§. 34t. Sekten unter den Protestanten.
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stürich (1562), ohne seine abweichenden Meinungen öffentlich verkündet zuhaben. Sein Neffe und Erbe Faustus Socinus (st 1604) nahm ausden hinterlaffenen Manuskripten seine Ideen auf, entwickelte sie, und gab denUintaricrn in Polen (s. 1579) einen festen Lchrbegriff und bestimmtes Kir-chenwesen: von jetzt an hießen sie Soc i n iane r'). Die vorzüglichsten theo-logischen Schriftsteller unter ihnen waren Lublinitzki, MoskorzowSki,Wissowatzi, Przypkowski, Caspar Schlichting, Ioh. Ludw.Wolzogen^). Der durch sie ansgebildete Lehrbegriff, der rein biblisch undvernunftgemäß sein sollte, anfangs noch supernaturalistische Bestandtheile ent-hielt und am vollständigsten in dem Katechismus von Ra kow vorliegt,besteht in Folgendem: Der Mensch gelangt zur Idee von Gott und göttlichenDingen und zur Unterscheidung von Gut und Böse von außen durch Unter-richt; das Gottebenbildlichc im Menschen besteht in der Bestimmung,die Thicre zu beherrschen. Hiernach sollte man bei den Socinianern unbe-dingte Unterwerfung unter die h. Schrift erwarten; aber im Widersp>nchhiermit sprechen sie ganz klar aus : daß alles Das nicht als Lehre der Offen-barung betrachtet werden dürfe, was der Vernunft (dem Verstände der So-ciniancr) widerspreche; und in Ansehung der Inspiration beschränktensie nach ihrer Ansicht vom h. Geiste die höhere Leitung, unter welcher dieh. Schrift verfaßt wurde, dahin : daß nach Gottes Fügung nur tugendhafte»nd ehrliche Männer dieselbe verfaßt, in unbedeutenden Dingen wohl auchIrrthum beigemischt haben. Für Gott halten sie nur den Vater JesuChristi; Jesus gilt ihnen als bloßer Mensch, der jedoch übernatürlich durchgöttliche Kraft gezeugt ist, und wegen dieses wunderbaren Ursprungs SohnGottes heißt. Vor dem Antritte seines Amtes sei er zum Himmel aufgesah-ren, und habe unmittelbar von Gott vernommen, was er der Menschheit inseinem Namen verkünden solle. Nach seiner abermaligen Auffahrt in denHimmel erhielt er zum Lohne seines Gehorsams die Herrschaft über dasUniversum, und muß als Gottmcnsch ebenso verehrt werden, wie Gottselbst. Im Himmel wirkt er die Erlösung der Menschen ununterbrochen fort,sich für sie Gott darstellend; doch wird die Versöhnung nicht durch eine stell-vertretende Genugthuung, sondern durch Nachlaß der Sünden bewirkt. Derh. Geist ist ihnen eine Kraft und Wirkung Gottes. Nach ihrer Anthro-pologie war Adam an sich sterblich erschaffen, doch so, daß er nichtsterben mußte, wenn er im Gehorsam gegen Gott ausgeharrt hätte. DieErbsünde ist ein später eingedrungener Jrrthum; Adam's Fall erstreckt sichnur aus seine Person, ausgenommen, daß seitdem seine Nachkommen mit ab-soluter Nothwendigkeit dem Tode unterworfen sind. Die sittlichen Bestre-bungen beginnt der Mensch mit seinen natürlichen Kräften allein; vollendetwerden sie durch Christus, der uns bei der Lectüre der heil. Schrift in seinerPerson die erfreulichen Folgen der Tugend vorhält. Die Rechtfertigungist ihnen eine richterliche Thätigkcit Gottes, durchweiche er die im Glaubenan Christus gegen die sittlichen Gebote gehorsamen Menschen von Sündeund Schuld aus Gnade losspricht. Bei solcher Verkennung der innernGnadenwirkungen müssen ihnen die Sacramente als bloße äußereCeremonien erscheinen: die Taufe als Einweihungsritus in die christliche
1) Sam. Friedr. Lauterbach, ^.rilmo-Zoci'manismim »lim in Dolonia,oder ehem. poln. arian. Socimamsm. Frkf. u. Lpz. 725.
2) LMr'Eeoa kratrum kolon. Ireuvp. (^.mst.) 658. 8 ll. k. Oatacd. Ii:u'ov,
M9) sä. Decke-'. I'rck. 739. ek. rolixio rationalis. 685. ^.wot. 703.