Druckschrift 
Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
Entstehung
Seite
854
Einzelbild herunterladen
 

854

3. Zeitraum, l. Periode. 3. Capitel.

stehen, daß die Vorstellung der Wittenberger Theologen von der U big ui tatdes LeibeS Christi und der Gemeinschaft derbe idenNaturenin Christo (eommumo-rtio llliomutin»), wie sie in der Concordienformcldargestellt seien, eutvchianisch wären. Die Verstimmung wurde vermehrtals Calixt (epitome tlwol. 1619) die Antithesen gegen Katholiken und Cal-vinisten größtcntheils überging, und sogar (epitome tlu'ol. moial. igz^gegen den zur kathol. Kirche übcrgetretcnen Barthol. Nihus äußerte:mehrere Streitpunkte zwischen den Katholiken und Protestanten beträfen nichtden Grund deö Glaubens; man könne frommen Katholiken, die durch Vor-urtheile, Geburt oder Erziehung verblendet, aufrichtig ihrem Glauben er-geben seien, die Hoffnung auf ewige Seligkeit nicht absprechen. Als nochCalirt'ö Acußernngen auf dem verunglückten Religionsgespräche zu Thornbekannt wurden, erhielt derselbe in den chursächsischen Theologen Werner,Hülfen: an, Scherpf und Calov heftige Gegner. Man wollte solcheGlaubensmengerei (Synkretismus) nicht dulden; es entstand dersyn-kretistische Streit, bei dessen Fortführung noch die Lehre von der Erb-sünde, Rechtfertigung, den guten Werken, von Kirche und Abendmahl zurSprache kamen. Die Gegner lärmten der lutherischen Christenheit vor,Calirt wolle durch seine Schriften nicht nur Papisten und Calvinisten, son-dern auch Socinianer und Arminianer, sogar Juden und Türken zu ihrenBrüdern machen. Selbst nach Calirt's Tode (1656) wurde der Streitgegen seinen Sohn mit aller Heftigkeit erneuert und auf die ganze Univer-sität Helmstädt ausgedehnti). Bald wäre der lutherischen Kirche vonWittenberger Theologen ein neues symbolisches Buch ioonsensusrepetltus eoel. lull,eräuge) aufgedrungcn worden, welches im schärfstenGegensätze zu den milden Ansichten Calirt's die Schulmeinungcn zu Glau-bensartikeln ausprägte. Doch die Standhaftigkeit der Jenaer Theologen,unter denen sich Musäus auszeichnetc, und die kategorische Erklärung desHofes zu Dresden, daß so etwas ohne die Genehmigung des Regenten nichtgeschehen dürfe, wandten das drohende Unglück ab.

8) Sieg der lutherischen Lehre. In Folge dieser Reibungenstanden sich in Deutschland Lutheraner und Calvinisten schroff gegenüber;doch war der Haß des nieder» Volkes gegen den Calvinismus der allgemeinenVerbreitung desselben hinderlich. Der Uebertritt zu Calvin's Lehre geschahmeist nur in den höbern Ständen. Das weitere Geschick der einen oder an-dern Lehre hing vorzugsweise von bedeutenden wissenschaftlichen Vertreternab. Wären Melanchthvn'ö !oe> tsieol. noch länger im allgemeinen Gebrauchgeblieben, so würde wahrscheinlich der Calvinismus gesiegt haben; aber eSerschienen setzt mehrere dogmatische Werke von anerkannt tüchtigen Theologenjener Zeit, wie CHemnitz^), Gerhard^) und Leonhard Hutters,

1) Henke, die Universität Helmstädt im 16. Jahrh. oder Georg Calirt u.seine Zeit. Halle 833 ff. 2 Bde. Gast, Georg Calirt u der Synkrct. Brest 846.Schmid, Gcsch. d. spnkrct. Streit, in d. Zt. d. Georg Calirt. Erl. 846.

2) Uooi tbeul. all. Leiser. 15-, f 591, Z g-, 4, es. V. Vit. 680.

Noch berühmter wurde er als Polemiker; am wichtigsten sein Lxomen 6onc.D-iüentini auf Veranlass, eines Streites mit den Jesuiten.

3) Iwci tbsol. eum pro mlstruonäg, tum pro äeotr. guorumvis contia-

stioentiuin tnlsit. len. 6lO25. 9 1. ocl tlatter. lub. 76281. 20 1. 4. w-cliees achoc. lUMer 788 sep 2 1. 4. eel. II. 767 sg. . .

4) Dean. Untterr compsmlinm locor. tlisol. sussu et auotor. sVrrrstranrltVit. 610. (7/ase) Ilutterus rellivivus. 4. A. Lpz. 839. legt Huttcr's Compend.