z. 340. Streitigkeiten in der lutherischen und rcformirten Kirche. 855
die daS Lutherthum eifrig und geschickt vertheidigten, und ihm den Sieg er-rangen. Bei ihren Werken erregt Befremden, daß man im Vortrage derDogmatik die scholastische Methode theilweise wieder eingeführt sieht. DieAngriffe von Seiten der Calvinisten waren weniger einflußreich.
». Nnter deu Reformiere».
Walch, histor. u tbeol. Eiul. in die Streitigkeiten, sonderlich außer der luth.
Kirche. 3. A. Je». 733 ff. 5 Bde,
Durch das schon von Zwingli cingeführte und von Calvin bestimmterentwickelte Synodalwesen erhielten die Streitigkeiten in der reformirtenKirche entschiedenere Resultate. In Deutschland hatte diese Kirche größereFestigkeit erlangt, alsFriedrich lll. von der Pfalz zu ihr iibcrtrat (1559).Auf seine Veranlassung verfaßten die Theologen UrsinusundOlevia-nus den H e idelb erger Katcchiö m uS (1563), der in Deutschland alsBekenntnißschrift galt und wegen Milderung der düstern Lehren Calvin'sund wegen volksthümlicher Fassung sich viele Freunde erwarb'). Zwarmüßte nach Fricdrich's Tode unter Ludwig VI. (1576) der Calvinismusdem Lutherthum weichen, doch siegte nach dessen Hintritt der Calviuiömusabermals (1583). Später trat der Landgraf M or itz von Hessen zurreformirten Kirche über (1604), so wie auch der Churfürst I o h. S i g i S-mund von Brandenburg (1614) , weniger auö innerer Ueberzeugung, alsin Folge eines Bündnisses mit den Niederlanden. Hier hatte sich nach demerrungenen Waffenstillstände (1609) die reformirte Lehre fest begründet;nach dem Bürgerkriege entstand aber in Folge des Schwankens zwischen derWahl Zwingli's und Calvin's ein förmlicher Religionskrieg. Arminius,Professor zu Leiden (s. 1603), war mit der Untersuchung der Streitfrageder Supral apsarier und In fr alapsari er beauftragt worden. Dieerstercn ließen nämlich den Rathschluß Gottes über die Bestimmung desMenschen zur Seligkeit oder Verdammnis; mit Calvin und Beza schon vor,die letzter» mit Theodor Koornhert und den Geistlichen zu Delft erst nachdem Sündenfalle anfangen. Der Untersuchende verwarf hiebei die absolutePrädestination Calvin's als unverträglich mit Gottes Weisheit und Güte,wogegen sein College GomaruS dieselbe vcrtheidigte. Es entstanden diefür die neue Republik höchst gefahrvollen Parteien der a rmi n iani sch enund calvinisch en G em ein d en. Nach Arminius Tode ergriff Epis-copiuS seine Partei, die unter dem Titel „Remonstranz" eine Recht-fertigung ihres Glaubens entwarf (1610), und darnach den Namen Remon-stranten erhielt. An dem berühmten Advokaten Old en b a rnevel dt unddem Syndikus von Rotterdam Hugo GrotiuS') erhielten sie bedeutendeVertreter, und erwirkten sogar ein Duldungsgcsctz (16! 4). Aber MoritzvvnOranicn, der Statthalter und Feldherr der Republik, den nach derhöchsten Gewalt gelüstete, suchte die calvinische Partei für sich zu gewinnen,die Arminiancr zu unterdrücken. Oldenbarneveldt wurde als vermeintlicherFreund der Spanier und als des Papismus verdächtig hingerichtet, HugoGrotiuS u. A. zu Gefängniß verurtheilt.
Als die Gährung allgemeiner wurde, beriefen die Generalstaaten die so
M Grunde u. führt die weit. Entw. des Dogma's durch Protest. Thcol. u. neuerePhilosophen besonders in den Noten bei.
1) Derselbe bei AnAnstr, eorp. libror. 8)'ml>olicur. p. 535—77.
2) Luden, Hugo GrotiuS nach Schicks, und Schrr. Bcrl. 805.