ihnen aber einedrohende Antwort ertheilte, stürzten sie die beiden Statthalter Martinetzund Slaw ata, als die vermeintlichen Verfasser derselben, aus den Fensterndes königlichen Schlosses zu Prag (13. Mai 1618), setzten unter Anführungdes Grafen vonThurn eine aus 30Directoren bestehende Regierung ei»,rüsteten sich und vertrieben die Jesuiten. Durch die Union unterstützt, griffensie sogar die dem Könige treu gebliebenen Städte an, drangen in Oesterreichein, und nach dem Tode des Kaisers Matthias wählten sic nicht Ferdinand II,sondern Friedrich V. von der Pfalz zu ihrem Könige. Da aber dieUnion unter sich uneinig war, und derHofprcdiger des Churfürsten von Sach-sen, Hoe, für das Schmachvollste das hielt:daß die Böhmen nun demcalvinistischen Antichristen in den Rachen gesteckt werden sollten," und daauch die Hilfe von dem englischen Schwiegervater ausblieb, entschied dieSchlacht auf dem weißen Berge gegen die Böhmen und Friedrich von derPfalz (8. Nov. 1620). Doch wurde der Krieg nach Deutschland versetzt; derMarkgrafvon Baden-Dur lach, der Graf von Mansfeld undder Herzog Christian v o n Bran n s ch weig, Administrator von Halber-stadt, führten ihn im Interesse Friedrich's von der Pfalz fort'). Sic wurdenvon dem katholisch gesinnten und tapfer» Tilly"), dem Feldherr» derLigue, und Wallenstein, dem kaiserlichen Heerführer, wiederholt be-siegt. Daher verlor Friedrich sogar die Pfalz, sein Erbland; der Kaiser gab

1, Kaiser Fcrd. II. im Kampfe gegen die Protest. Stände in Ocstcrr. lHiü.p olit. Blätt. Bd. lll. S. 673 ss Bd. IV. S. 168 ff.) ff-,

2l Söltl, die Religionskriege in Deutschl. stauch Elisab. Stuart GemahlFried. V. v. d. Pfalz., Hamb. 841. 2 Th.

Die Protestant. Geschichtschreiber stellen Tillp als ein Ertrcm von Tücke».Grausamkeit dar; bcsoud. wird dafür die ihm v. Sch illcr untcrgclegtc AcuHmmg bndem Brande von Magdeburg angeführt. Der wahre Thatbcstand über den Brandvon Magdeburg ist dargelcgt in Histor. polit. Blatt. Bd. 3., Bd. 11 , Bd14. u. Bd. 42. Mailath, Gcsch. des östcrr. Kaiserst. Bd. lll. S. 241 ff. W>bHcising, Magdcb. nicht durch Tillv zerstört u. Gust. Adolph in Deutschst Bst.846. Bensen, das Vcrhängniß Magdcb. eschaffh. 842. v. Arctin, Wallcnstcm,Beitrag zur näh. Kenntniß sn. Char. Pafsau 846. Hurtcr, zur Gcsch. Waucn-stcins, Schaffh. 855.