884
3. Zeitraum. 1. Periode. 4. Capitcl.
hielt er jetzt eine Regencrirung durch die h. Thcresi a. Sie war die Toch-ter eines spanischen Granden und zu Avila in Castilien geboren (1515).Von ihrer srühesten Jugend gab sie ein besonderes Hinneigcn zur Frömmig-keit zu erkennen; doch da sie berufen war, Andere auf den Weg der Vollkom-menheit zu führen, ließ sie Gott jegliche Schwäche und Unbeständigkeit desmenschlichen Herzens empfinden. Aus dem Zustande gefährlichen Schwan-kens zwischen Eifer und Nachläßigkcit trat sie endlich nach reifer innerer Le-benserfahrung heraus, und hat uns, wie einst der b. Augustinus, durch einerücksichtslose Selbstbiographie einen Blick in ihr inneres Leben gestattet.Nach diesem Bildungsgänge ist ihre Persönlichkeit durch Tiefe des Gcmüthes,Innigkeit der Empfindung und Klarheit des Geistes verklärt: das Missalenennt die in ihren Schriften') niedergclegte Lehre eine himmlische; durchdieselbe ist sie die Lehrerin Unzähliger in Spanien geworden. Durch Pius! V. autorisirt, begann sie (s. 1562) den weiblichen Zweig des Carmeliteror-dens zu reformircn. Zwar stieß sie dabei aus unsäglichen Widerspruch, aberGott hatte ihr einen Muth verliehen, welcher alle Hindernisse überwand.Sogar auf die Geistlichen ihres Ordens, die anfangs den größten Wider-willen dagegen zeigten, ging ihre Reform über (1568). H>cDr stand ihrzur Seite Johannes vom Kreuze^), jener eingefleischte Seraph, derin seinen mystischen Schriften noch ausgezeichneter ist, als die h. The-resia, welche mehr durch ein Uebermaß ihrer Liebe zu Gott als durch Krank-heit starb (1582). Beide Zweige dieser reformirtcn, unbeschuhtcn Car-meliter haben sich in aufopfernder Thätigkcit bei Krankenpflege und Unterrichtausgezeichnet, und bald eine Ausdehnung über fast alle kathol. Länder erhalten.
9) Der Orden von der Heimsuchung unserer lieben Frauen.Auch er verdankt sein Dasein den Bemühungen zweier eng verbundenen undvon Gott besonders erleuchteten Seelen, dem h. Franziscns von Sa-les^) und der verwittwcten Baronesse Franzisca von Chantal. Dererstere war aus dem Schlosse Sales in Savoyen geboren (1567); wohlun-terrichtet bezog er die Universität Padna, um die Rechte zu studiren. Hiererhielt er in dem Jesuiten Possev in einen trefflichen Beichtvater, mit demer sich über die Stürme der Kirche besprach, welche der Beichtvater vorzugs-weise von der schlechten Geistlichkeit hcrlcitctc. Als Franz tiefer in den Ge-halt der christlichen Glaubenslehre cingeführt war, entschied er sich fürden geistlichen Stand, obschon ihm bereits eine sehr reiche Braut zugedachtwar. Nachdem er zuerst in sich selbst ein tiefes religiöses Leben erweckthatte, wurde dieser Mann Gottes zum Bischof von Genf erwählt. Durchseine herzliche volksthümlich e Beredsamkeit führte er unzählige Abtrün-nige in den Schooß der kathol. Kirche zurück, und erhob durch seine sal-bungSvollenSchriften noch mehrere zu einem gottseligen Leben.Diese Schriften sind besonders dadurch höchst originell, daß sie die höhcrn
1) In viele Sprachen übersetzt; Schriften der h. Theresia von Zcsu Hrsg, vonSchwab. Salzb. 831 ff. 5 Bdc.; über die Reform der h. Theresia vgl. HclyotBd. I. Cap. 48. S. 425 ff.
2) Die Werke sämmtl. deutsch übers, v. Schwab. Sulzb. 830. 2 Thlc.
3) Oenures cke 8t. Ur. cks Kalos. kur. 834- l6 3'. kar. 836. 4 3'. 4 , msDeut, übers, v. Stützet. Schaffh. 846 ff. — Leben von 6. L. Kalos. 634. Mr-sollier 747; Rensing 818.—Am einflußreichsten wurden: die Briese an Welt-leutc, übers. Landsh. 836., noch mehr die Philothea, von der unzähl. Ucdcrs.,Geist des hl. Franz v. Sales a. sn. Schrift, gesammelt; Theotimus u. A.