§. 354. Vcrcinigungsvcrsuchc.
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Er setzte sich daher mit beiden Neligionsparteien in Verbindung, und suchtesie z„ einem Religivnsgespräch zu Thorn') zu gewinnen. In dem Ein-ladungsschreiben des Erzbischofs Lubienski von Gncsen (12. Nov. 1643)war gesagt:
Beide 2 heile scheinen m viele» Stucken des Glaubens mit einander übercinzu-stimmcn. Wenn daher das auf beiden Seiten Gewisse als gewiß fcstgcstcllt, dasMarc ins Klare gebracht, das wirklich Streitige aber nach den Zeugnisse» derLlbrift, der Kirche des ersten Zeitalters u. A. geprüft wird, so dune cs nichtschwer sein, die kathol. Wahrheit zu erkennen, und »ach Entfernung dessen, wasden Glanz derselben bisher verdunkelt hat, deutlich einzusehen, ob die bestehendeLrcinnmg vormals mit Recht angcstistet und ob sic auch jetzt noch mit Recht inDauer erhalten wird." Als die Dissidenten schon über diesen Ton der Ein-ladung sich beleidigt fühlten, suchte Wladislaw die Gcmüther von einem andernGesichtspunkte aus zu gewinnen. In seiner Einladung an die Dissidenten >20.März l>i44) sagte er: „Derjenige müßte für menschliche Dinge kein Herz haben,,der beim Anblick eines so vicljalnigcn, erbitterten, jetzt dem äußersten Rande desiiampsvlatzes sich nähernden Krieges nicht staunen und fragen sollte: wodurch undfür welchen Preis solche Wuih entflammt, so viel Blut vergossen, so große Krafterschöpft werde. Europa, aus seinen Angeln gehoben, wankt und kan» die Lastvon Verbreche» und Strafen kaum mehr ertragen Dieser blutige Haß der Chri-stenheit, zu dessen Besänftigung die menschliche'Klugheit kein Mittel erdenken kan»,fließt allein aus der Uneinigkeit der Religio». Was der Gott des Frie-dens den Menschen zum heiligste» und zartesten Bande verlieh, das hat der Vaterder Zwietracht znin Förderungsmittcl des Haffes, der Ungerechtigkeit und desMißtrauens verkehrt. Unser Verlangen aber geht dahin, daß der durch zwiespäl-tige Meinungen zerrissene Leib Christi zur früher» Einheit hergcstcllt, und wildeZwietracht in Sachen der Religion, welche ringsum die Nachbarländer zerstört,durch die Heilkraft der brüderlichen Liebe besänftigt werde. Obschon seither dieum das Heil ihrer Kinder besorgte Kirche für diesen Zweck nichts unversucht ge-lassen hat, so hat uns doch der unermüdliche, von höherer Hoffnung beseelteGenius Polens und mehr noch der Geist der christlichen Liebe das Vertrauen cin-gcflößt: es könne die unendliche Liebe Gottes noch verbessern, was die Bosheit desFeindes verdorben hat. Wir haben ja alle Einen Ursprung, und bewahren dasAndenken desselben in dem Saeramcntc des christlichen Namens. Eine Mütter-liche, mit dem Blute Christi befeuchtet, hat uns einst geboren; das Ansehen sovieler Jahrhunderte hat uns nach einem Sinne des Gesetzes geleitet; aber durchdie Verschiedenheit der Erziehung, und durch die Künste dessen,' der vom Anfängeder Ankläger unserer Brüder war, ist cs geschehen: daß diejenigen, welche die ur-sprüngliche Liebe zu gegenseitiger Eintracht gezeugt hatte, uneinig wurden undder Zwietracht sich Hingaben. Diese wünschen wir, so viel au uns liegt, zu be-seitige», nachdem gelehrte Schriften und Privatgespräche seither ihren Zweck nichterreicht haben. — — Wir erneuern jene Unternehmungen, durch ein freundlichesGespräch Versöhnung der Meinungen und Herstellung des Friedens der Herze»zwischen den Unsrigen und den Eurigen zu bewirke». Zu Euch, als zu Lohne»,tritt die Muttcrkirche, von dem Alter vieler Jahrhunderte belastet, von schwerenMilde» gekränkt und blutend an unzähligen Wunden. Die Jahrhunderte über-windet ihre Lebenskraft, die Unbilden verzeiht die Liebe, die Wunden heilt dieGeduld; nur den Schmerz der Verzweiflung, den sie getrennt von einem Thcileihm Kinder empfindet, kann keine Kunst lindern. Sie harrt, daß sic von ihrerlange» Wanderschaft endlich nach der Heimath zurückkehrcn werden; sie breitet ihreArme »ach den Zaudernden aus, sie ruft ihnen zu, das seit einem Jahrhunderteiitbchrtc Erbthcil des Friedens in Empfang zu nehmen. Das ist auch unserWunsch, dies die Sprache unserer Liebe, die wir mit heißem und aufrichtigen.Verlangen an E uch richten."
l> Leriptu laeientia. ucl eolloguium u Leven, et zivt. Uol. veZe Vlailisluv.ll- 1'oruni in Lavuusiu. uck cl. X. Oetob. 1644. inclietuin, ueeeskiit 1/eov//.GstÄi consvlerutio et enievisi». Uelnn-tu.,1. 1645. Vgl. A. Menzel a. a. Ö.Bd. VIII. S. 102-128.