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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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853
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§. 340. Streitigkeiten in der lutherischen und rcsormirtcn Kirche. 853

sie; Viele wurden eingekerkcrt und allgemeine Gebete zur Ausrottung calvini-scher Ketzerei in Sachsen angcstellt; eine Denkmünze verherrlichte sogar dieFeier des Sieges Christi über den Teufel und die Vernunft. Mehrere Theo-logen starben im Kerker, andere, worunter der Arzt Peucer, schmachteten indemselben').

6) Concordienformel und das Coneordienbuch. Die Pro-lestanten fühlten sehr bald, daß diese Streitigkeiten sogar ihre politische Exi-stenz gefährden könnten, und fingen daher an, sich auch jetzt weniger strengund beharrlich in dogmatischen Ansichten zu beweisen. Den ersten Schrittzu einer öffentlichen Vereinigung that der Tübinger Kanzler Andrea, dersich mit dem Churfürsten August von Sachsen in Verbindung setzte. Dieserzog die Theologen MartinChem n itz und Chyträus herbei, die zu Tor-gau mit mehren Andern das Torgau er Buch verfaßten, aus welchem aber-mals eine neue symbolische Schrift im Kloster Bergen entstand 28. Mai 1577(lormnlii oonconli-io). Die Hauptredactoren Andrea, Selnccer nndChemnitz wollten dadurch alle Parteien zufriedenstcllen; Luther'S Systemhatten sie auf eine feine Weise durchgeführt'). Als die Calvinisten aber ihreAnsicht förmlich verpönt sahen, wurde die Eintrachtsformel zur Zwie-trachtsformel^); dennoch ward dieselbe mit den alten ökumenischenSymbolen, der unveränderten Augsburger Confessio» und Apologie, denschmalkaldischen Artikeln und Luther'S Katechismen (C o n c o rd i en b u ch)von den Reichsständcn zu Dresden durch Unterschrift angenoinmen (25. Juni1580) und erhielt symbolisches Ansehen. Da die Philippisten hierdurch eineaugenblickliche Niederlage in Sachsen erlitten, suchten sie den Negentenwechsel1586 zu ihren Gunsten zu benutzen: Christian I. wurde für Calvin'ö Lehregewonnen, und sein Kanzler Nicolaus Crell, der den Staat eigentlichregierte, machte Pläne zu einer unvermerkten Vereinigung der Calvinistenund Lutheraner. Man verbot alle Cvntrovcrsen auf den Kanzeln , besetztedie bedeutendsten Aemter mit Philippisten, veranstaltete eine Bibelausgabemit calvinischen Interpolationen u. A. Aber nach Christian's Tode (1591)setzte die stellvertretende Regierung Friedrich Wi lhclm's I. von Sachsen-Altenburg das Lutherthum abermals mit Strenge wieder ein, und der Gegen-satz zum Calvinismus wurde durch die s. g. Visita tions-Artikel zuTorgau in aller Schärfe ausgesprochen (1592).

7) Höchst erfolgreich wurde noch der durch Georg Cali xt, Professorzu Helmstädt, angeregte synkretistische Streit *). Calixt gab zu ver-

1) ?eucers bist. e-rrcorum ot liboration. eliviu. sei. VlA. 605. Fri-

mel, IVütelisrga. a Oalv. üivoxata ot äivinitus liberntu d. i. Bericht wie dersacram. Teufel in Sachscnland cingcdrungcn. Witt. 646. 4. II7iko5, bibl. tbsol.7. II. p. 588 sg.

2) Diese kormula. concorümo bei /käse, libri svind. p. 570830. Vgl. dazuaus d. keoloxom. locus VII. äs formal, coue. so libro oone. x. OXXXIV. 8g.

3) Ttospinranr 6ono. cliscors. ViZ. 608. 6sn. 678. Äütterr vonc. ooneors.Vit. 614 k. b,p8. 690. 4. Anton, Gcsch. der Conc. Form. Lpz. 779. 2 Bde.

Synkretismus hieß ursprünglich ein Verein zwischen getrennten Staats-Parteien gegen äußere Feinde, wie ihn, nach Plutarch in der Schriftvon derBruderliebe" die Krctcnscr bei ihren häufigen inner» Zerwürfnissen schlossen, so-bald ein äußerer Feind diesen Parteien gemeinsame Gefahr drohte. Noch Zwingliund Mclanchtho» brauchten das Wort in gutem Sinne; aber schon dem letzter»wurde Synkretismus im schlimmen Sinne von Glauben Sin engerei, religiöserHeuchelei und Verrath von Fried r. Staphylus zum Vorwurf gemacht, f. A.Renzel a. a. O. Bd. VIII. S. 125.