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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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857
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§. 341. Sekten unter den Protestanten.

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allgemeinen Beschlüsse habe Gott aber noch einen unbedingten und besonder»aefaßt, durch den er nur Erwählten den Glauben wirklich und auf eineunwiderstehliche Weise ertheile." In der Folge stellte le Blanc, Professorm Sedan (st 1675), wie bei den Lutheranern Calirt, die Gegensätze derLutheraner und Reformirtcn als ganz unbedeutend und die Vereinigung alsausführbar dar, da die Differenzen keinen Hauptartikel (?) beträfen,tz. 341. Sekten unter den Protestanten.

Gicscler, Lchrb. der KG. Bd. III. Abth. 2. S. 48114. Erbkai», Gcsch.der Protest. Sekten im Zcitalt. der Reform. Hamb. 848. Vgl Möhler,Spmbolik II. Buch S. 461 ff. der 5. Auflage.

Die Wiedertäufer in Wittenberg, den Niederlanden und Westphalensind bereits erwähnt worden (s. 8.308). Nach ihrer gewaltsamen Unterdrückungzu Münster zerfielen sie in mehrere Zweige, von denen die durch den ehemaligenkathol.Priester inFrieöland Menno Simonis (f-1561) gestifteten M e n-noniten^) oder Tanfgesinnten am merkwürdigsten find. Durch dicThä-tigkeit ihres Stifters wurden sic in Westphalen, den Niederlanden, bis nachLievland verbreitet. Er hatte ihnen eine bestimmte Verfassung gegeben, und denFanatismus der Wiedertäufer in eine stille Zurückgezogenheit verwandelt: sieMe» eine wahre Gemeinschaft der Heiligen wie die ersten Christen bilden.

Sie verwarfen die Kindertaufe, und wie die ängstlichen Christen der erstenJahrhunderte auch Klagen vor Gericht, Eid, Krieg und Ehescheidung, denFall des Ehebruchs ausgenommen. Aber noch bei Lebzeiten Menno'ö zer-spalteten sie sich über die Strenge des Bannes in Feine (Flaminger) undGrobe (Waterländer), und wegen der Gnadenwahl in calvinisch undarminianisch Gesinnte. Die Parteien excommunicirten sich gegenseitig; ^die von einer zur andern Uebertretenden wurden nochmals getauft.

Die S chwenkfeldian er haben ihren Ursprung von CasparSchwenkfeld^) aus Ossig in Schlesien. Er rügte frühzeitig mehrereverkehrte Doctrincn Luthers^), wie den Gang der Reformation überhaupt,die statt auf inneres, frommes Leben zu dringen, nur einen todten Glaubenihrer Bekenner und ein äußeres Kirchenthum bewirke. Speciell wich er inder Lehre von der Nechtferti gung und dem Ab end m ahl e von Lutherab, und wollte diesen bei einer persönlichen Zusammenkunft zu Wittenberg(1525) dafür gewinnen. Als ihm dies nicht gelang, verbreitete er dennochnach seiner Rückkehr in Verbindung mit Valentin Krautwald, Predigerin Liegnitz, seine Ansichten und gewann bei feiner ungeheuchclten Frömmig-keit viele Gemüther. Auch flüchtig stand er im freundlichen Verkehr mit pro-testantischen Fürsten, mit den Theologen aber in heftigem Schriftwechsel;von ihnen als Erzketzer und Eutpchianer gebrandmarkt, verbreitete er seine

1) Hunzinger, das Rcl, Kirch. u. Schulwcs der Mennonit. Spcier 831.

2) Seine Schriften u. Briefe bei llibl. rlm-ü. '1'. II. p. 67 eg.

Kurze Lebcnsbeschr. Schwenks, u. deff. Abschied v. Ossig. 697. Die we-scntl. Lehren d. Herrn C. v. Schwenks, u. sein. Glaubcnsgcn. Brest. 776. Ro-senbcrg, schlcs. Rcformationsgcsch. S. 412. vgl A. Menzel, neu. Gcsch. derDeut. Bd. I. S. 469-78. Dollingcr, Gcsch. der Reform. Bd. l. S. 226 ff.

3) Vgl. Ermahnung des Mißbr. etl. surnehmst. Artikel des Evangel. vom l l.Juni 1524. 4. Als mißbrauchte Artikel nennt er 1) daß der Glaube allein unsrechtfertige, 2) daß wir keinen freien Willen haben, 3) daß wir Gottes Gebotenicht halten mögen, 4) daß unsere Werke nichts seien, 5) daß Christus habe füruns genuggethan.