§. 348. Dic übrigen Orden.
887
sicher und Hausgeistlicher bei dem Grafen Gondy, General der königl.Galeeren, wurde. Neben trefflicher Einwirkung auf die Kinder und Elternübte Bincenz noch besonders auf den zahlreichen Gütern der Familie durchgeistigen Trost für die Kranken, Katechisiren der Kinder u. A. viele Werkeder Liebe. Hier veranlaßte die Generalbeichte eines Kranken, der, ohne eszu verdienen, in allgemeiner Achtung stand, den Vincenz zur Abhaltung vonMl ssionen. Erfreut über die Früchte eines solchen Wirkens wünschtedie fromme Gräfin durch ein Legat eine alle 5 Jahre zu wiederholende Mis-sion auf ihren Familicngütern zu begründen. Als Pfarrer zu Chatillon ent-wickelte Vincenz in kurzer Zeit eine große Thätigkeit, gründete u. A. denVerein der mild en Frauen (llllo^ <lo In elinritö, svours tzilsss), denener später eine Regel entwarf (1018)- Nach seiner abermaligen Rückkehr zurFamilie Gondy setzte er die Missionen fort, und suchte auch den zur Galeerebestimmten Gefangenen ihr Loos zn mildern. Ludwig Xlll. ernannte ihndaher zum obersten Geistlichen der königlichen Galeeren. Auf Ersuchen sei-nes in Liebe verbundenen Freundes Franz von Sales erhielt er auch dieLeitung der Genossinnen der Heimsuchung der heil. Jungfrau zu Paris (1620).Nun wurde auch die von der Gondyschen Familie beabsichtigte Stiftung derEongregation von Missionspriestern für Frankreich ausgeführt(1624), die unter der Autorität der Bischöfe und Bcistimmung der Pfarrerfür das Seelenheil des Landvolkes thätig waren. Als König Ludwig dieDotation noch vermehrte (1027), bestätigte auch P. Urban VIU. dic Stif-tung , und bevollmächtigte Vincenz zur Abfassung einer Regel für die Prie-ster der Missionen (10,12). Da die Missionen nur einen vorübergehendenErfolg haben, wenn die angestellten Curatgeistlichen das Werk nicht mitSalbung und Eifer fortsetzen, so schlug Vincenz mit mehreren Bischöfenzur Erweckung der Geistlichen aus geistigem Schlafe strenge Examina undgeistliche Hebungen vor, die in der Folge in den Missionshäusern ge-halten wurden, denen Vincenz später noch Priester-Conserenzen beifügte.Nach dem Tode der Gräfin Gondy (1025) war Vincenz mit der an Geist»nd Herz gleich ausgezeichneten Louis c von Marillac, Wittwe des l eGras, bekannt geworden'). Nachdem er sic 4 Jahre ernstlich geprüft,übertrug er ihr die Aufsicht über alle Schwesterschaften der milden Frauen(1K2l>), die sie von nun an fortwährend besuchte, und deren Eifer belebte.
Durch die Thätigkeit des Vincenz erlangte der Orden bald eine großeAusdehnung, und als derselbe in Paris das Haus St. Lazarus erhielt, wur-den die Ordcnsglieder später Lazaristen genannt. Auch auf die Grün-dung der Seminarien nach der Vorschrift des Tridentinnms bekamVincenz Einfluß; dieselben wurden vielfach von seinen Missionspriestern ge-leitet. Selbst nach Italien wurde» solche gesandt (1042) , später auch»ach Algier, Tunis, Madagaskar und nach Polen. Noch im 78. Jahre sei-nes Lebens ging Vincenz auf Missionen und stiftete an mehreren OrtenHospitäler zum Namen Jesn. Auch hat er durch die von ihm einge-führten Conserenzen den religiösen Associ a tionsgei st in Frank-reich freudig belebt '). Nach einem so rastlosen, beglückten Leben erhielt
1) Leben u. Geist der chrw Louise v. Mariltac, von O'otnAon., deutschAugsb. 837. (17e»nsnd' Lren/ano) Die barmh. Schwestern in Bezug aus Armcn-u. Krankenpflege. Cobl. 831. Eremitcs (Büßt, der Orden der barmh. Schwest.845. Droste (Clemens August) über d. Gcnosscnsch. d. barmh. Schwest. Mnnst. 843-
2) Vtneenzv. Paulau.dassraiiz. Fnbrikwesen, (Hist, polit. Blätter Bd, X.)