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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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908
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3. Zeitraum, t. Periode. 4. Capitel.

Das Colloquium verzögerte sich, und kam erst im Oktober 1645 zu Stande.Die Churfürsten von Sachsen und Brandenburg sandten Theologen. Derletztere bewirkte auch, daß der Herzog von Braunschweig den Georg Ca-li rt, den Mann der rechten Mitte, nach Thor» entließ. Derselbe abergenügte den Katholiken nicht, und von den extremen Lutheraner» C alovund Hülsemann wurde er wie die Pest geflohen, weil er mit den Refor-mirten Umgang pflog.Mit Verwunderung habe ich selbst, schrieb Calorihn zwischen den calvinischcn falschen Propheten sitzen sehen, die er gar gm!als Brüder in Christo angenommen." Bei einer solchen Stimmung ließsich vorauösehen, daß das so sehnlichst gewünschte Ziel einer Bereinigungnicht erreicht werden könne. Von Seiten der kathol. Partei zeichnete sich derJesuit Schönhofer aus, der u. A. erklärte: daß die bei den meisten Pro-testanten herrschenden Vorstellungen über den kathol. Lehrbegriff in den kirch-lich anerkannten Grundlagen und Darstellungen desselben, namentlich in denBeschlüssen des ConcilS von Trient und im C atech ismuS Nonia-n us keine Begründung finden. Der Erfolg dcö Religionsgesprächcs warnur eine größere gegenseitige Erbitterung: am meisten mußte aber GeorgCalirt den Haß der crcentrisch-luthcrischen Partei fühlen.

tz. 355. Dreißigjähriger Krieg.

t/inrei, loZ-itin rlpaotnliea I'etri Haxsii Orallao (1621 34). Vireeli. 83b.Barthold, Gcsck. des großen dcut. Krieges vom Tode Gustav Adolphsab/ mit besond. Rücksicht auf Fraukr. Ltuttg. 842 ff. 2 Bdc. K. A. Men-zel, (neu. Gesch. der Deutsch. Bd. VIVIII.). Mailath, Gcsch. desostcrrcich. KaiscrstaatcS. Bd. III. Gsrörcr, Gustav Adolph, König vonSchweden u. seine Zeit. 3. A. Stuttg. 852.

Die bei den Vereinigungsversuchen zum Vorschein gekommene Gesinnungder Protestanten hatte auf die Stimmung der Katholiken noch nachtheiligergewirkt. Die häufigen ControverSprcdigtcn und schriftliche Polemik, in denendie Katholiken oft als Abergläubige und Götzendiener geschildert wurden,steigerte die Erbitterung noch mehr. Hiezu kam noch die unvollständige Aus-gleichung beider Parteien auf dem Rcligionsfrieden zu Augsburg (1555),dessen io8or>atiin> oc«Ü68is8tie>m> besonders ein Stein des Anstoßes war.Doch wurde cs meistens nicht gehalten; in Norddcutschland kamen nach ein-ander alle Besitzungen der kathol. Bisthümer Havclbcrg, Branden-burg, Naumburg, Meißen, Schwerin, Lebus und Camin, undunter Rudolph 11. auch die Bisthümer Magdeburg, Halberstadt,Minden, Verden, Bremen, Lübeck, Osnabrück und Natzeburgin die Hände der Protestanten, ohne daß augenblicklich verhindert werde»konnte. ES kam aber zur Sprache, als der Churfürst Gebhard vonCöln (s. 1577), der mit Agnes von Mansfeld, Canonissin von Gerresheim,in unreinem Verhältnisse lebte, zur reformirtcn Kirche überging und das ganzeErzbisthum mit hinüber ziehen wollte. Das Capitel stellte jedoch in demHerzog Ernst v on B ayern einen Gcgenbischof auf, der, nachdem der Papstden Gebhard entsetzt hatte, mit Gewalt eingcführt wurde (1583). Die Pro-testanten schrieen darüber als über eine verübte Ungerechtigkeit, und währenddie protestantischen Fürsten das Rcformationsrecht gewaltsam auSübten, wurdedas gleiche Beginnen des B. Julius von Würzburg <s. 1555) und dcSMarkgrafen Philipp v on Bad cn - B ad en (s. 1571) als eine Verletzungdes Rcligionsfriedens verschrieen. Mit gleicher Unduldsamkeit wurde derRücktritt des Markgrafen Jakob von Baden und Höchberg zur kathol.