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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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3. Zeitraum. 1. Periode. 4. Tapitcl.

Reiche geschaffen schien. Setzte Ignatius dem sich verbreitenden Unglaubeneine große Glaubcnsglntb entgegen, so besaß Laincz die Wissenschaft desGlaubens. Gab sencr das innere Lcbensprincip, so schuf dieser die passendsteForm, in welcher eö sich offenbaren und einem großen Zwecke entgegenar-beiten sollte ^). Die Eigenschaften beider Männer vereinten sich auf wun-derbare Weise in dem Orden, der seit seinem Bestehen beide Persönlichkeitenin sich vereinigte. Sollte dem Protestantismus Einhalt gcthan werden, somußte dies durch große Kraft und mit gleicher Begeisterung geschehen; dabeidurfte aber auch die klare Besonnenheit, das stete Bewußtsein des Zweckesnicht fehlen.

§. 447. Die Thätigkeit des Ordens.

Um die Thätigkeit des Ordens für das Interesse der Kirche zu begreifen,hat man besonders auf folgende Thatsachen zu achten. In Deutschland, derWiege, des Protestantismus, schien eine völlige Barbarei hereinbrechenzumüssen. Dw Universitäten waren in Verfall und häufig mit einer gänzlichenAuflösung bedroht. Das Volk war in die größte Unwissenheit versetzt, undda man weiter nichts bedurfte, als einige Punkte des kathol. Glaubens zuverwerfen, um Protestant zu sein, so wurde selbst in streng katholischen Län-dern, wie Oesterreich, eine bedeutende Hinneigung zum Protestantismusverspürt ^). Die einst blühende Universität in Wien hatte während 20 Jah-ren nicht einen Priester gebildet. An vielen Orten zeigten sich protestantischeGeistliche. Unter diesen Umständen verlangte Ferdinand I. die Jesuitenaus Bayern herbei (1551). Unter den abgesendeten zeichnete sich le Jayund besonders Cani si us aus "). Durch unermüdeten Unterricht, durch eif-riges Predigen, neue Organisation der Universität in Wien, die Abfassungeines neuen Katechismus und durch Verwaltung des Bisthums führte Ca-nisiuS binnen Kurzem eine wünschenswcrthe Ordnung herbei, so daß nicht nurden weitern Fortschritten des Protestantismus Einhalt gethan wurde, son-dern auch die meisten Protestanten zum Katholicismus zurückkehrten. In derSchweiz erinnert das Jesuitencollegium zu Freiburg an die umfassende Wirk-samkeit des Canisius (21. Nov. 1843 beatisieirt). Unter ähnlichen Verhält-nissen waren die Jesuiten nach Bayern berufen worden (vgl. Z. 318.). Zu-erst hatte der ebengcnannte le Jay dem Protestantismus entgegengcwirkt:dann wurde in Ing olstadt die Theologie von Jesuiten vorgetragen (1549).Le Jay erklärte die Psalmen, Salmeron die Briefe Pauli und die Evan-gelien, Canisius aber, der äuch hier längere Zeit wirkte, trug die Dog-matik vor ). Bald darauf wirkten Jesuiten in München (1550). Siewußten zugleich für den wissenschaftlichen Unterricht, den man vielseitig vonSeiten der Protestanten eine Beschäftigung mit weltlichen und unnützen Din-gen nannte, wodurch die religiöse Erziehung nur beeinträchtigt werde, Inte-resse zu erregen. Denn man hatte die Erfahrung gemacht, daß ohne jene

1) Gcnelli I. e. S. 238 u. 402 ff. will das Berhältniß beider anders be-stimmen; doch erscheinen uns seine Grunde nicht gewichtig genug.

2) Kaiser Ferdin. II. im Kampfe gegen d, Protest. Stände Obcrösterrcieb tHist-volit. Blätter Bd, III. S. 675 ff. 742 ff,; Bd. IV. S. 13ff. 168 ff. 2I9ff)

O/ne,, 8. >7., In vie ,lu 8. ?. I'ierre Oanisius, toncluteur clu celöbreeollsge eie Vribmirg. ^vign. 829. Lcbensbcschr. des chrw Bat. Pct. Canisius. Wien837. 2 Bde. Leben d. großen Köln. Jesuiten Pet. Canisius. Köln. 843. Riffelüb. d. Leben d. Canisius (Mainzer kathol. Sonntagsblatt Jahrg. 1844.)

3) Winter, Gcsch. der evangel. Lehre in Bayern Bd. II. S. 167.