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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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3. Zeitraum. 1. Periode. Z.^Capitel.

Grundsätze in Elsaß und Schwaben (1528). Indem er den Lutheranernvorwarf, daß sie einen äußerlichen Glauben ohne lebendigen Geist, ohneKreuz und Leiden, ohne Dämpfung der Lüste und Verleugnung der Weltdächten, behauptete er: daß der rechtfertigende Glaube nimmerruhen könne, sondern in guten Werken sich äußerlich zeige, alle bösen Be-gierden und Wollüste abtödte. Und im Abendmahle nahm er eine Ver-gottung dcö Fleisches Christi unS zur S eelenspeise an^), wie das irdischeBrod den irdischen Menschen nähre. Daneben tritt besonders seine Ansichtvon dem Verhältniß der ersten zur zweiten S ch öpfu ng hervor.Die crstere nämlich, noch unvollendet, sei erst in der durch Christusbewirkten Wiedergeburt aller Dinge vollendet worden, wasbesonders vom Menschen gelte. Denn in Adam war das göttliche Ebenbildnur angelegt, der Mensch nur fleischlich, daher er seiner Idee noch nichtentsprach. Das geschah erst durch die zweite Geburt, durch welche dernatürliche Sohn, der Sohn Maria's, in den himmlischen, den Sohn Gottesüberging. Diese Vorstellung aber hängt genau zusammen mit der vomFleische Christi. Ihm ist nämlich Christus wie nach seiner göttlichen,so auch nach seiner menschlichen Natur Sohn Gottes; und seine Ansichtist trotz mancher Einreden die, daß er statt der hypostatischen Union eineEinheit der Substanz in Christo annimmt, in welcher diewirkliche Menschheit aufgehoben ist ^). In seiner schriftlichen Polemik zeigteer sich weit consequenter und würdiger als seine lutherischen Gegner, sowie er auch als Mensch ungleich höher stand (ff 1561 zu Ulm). Dieseinnere Würde suchen einige Gemeinden in Amerika als ein theureS Ver-mächtniß zu bewahren.

Mehrerer Gegner der Trinität ist schon gedacht worden. DadieReformatoren aus der kathol. Kirche noch die alten Glaubens-Symbole alsein unverbrüchliches Erbe bewahrten, so bestraften sie die Feinde der Drei-einigkeit mit furchtbarer Besonnenheit am Leben (s. §. 321). C ampanuS,der den h. Geist leugnete und über den Sohn arianisch dachte, starb zuCleve im Kerker (um 1578). Ihre Anhänger siohen nach Polen, dem Sam-melplätze aller Sekten, verschwanden anfangs unter dem gemeinschaftlichenNamen der Dissidenten, constituirten sich aber bald (1563) als eigeneGemeinde der Unitarier, und erhielten durch den mächtigen polnischenAdel in Nakow einen Mittelpunkt. In Siebenbürgen erlangten sie durchVermittelung des Piemontesen Blandrata, Leibarztes des Fürsten, öffent-liche Anerkennung. Sie verehrten Christum als einen reich von Gott be-gabten Menschen, und erklärten die Anbetung Christi für Götzendienst.

Diese rationalistische Richtung prägte sich gegenüber der viel-fach mißhandelten Vernunft noch bestimmter in den beiden So-cinuö aus. Läliuö So cinuS ^), aus adeligem Geschlcchte von Siena,ein nüchterner, verständiger Mann, ohne Tiefe, erhielt unter italienischenAntitrinitariern seine Bildung,, wurde mit den Reformatoren befreundet,lebte (s. 1551) kurze Zeit in Polen, meistens in der Schweiz und starb zu

11 Die Einsetzungsworte erklärte er so: gnoü ipso pam's lraetus est eor-pori esurionti, uemye eibus, Irno vst eorpus moum, crdus soUrcet ernnent!anEurron.

21 Vgl. Stau den maicr, Philos des Christcnth. Bd. I. S. 711Ul.3) Trcchsel, die Protest. Antürinitarier vor Faustus Soein. Heidelb. 814 ff.2 Bde. Vgl. Frelb, Kirchenlerikon s. v. Soein.