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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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3. Zeitraum. 1. Periode. 4. Capitel.

Spanien viel Weisheit und großes Talent in den Geschäften bewiesen hatte.Höchst bedeutsam wurde sein weit aussehender Streit mit der RepublikVenedig.

Die letztere verbot die Erbauung von Kirchen, Klöstern und Hospitälern ohneihre Genehmigung, das Tcstiren unbeweglicher Guter an Geistliche, und ließgeistliche Verbrecher durch das weltliche Gericht bestrafen. Dagegen protestiere derPapst, und als der Senat darauf wenig achtete, sprach er mit Zustimmung derCardinäle über den Dogen den Bann und das Jntcrdict über das Land (l7. Apr.1606). Der Senat nahm den Kampf auf, erklärte den Bann für ungerecht, ver-bot unter der strengsten Strafe die Verkündigung des Breves, und suchte die Fort-setzung des Gottesdienstes zu erzwingen: da verließen die Kapuziner, Thcatinerund Jesuiten das Land, St. Peter's Stimme gehorchend; doch die andern Geist-lichen setzten den Gottesdienst fort. Neben dem materiellen Kampfe entspann sichauch ein geistiger. Der Scrvit Paul Sarpi kämpfte für die Rechte der Republikund suchte das verzweifelnde Volk durch das Gefühl des vermeintlichen Rechtes zubeschwichtigen. Die wider ihn ausgestandcncn Gegner, worunter sich besondersBaronius und Bell arm in auszcichnetcn, vcrthcidigten die Rechte des Pap-stes. Einen förmlichen Krieg verhütete noch die Vermittelung Hcinrich's IV.: dieausgewanderten Kapuziner und Theatiner, nicht aber die Jesuiten, durf-ten zurückkchrcn '). Seitdem zogen sich die Päpste mehr vom politischen Gebiete zurück.

Gregor XV. (162123) war stufenweise zur höchsten Würde gelangtund erregte deßhalb um so größere Hoffnungen. Er gab der Papstwahl diejetzige Form: die Cardinäle sollten, um unbefangener ihrer Ueberzeugung zufolgen, ihre Stimmen im Geheim abgeben, die Wahl überhaupt durch dasScrutinium, Accessit, Compromiß, durch Acclamation oderQuasi-Inspiration geschehen* *). Als die kaiserlichen Truppen Hei-delberg einnahmen (1622), erhielt der Papst einen Theil der Bibliothek desCburfürsten Maximilian von der Pfalz, besonders Handschriften zur Be-reicherung der vatikanischen Bibliothek'). Auch machte Gregor bei demStreite Oesterreichs und Spaniens wegen desVeltlinin Graubündten denSchiedsrichter. Am segensreichsten aus seinem Pontisicate ist die Errich-tung der Congregation zur Verbreitung des Glaubens(ecmgre-gstio propsggnils lnls), die zugleich auch an der Vereinigung der Schis-matiker arbeiten sollte; die Missionen im Oriente und andern Ländern erhiel-ten dadurch neue Stärke und neuen Muth. Den Jesuitenorden ehrte underfreute er durch die Canonisation des Ignatius Loyola, FranzXaverund Aloysius Gonzaga. Urban VIII. (Barberini 162344), einVerehrer der Wissenschaft und erfahrener Geschäftsmann, folgte ihm. Sei»Talent für Poesie bekundet eine Sammlung vortrefflicher lateinischer Gedichte,die Frucht seiner Mußestunden. Berühmte Kunstrichter rechnen seine Hym-nen und Oden zu den trefflichsten Produkten der neuern Zeit. Die von ihmverbesserte AusgabedesBrevierS führte er in der ganzen Kircheein (1643) ; der von Gregor XV. errichteten conzrexstio ertheilte er wei-tere Rechte, und errichtete für sie ein eigenes Gebäude, collkAmm Urb-mumgenannt. Als das Haus Novara in dem Herzog Franc. Maria ausstarb

1) Blicke in die Zustände Venedig's z. Ans. d. 17. Jahrh (Histor. polit. Blatt. B. XI)

*) ensroinouinls ritns eloetion. Rom. ?out. Rom. 621 . TInnackoro,

relamous ckslla corto cli Uomn. ml. V. kvm. 824 2 V. 12. Diese Schrift in d.früh. Ausg. vonübers, v.Bertram. Hal. 771. )*Kopatsch, Prof,a. d. Univ. zu Jnnsbr., Erleb, u. Wicdcrbcsctz. d. apost. Stuhles. Jnnsbr. 84.1.

2) )A. Th einer, Schenkung d. Hcidclb. Bibl. durch Maximilian I- a» P-Gregor XV. Münch. 844. Ein bedeutender Theil dieser Manuskripte kam unterNapoleon I. »ach Paris, u. von da 1815 wieder nach Heidelberg zurück I