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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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895
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§, 350. Die theologischen Wiffeiischaftcn i» der katbol. Kirche. 895

ten diese Behauptung mit Recht, und die belgischen Bischöfe widcrsetzten sichderselben nicht minder nachdrücklich. P. Sixtus V. zog die Streitigkeitenvor seinen Richterstuhl, verzögerte aber die Entscheidung darüber, so daß sichdie Hitze der Gemüther allmälig minderte und die ruhigen, wissenschaftlichenErörterungen znr richtigen Mitte leiteten. Man adoptirte allmälig den Ju-spirationsbegriff, wie er von den bessern altern Erklärer» der antiocheni-schcn Schule, z. B. von einem Chrysostomus, war aufgefaßt worden.

Nun thatcn sich sogleich viele katbol. Eregetcn hervor, was den einsei-tigen individuellen Auslegungen der Lutheraner und Neformirten gegenüberdringend Nvth that. Der Cardinal Cajetanus hatte sich fast sein ganzesLeben hindurch mit dem Studium der h. Schrift beschäftigt, und gab Erklä-rungen über dieselbe heraus, die einen guten exegetischen Takt vcrrathcn,nicht selten geistvoll und frcimüthig sind *). Doch wurden seine individuellenErklärungen besonders in spra ch l i ch e r Beziehung vielfach, namentlichvon Melchior Canus gerügt. Der Franzose Vatabl c (ch 1547) verfaßteunter Franz >- eine neue Ucbersetzung und kurze Bemerkungen zur h. Schrift,die wegen ihrer Klarheit und Bündigkeit in der Folge vielfach abgedrucktwurden'*). Den Commcntar über Josua von Andreas Masius, derauch bei der Antwcrpncr Polyglotte thätig war, erklärte der berühmte Kri-tiker Richard Simon für ein Meisterstück historisch-grammatischer Auslegung.Der Cardinal S ad ölet, B. von Carpentras ff-1547), verfaßte bei sei-nem Bemühen zur Bereinigung der verschiedenen Cvnfessiouen einen Com-mentar üb er d cn B r i ef an die Römer, da die Reformatoren vor-züglich aus diesem die Gründe für ihre Unterschcidungülehren entlehnten.Der Commentar, in Gesprächsform abgefaßt, ist eine gelungene Arbeit undin ciceronianischem Style geschrieben. Ein dritter Cardinal, CasparEontareni (ch 1542), gab Scholien zu den panlinischen Briefen herausmit treffenden Bemerkungen. Claudius Espencäns, Mitglied derSorbonne (ch 1571), benützte seinen Commentar über die Pastvralbriefcdazu, den Päpsten, Bischöfen und Geistlichen nützliche Wahrheiten zu sagen.Fansenius, B. von Gent (ch 1570), der den Jesuiten Hamel und Lessdie Bahn gebrochen zu haben scheint, zeichnete sich durch eine geschätzteCvangcl icnharmonie aus. Der B. Agellio von Aecrno im Neapo-litanischen (f-1008), Bellarini n und Simonde M u i S verfaßten nütz-liche Commcntarc zu den Psalmen ; der Jesuit I a c. B o n fr ör e, Professorzn Douay (ch 1043), einen setzt noch gesuchten Commentar über den Penta-teuch, sein Ordensgenosse Ribera einen nicht minder werthvollcn zu dent2 kleinern Propheten und dem Hebräerbriefe. Noch geschätzter ist aber desChristoph Castro Commentar über die kleinern Propheten. Zu weit-schweifig eommentirte Pineda das Buch Hiob und Caspar SanctinSdie meisten Bücher des A. T. (ch 1028). Bon den Commcntaren des Cor-nelius a Lapide (ch 1637), die durch Anhäufung von allegorischen undmystischen Deutungen oft weitläufig geworden, sind namentlich die über denPentateuch und die panlinischen Briefe am meisten zu beachten wegender bcigefügtcn patristischen Ideen, jedoch alle stets zu vergleichen '*). Ganzeigcnthümlicher Art ist die Erklärung des Mersennc, aus dem Orden desFranziscus v on Paula, über die Sch ö pfungögesch i ch te d er G cnesis

>> Oomnwutuiü in V. ol. k'. 3'. Dugä. 639. 5 tot.

2) Aus d. viel. Ausg. ist die von lstiool. Ilcmri besorgte Oar. 729 u. 45. die beste.

31 Neue Ausgabe Molltao 842-52. IO 3. 4.