§. 344. Die übrigen Päpste dieser Periode.
869
irrte, für seine anderweitige wissenschaftliche Bildung spricht. Auch war erprachtlicbend, doch nicht aus Stolz; die Gegenstände seiner Pracht warennützlich und nachwirkend: 6 Collegien zu Rom für die kathol. Irländer,Deutschen'), Juden, Griechen, Maroniten oder die Christenauf dem Berge Libanon und für die römische Iugend. Auch diestehenden Nunciaturen zu Wien 1581, Cöln 1582, Luzern 1586, Brüs-sel 1597 erinnern an seine großartige kirchliche Wirksamkeit. SirtuS V.( 1585 — 90 ) hatte alsKnabeBiebhecrden gehütet'); seinTalcnt führte ihn baldzu denFranziscanern, und von da zu der hohen kirchlichen Würde eines Car-dinals (1576), in der er mit großer Willenskraft seine außerordentlicheHerrschcrgabc verbarg. Diese wußte er mit seinem Takte dafür zu benützen,daß sich die kathol. Regenten mit den Interessen des päpstlichen Stuhles ver-banden. Die unter des Vorgängers anderweitiger Thätigkeit überhand ge-nommenen Banditen unterdrückte er mit Strenge, die Armen dagegen unter-stützte er und erweckte Betriebsamkeit. Zur Unterdrückung des Nepotismusbesonders bei Verleihung höherer kirchlicher Würden gab er geschärfte Maß-regeln für das Cardinalö-Collegium; die Vatikan. Bibliothek berei-cherte er mit Werken des Alterthums ; auch veranstaltete er eine neue Aus-gabe der I-XX. und die zu Trient verheißene EmendationderVulgata.Zur Leitung der verschiedensten kirchlichen Angelegenheiten errichtete er fünf-zehn Congregationen (1588). Auch äußere Denkmale Rom'ö, wieder aufg er i chtete große Obelisk, den Caligula aus Aegypten nach Romhatte bringen lassen, und die 20,000 Schritte lange Wasserleitung auf denQuirinalischen Hügel erinnern an diesen genialen Papst. Dabei hinterließ erseinen Nachfolgern einen Schatz, zu dem sie bei den verschiedensten Bedürfnissendes Staates ihre Zuflucht nehme» konnten. Die 3 folgenden Päpste UrbanVII-, Gregor XIV. und Jnnocenz IX. erschienen gleichsam nur; nach-haltender wirkte Clemens VIII (1592—1605). Eine seiner merkwür-digsten Handlungen war die Versöhnung Heinrich'ü IV. mit dem päpstlichenStuhle, die Vermittelung des Friedens zu V erv in zwischen Frankreich undSpanien; auch erwarb er nach dem Aussterben des ächten Stammes Estedas Herzogthum Ferrara, als ein dem römischen Stuhle heimgefallenesLehen. Als er den Baronius, Tolet, Bellarmin, Ossatund düPerron mit dem Purpur bekleidete, zeigte er, daß die Hochachtung vor derWissenschaft und der Tugend seine Wahlen leitete. Die mit zu großer EileunterSirtnS V. besorgtcAusgabe der Vulgata ließ er sorgfältiger ver-bessern und ihr die heutige Gestalt geben (1592), so wie auch unter ihm dieRevision desBreviers begann. In dem molinistischen Streite errichteteer die berühmte Congregation cl e auxiIii 8. Okne das Jntriguen-spiel der spanischen Faction im Conclave würde ihm der gelehrte und frommeCardinal Baroniuö gefolgt sein; der Cardinal von Florenz, Alex. O cta-vianus, erhielt als Leo XI. den Vorzug. Die an seine Persönlichkeit sichknüpfenden Hoffnungen sanken aber schon nach 27 Tagen mit ihm in's Grab.Es folgte Paul V. (1605—21), der als Legat unter Clemens VIII. in
l) (lorckara, bistorln. collegü Oermnnici et RunZm-iei Rom. 770. 4. p. 53 sg.
2> Ro/nrrckr, Zixti V. gssta gumguennalm. Rom. 590. 4. Dedr, vlra üi 8istoV. Rosannu 669. 2 V. dann 3 V frauz. Rar. 702. 2 R. 7'enr/>estr, storia ilellarüa e Zeste äi 8isto V. Rom. 755. 2 R. 4. Sirtus V. u. seine Zeit v. Lorenz.Mainz 852. Ranke, Päpste Bd. 111. u. Histor. polit. Blätt. B. IX. H.AS ff.; 293 ff. ^ ^