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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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893
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§. 350. Dic theologischen Wissenschaften i» dcr kathol. Kirche. 893

li'ch, selbstständig und mit solchem Scharfsinne, daß seine Schriften noch jetztsorgfältig benutzt werden muffen. Außer der Herausgabe mehrerer Kirchcn-schriftsteller und Philosophen (EpiphaniuS, Synesius, der Schriften desNicephorus, Kaiser Julian's, desThcmistius) und dem Epoche machenden hi-storisch-astronomischen Werke rationale tom>>or»m, erregten besonders seinehistorisch-dogmatischen Untersuchungen tttwoloxiea dopmata s. S. 13.) dasmeiste Aufsehen. Diese Arbeit ist eine Nachwcisung der wahren, stets un-veränderten Lehre der kathol. Kirche im Gegensätze zu den Häresien; leidererstreckt sich das Werk nicht über alle Glaubenslehren, da die Vollendungdurch seinen Tod verhindert wurde (1652). Neben anderen Auszeichnungengebührt dem Petavius noch das Verdienst, zuerst und auf großartige Weisedie Geschichte mit der Dogmatik in Verbindung gebracht zu haben. Nachdcr damaligen Stellung dcr Protestanten zur kathol. Kirche mußten die sonsti-gen Bearbeitungen der Dogmatik meist zur Polemik werden. In dieserWeise zeichneten sich schon frühzeitig aus Eck sonelüiiclion locormn eom-mnninm ailv. ludlwriim et alioa Iwstes eeclesiae, I.ando8lnit> 1525 >,Cochläu 6, Stanislaus Hosius u. m. A. Weniger gekannt ist dietrefflicheTeutsche Theologie, " welche Bertold, B. von Chiemsee,zu Münster 1528 erscheinen ließ:damit die verführten Leute daraus gutenBescheid und Bericht nemcn, wie und was endlich für gewisse Wahrheit sieglauben sollen," welche polemisch-dogmatische Schrift in sp rachlicher wiein theologischer Hinsicht zu den wichtigsten der deutschen kathol. Litera-tur gehört'). Alle übertraf aber der Jesuit Robert Bcllarmin. Erwar im Florcntinischen geboren (1542) und trat nach einer eben so'frommenals gelehrten Erziehung in den Jesuitenorden (1560). Gegen sich selbst übteer eine Strenge bis zur Uebcrtrcibung, und nur bei dcr Annahme seinerSelbstverleugnung und seines unermüdctcn Fleißes kann die Menge und derGehalt seiner Schriften begriffen werden. Hatte er sich schon als Predigerausgezeichnet, so erlangte er noch größern Ruhm als Lehrer der Theologie inmehreren Fächern derselben. Er schrieb eine hebräische Grammatik, ein fürdie KG. geschätztes Werk (da scriptorilnis ocelesiastiei«), am berühmtestenaber machte ihn sein großartiges polemisches Werk disputationos da eontro-versis clirmtianao lidei artieidw, !>Id>. IV. ^). Er kennt die Schriften derGegner dcr kathol. Kirche: Luther's, Melanchthon's, Calvin's, Beza's, dcrSocinianer, so wie überhaupt die gesammte protestantische Litteratur sehrgenau. Selbst als Cardinal gab er das Muster einer einfachen und thätigenLebensweise, und tadelte freimüthig den Papst und hochgestellte Würdenträ-ger. Er wurde darum von Rom entfernt und als Erzbischof nach Capuabefördert (ff 1620). Wie würdig er dieses Amt ansgesaßt, zeigt sein Buchansemen Neffen <admvi>itio ad opiscopom 'I'Iwan.), so wie uns seine scala

Oe»m einen Blick in seinen tiefen, gottergebenen Sinn vcrstattet. Gleich-zeitig für die Geistlichen wie für das Volk wirkte in noch weitern KreisenPetrus Canisius durch seinen s. 1554 herausgegebenen größern undkleinern Katechismus unter dem Titel: 8»mma doetrmao diristisnae, demin der Folge noch der eatoelusmus romamis ad paroelicm zur Seite gesetzt

1) Neu edirt von Rcithmeicr. München 852. Frcib. Kirchcnlcr. Bd. X.S. 884 ff. u. Histor. polit. Blätter. Bd. VII. S. 113-124.

2) Zuerst kvin. 58192. 3 V. 1. dann in viel. Ausg.; rocucli curavit FV.aausen. Unguiit. 842 8g. dcut. übers, von Gumposch: Streitschriften Bcl-larmin's über dic Kampspunktc des christl. Glaubens. Augsb. 842 ff.