§. 346. Gründung des Jesuitenordens.
875
doch Me sie zunächst nur aus 60 Personen bestehen. Die Resultate ihrerWirksamkeit bewogen ihn jedoch alsbald (1543), diese Beschränkung aufzu-bebe» und seine Nachfolger verliehen ihnen noch weitere Privilegien. DerOrden verbreitete sich schnell über Europa;FranzXaver verpflanzte ihnmiseits des MeereS zur Bekehrung der Heiden.
Die Verfassung dieses Ordens, die ungleich vollständigere Be-stimmungen enthält als die aller altern Orden bestand ihrem wesentlichenInhalte nach in Folgendem: Das Hauptziel des Ordens ist die Verbrei-tung der größer« Ehre Gottes (u. s. m. i>. ; darum sollte dre
Gesellschaft eben so für das Heil ihrer Mitmenschen als für das eigene ar-beiten. Jenes sollte durch Abhaltung von geistlichen Uebungcn für Geist-liche, durch Predigen, Katechisiren, Beichtehören, Bekämpfung der Häretiker,vorzüglich durch den Unterricht der Jugend an den Gymnasi en und höhcrnCollegien; dieses durch innerliches Gebet, Gewissenserforschung, Lek-türe asketischer Schriften und öftern Empfang der h. Sacramcntc erstrebtwerden. Nur körperlich Gesunde und an Talenten hervorragende Individuenkonnten in den Orden ausgenommen werden. Sie mußten ein strenges jähri-ges Noviziat bestehen, während dessen alle Studien unterblieben; der grö-ßere Theil Vieser Zeit wurde auf geistliche Hebungen verwandt, damit durchErweckung der Demuth den Studien die solideste Grundlage gegeben werde.Nach Beendigung desselben werden die ersten einfachen Gelübde (rot,, sim-plieio) abgelegt, welche in den gewöhnlichen Ordensgelübden der Armuth,Keuschheit und des Gehorsams bestehen mit dem Versprechen, im Orden zuverbleiben und einst den Grad anzunehmen, wozu der General den Einzelnennach der Consttuition designiren werde. Die Armuth der Mitglieder sollteso beschaffen sein, daß sie weder einzeln noch gemeinschaftlich liegende Gründeund Einkünfte erwerben, sondern mit dem zufrieden sem sollten, was ihnenvon Andern zu ihrer Nothdurft geschenkt würde. Nur die Collegien soll-ten dotirt sein, damit Lehrende und Lernende nicht durch die Sorge für ihrenUnterhalt Zeit verlören. Nach diesem Noviziat begannen die Studien, diewährend der 5 ersten Jahre besonders in Sprachkenntnissen, Poesie,Rhetorik, Philosophie, mathematischen und physikalischenWissenschaften bestehen. Hat der junge Jesuit nun die Prüfungen bestanden,so wird er in den Gymnasien als Lehrer verwendet, und beginnt den Unter-richt in der untersten Elaffe, während 5—6 Jahren mit den Schülern biszur obern fortschreitend. Alsdann wird er dem Studium derTheolog > ezugewiesen, dessen Cursus 4 Jahre und bisweilen bei weiterer Ausbildungim Studium der heil. Väter 6 Jahre dauert. Nach jedem Jahre findet einstrenges Examen statt, und am Schluffe des theologischen Lehrcursus wird diePriesterweihe ertheilt. Damit zugleich der Geist der Frömmigkeit ge-nährt werde, sollten die Studirenden täglich Gewiffenserforschungen undMeditationen anstellen, wozu die sxeicitia spiritual!» des hl. Ignatius einetreffliche A nleitung geben , alle 3 Tage zu den h. Sacramenten treten,
wohl war sie schon früher von P. Pius II. einem Orden ertheilt. s. Gc» ellt>- c. S. ISO ff.
>l Das Gesetzbuch des Ordens besieht I > aus dcni examen für die Aufzunchmcn-dm, 2) den evusütutionvs, welche die gemeinschaftliche Lebensweise vorzeichncn, de»roxulus über die Verwaltung der Aemtcr im Orden u. 3) de» cleelurutiuiws zurErläut, des Textes. Alles zusammen bildet das insriuiium, welches nach der Erklä-rung auf der Geueralconstitiitioii von 1558 handschriftlich von Ignatius herrührt.
*1 Zuerst gedruckt ». von Paul III. approb. lluiu. 548. Versuch einer spstem.