Druckschrift 
Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
Entstehung
Seite
889
Einzelbild herunterladen
 

§. 349. Die auswärtigen Missionen.

889

sondern Vielweiberei, Ehescheidung und keine Gerichtspflege ^). Die christ-lichen Colonien mußten erst umgestaltet werden. Mit richtigem Takte be-gann er bei den Kindern, die er mit einem Glöcklein um sich versammelte.Also gewann er Eingang in die Familien, wo er auf Hohe und Niedere ingleicher Weise seine geistige Kraft ausübte, die Kranken tröstete und durchsolchen Licbcseifer auch den Stamm der Paraw er dem Christcnthume ge-neigt machte. Darauf wandte er sich an die Küste Travancor, und imZeiträume eines Monates hatte er durch unbestreitbare Wunder, Sanftmuth,glühende Liebe und treffliche Dolmetscher gegen 10,000 Götzendiener zurTaufe bewogen. In seinem Berichte darüber sagte er:es sei ein rühren-der Anblick gewesen, wie diese neu bekehrten Christen mit einander wetteifer-en, ihre Götzentempel von Grund aus zu zerstören." Von hier führte ihnsein apost. Eifer nach Malacca, den molukkischen In sein und Ter-nate (154547). Die schreckliche Schilderung von ihren Bewohnernkonnte den Glaubenseifcr dieses Apostels der Indier nicht zurückhal-tcn, und sein ausdauernder Eifer ward reichlich belohnt durch das Gedeihender kathvl. Kirche. Bald erhielt er unter den Bekehrten Schüler; einer der-selben unternahm ans der Insel Man a r die Verkündigung des Evangeliums.Jetzt ließ Franziscus die Bußpsalmen, die Evangelien und einen Katechis-mus ins Indische übersetzen, besuchte die ncugcstifteten Gemeinden, undkehrte nach Goa') zurück (20. März 1548). Da er hier das Christenthumaufblühen sah, gab er seiner apost. Wirksamkeit die Richtung nach Japan(1549), das in mehrere Unterkönigreiche getheilt war, die unter einem Kai-ser (Dair i) standen. Er hatte das Glaubeusbekenntniß sammt Erklärungins Japancsische übersetzen lassen; doch fand er die Gemüther noch zu wenigvorbereitet und an den Bonzen zu harten Widerstand. Dennoch legte erhier den Grund zu christlichen Kirchen besonders in Amangouchi und imKönigreiche Bungo, wo er während 2'/^ jähr. Wirksamkeit mehrere Tau-sende bekehrte. Größere Hoffnung für das Christentum in Japan wurde inder Folge erweckt, als sogar einige Prinzen zur christlichen Kirche übcrtra-ten. Diese schickten, um ihre Dankbarkeit für das Evangelium zu bezeugen,eine ansehnliche Gesandtschaft an P. GregorXlII. (1582), die mit Freudeausgenommen ward. Franziscus hatte noch am Vorabende seines Lebensdas lebhafte Verlangen, auch in CH in a das Evangelium.zu verkündigen,weil die Japaner ihm sehr oft einwendeten, daß die Gelehrten unter denChinesen sich noch nicht dem Christcnthume zugewendct hätten. Aber dortwar jedem Fremden der Eintritt aufs strengste verboten. Gleichwohl dranger von Goa aus, wohin er nochmals zurückgekehrt war, nach Besiegung un-säglicher Hindernisse bis zur Insel Sancian vor, die nur 0 Meilen vomchinesischen Festlande entfernt war. Hier erkrankte der heldenmütige Apo-stel Indiens, und 12 Tage hilflos schmachtend, starb er (den 2. Dcbr. 1552)mit den Worten:Herr, auf Dich habe ich vertraut, ich werde nicht zuSchand en werden." Sein Orden führte das begonnene große Werk sort^).

1) Loratsun Dit-'L-ck'nus, üv vita braue. Xav., gut primus e 8oe. 3o> inlndia et flagnuiea ovauMlinm ziropaZirvit. Iil>. IV. Lom. 594. u. oft. ezg>

Xar. IM. (V. IXir. 631. übers, u. erklärt von I. Burg. Cöln 836. Neith-mcicr, Leben des hl. Franz Xaver. Schaffh. 846. ÄkäL'er lüswr. luclieur. libb.XII. Iblor. 5881. Wittmann Bd. II. S. 9 ff. 2) Goa seit 1532 bischöfl. Sitzward dann 1557 zum erzbischvfl. Sitze erhoben, und ihm die bischöfl. Stühle vonCvchin, Malacca u. Mcliapur untergeordnet. 3) *P. Alex. v. Rhodcs 8. 3.Rissionsrcisen in China, Tonkin, Cochinchina re. (.16181648) a. d. Frz. Frcib. 858.