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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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§. 346. Gründung des Jesuitenordens.

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höher« Lehranstalten bestimmt wurden, dagegen die zeitlich en Coadju-toren icoscistitores temporales) nur Laienbrüder, die sich neben den reli-giösen Ucbungen der Administration der Temporalien u. A. unterzogen. InBeziehung aus die äußere Lebensweise sind die Coadsutoren und Professensich vollkommen gleich.

An der Spitze einer jeden Provinz stand ein Provincial. Den gan-zen Orden leitete der General zu Rom nach den Gesetzen; Modifi-kationen konnten nur auf der Generalversammlung gegeben werden. DerGeneral stellte zugleich die Oberen an, damit diese nicht von ihren Unter-gebenen unter mancherlei Zerwürfnissen oder unlauteren Tendenzen gewähltwürden. Doch wurde der Provincial und 3 andere Jesuiten zuvor darüberbefragt, so wie auch die Vorsteher aller Institute verpflichtet waren, dem Ge-neral über die Talente und die sittliche Führung ihrer Untergebenen jährlichBericht abzustatten. Aber auch der General hatte erst 5, dann 6 Assisten-ten, erfahrene und erprobte Männer aus Deutschland, Frankreich, Spanien,Portugal, Italien und Polen, die auf der General-Versammlung gewähltwurden, zur Seite. Er war so selbst eontrolirt, und konnte in dringendenFällen von diesen Assistenten, sonst aber nur von der General-Versammlungentsetzt werden. Der dem General außerdem noch beigegebene Ad Monitorhatte die Aufgabe, ihn in der Eigenschaft eines väterlichen Freundes undBeichtvaters zu unterstützen. So stellte der Orden das vollkommenste Mustereiner wohlgegliederten constitutionellen Mvnarchie dar, verkündetedie weisen Grundzüge einer vollendeten Gesetzgebung, und mußte der Weltdurch seine geistige Kraft imponircn. Dabei gab die Constitution aller Tä-tigkeit die Richtung auf Einheit im Wesentlichen der Lehre und be-stimmte: Alles, was der Kirchenlehre widerspreche, auf das strengste zuunterdrücken. In Ansehung der Schulmeinungen aber war eine große Frei-heit vergönnt, die in der Folge einige Mitglieder mißbrauchten.

Zu richtiger Auffassung des eigentümlichen vierten Votums so wie an-derer Specialien und der ganzen Handlungsweise der Jesuiten ist besonderszu beachten, daß sieden vollkommensten Gegensatz zum Protestan-tismus bildeten. Wie nämlich durch den Protestantismus die Einheit derKirche ausgehoben, und der vorzüglichste Haß desselben sich auf den Mittel-punkt, den Papst warf; so war es bei den Jesuiten daher gerade Grundsatz,sich fest an den Papst eng anzuschließen, und ihn zu vertheidigcn. Wie imProtestantismus die Freiheit in bloße Willkür überging; so stellten die Jesui-ten den unbedingten Gehorsam auf, so daß der eigene Wille in dem innigverbundenen Vereine fast ganz aufgeopfert wurde. Wenn die Protestantenaus der leidenschaftlichen Aufwallung eines aufgeregten Gefühls herausstürm-ten und ohne Besonnenheit verführen, und lange Zeit gar keine feste Vcr-faffungsform bilden konnten; so finden wir bei den Stiftern des Jesuiten-Ordens allerdings auch eine große religiöse Begeisterung, aber wunderbarvereint mit der umsichtigsten Besonnenheit und der feinsten Berechnung desVerstandes; Elemente, die sich sonst entfremdet gegenüberstehen, sehen wirhier in harmonischem Zusammenwirken. Den Erklärungsgrund dafür findenwir in der Persönlichkeit der Stifter. Ignatius war voll Frömmigkeit,der reinsten und edelsten Begeisterung, die bisweilen erccntrisch zu werdenschien; er glühte vor Eifer für Christus und seine Kirche; Alles andere konnte>hn nicht ansprechen. Lainez dagegen besaß durchdringenden Verstand,einen gesetzgebenden, organisirenden Geist, der zur Beherrschung großer