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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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§. 348. Die übrigen Orden.

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Glaubcnswahrheiten durch viele meist gelungene und oft frappirende Ver-gleichungen und Bilder versinnlichen. Die von ihm mit Franzisca vonChantal gestiftete weibliche Congregation zu Annecy in Savoyen(1610) verpflichtete anfangs nicht zu gezwungener Lebensweise, und setztesich die Krankenpflege zur Hauptaufgabe. Später gab ihr Franz die Regeldes h. Augustinus, aber mit eigenen Constitutionen, und P. Paul V.erhob die Congregation zu einem Orden') (Oe Visitation«; II. U., V. 1618),der sich zugleich auch der Erziehung der Kinder annehmcn sollte. Noch vordem Tode der Franz. Chantal verbreitete er sich in 87 Häusern in Savoyenund Frankreich; später wurde er auch in Italien, Deutschland und Polenfreudig ausgenommen.

10) Die Ursulinerinnen") stiftete Angela ausDcsenzanoam Gardasee zu Brescia (um 1537). Sie war eine jener engelreinenSeelen, die ihre Freude darein setzen, sich selbst zu vergessen, um das Un-glück Anderer zu mildern. In solcher Gesinnung widmete sie sich zuerst ver-wahrlosten Personen; später vereinigte sie sich mit mehrern gleichgesinntenGemüthern unter dem Schutze der heil. Ursula. Die Genossinnen desVereins sollten in dem Hause ihrer Anverwandten leben und innerhalb dürf-tiger Familien Krankenpflege üben, auch die Erziehung junger Mädchen lei-ten. In der Folge nahmen sie aber eine Ordenöverfassung an, die P aul 111.bestätigte (1544), welcher zugleich bewilligte, daß die Verfassung nach Zeitund Umständen Modifikationen erhalten dürfe. Die Erziehung desweiblichen Geschlechts sollte die Hauptaufgabe sein. Magdalena vonSaint Beuve verbreitete den Orden nach Frankreich (s. 1604), wo er diehäusliche Erziehung bis auf die ersten Kinderjahre fast gänzlich an sich zog.Der Orden wurde in allen kathol. Ländern freudig begrüßt.

11) Eine ähnliche Tendenz hatten in Frankreich die seit 1592 entstandeneCongregation d er Väter der christlich en L e h r e, welche Cäsar deBus stiftete und Clemens VIII. bestätigte (1597). Dieselben bildeten nachihrer Vereinigung mit den Somaskern (161647) einen Verein von Welt-geistlichen mit einfachen Gelübden. Als aber Streitigkeiten über die Be-obachtung der wechselseitige» Statuten entstanden, trennte Jnnocenz X.(1647) beide Congregationen, worauf Alexander VII. bestimmte: daß sieein Noviziat einführen und die drei Ordensgelübde ablegen sollten. Dochbehielten diese Doetrinarier die Kleidung der Weltgeistlichen bei. Da-mit verwandt waren auch die von Joh. Bapt. de la Salle, Kanonikuszu Rheims (16511714), gegründeten christlichen Schulbrüder,welche P. Benedict XIII. bestätigte, eben so die Schwestern der Schu-len des Kind eS Jesu, welche später der Franziscaner Nicol. Barrävereinte (1681). Er errichtete Seminarien, in denen solche Lehrerinnen ge-bildet und dann von ihren Superioren nach Ermessen angestellt wurden.Sie verpflichteten sich, den Unterricht stets unentgeltlich zu ertheilen^). Aehn-liche Vereine gründeten der mailändischc Edelmann Marx d e Sadiö Cu-sani 1652 und Johannnes Leonard i 1570 in Lucca.

12) Die Piaristen (piaruin seliolarnm patres) setzten sich besondersdie E rziehung der Knaben zur Hauptaufgabe, worin sie mit den Jesuiten in

1) Hclpot Bd. IV. Cap. 43. 2) Hclpot Bd. IV. Cap. 20.

3) Hclpot Bd. VIII. Cap. 30. Die christl. Schulbrüdcr, gegründet durchI. B. äe In Lalle, ihre Einr., Reg. u. Constitut. a. d. Frz. Augsb. 844. Hcn-rion-Fehr Bd. II. S. 242 ff.