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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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§. 35t. Neue Streitigkeiten über die Gnade rc.

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vermeiden, verbot S ir tus V. (1588), daß sich die beiden Parteien bei ihrenferner» wissenschaftlichen Untersuchungen verdammten.

Aber nun war in Spanien das berühmte Buch des Jesuiten L » d w i g M o-liiiafbtwii ui >)!trii cum^l atise><Ioin«,<Iivina jiigo^ciantia.sirnvidontin, >>rao-ilestinationa l t, oproliatiunoconem «>ia) erschiene», welches den Streit zwischenden Domini c an er n und Jesuiten von Neuem anregte'). Die Jesuitenverfochten die Ansicht des Scotuö gegen die Augustinische der Dominicaner, -und suchten ihrer Ansicht unter dem Präterte Geltung zu verschaffen, daßmittelst des v e rm eintl i ch e n strengen Augustini smnS dieLehreder Reformatoren sich nur mit großer Schwierigkeit be-kämpfen lasse. Molina hatte sich zum Zwecke gesetzt, beide Lehrmcinun-gen möglichst mit einander zu vereinigen, und behauptet: der Mensch könnedurch seine natürlichen Kräfte zu seiner Bekehrung Mitwirken und gute Werkeverrichten. Zur Rechtfertigung dieser Behauptung stellte er den Satz seinesLehrers Fonscca von der smiontm I)oi marlia ans, die darin bestünde: daßGott künftige Begebenheiten, welche sich zufällig unter einer Bedingung zu-tragen werden, voraus wisse (I Sam. 23, 11 ff. Matth. 11, 21.), undmit diesem Voraussehen Gottes stehe in Verbindung die Prädestination wiedie Reprobation. Die Dominicaner Alvarcz und Thomas de Lemosgriffen dieses Buch heftig an; für Molina aber stritten die Jesuiten Gre-gorde Valentin, Arrubal und La Bastide, Franz Toleto u. m.A. Papst Clemens VIII, von gegenseitigen Anklagen gedrängt, verlangtevon mehreren Bischöfen , Universitäten und Theologen Gutachten, und setztezu Rom die bekannte Congregation fcla anxiliis s. 1599) zur Untersuchungder Frage nieder: wie sich der Beistand der göttlichen Gnade zur Bekehrungdes Menschen verhalte. Clemens VII!. starb vor der Entscheidung; seinNachfolger Paul V. ließ die Untersuchung fortsetzen, entließ aber dann dieCongregation (1607) mit dem Vorbehalt, das Resultat später zu veröffent-lichen, und gebot den Parteien, bei fernerer Untersuchung die entgegengesetzteAnsicht nicht unbedingt zu verwerfen. Die Jesuiten fühlten auch wohl, daßsie das dem Pelagianismus sich annähernde System des Molina mildernmüßten, und eigneten sich den s. g. Congruiömus an (gratin congruu undincongnia), den später ihre Ordensgenossen Suarez und Vasquez ans-gebildet haben, und der bedeutend von den, Molinismnö abweicht^). Nachdiesem nämlich wirkt die Gnade einzig und allein in Folge der fr eien Ein-stimmung des Willens, wogegen diese Wirksamkeit nach jenem, dem Con-gruismns, von d e r Congruität d er Gnad e abhängt, mithin von derNatur und Kraft der Gnade selbst. Die .urati» congrna ist stets wirksamiellienx), wogegen die nicht angemessene, dem Zustande des Menschen nichtentsprechende Gnade nur hinreichend (sullicions) ist. Durch denGeneralAq u a-viva wurde dieses neue System für alle Jesuitenschulen empfohlen (1613).

Der molinistische Streit wurde durch eine Schrift des Jesuiten G a-rassc wieder aufgeregt, worüber sich der Abt duVergier von St. Cyranmißbilligend äußerte. Dies veranlaßte einen Freund des Abtes, den Cor-nelius Jansenius, Professor der Theologie in Löwen und später Bischofvon Ipern, die Lehre Angustin's von der Gnade nochmals zu untersuchen.Das Resultat legte er in dem «^ugnstiiuis» benannten Buche nieder, er-

li Zuerst gedruckt, lüslion. 588, auet. Vut. 595.

2) Hortig, KG. fortgcs. von Döllinger Bd. II. S. 810 ff.

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