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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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3. Zeitraum. 1. Periode. 3. Capitel.

Geschöpf des Teufels und nicht erlösungssähig. Das machte aus seinenFreunden Feinde, und Flacins ') starb flüchtig im Elende (1575).

4) Der os iandrische Streit. Die Behauptung des Agricola er-neuerte Andrcas Osiander, und verteidigte sie in der Disputation zumAntritt seiner Professur in Königsberg (1549). Zugleich bestritt er die Recht-fertigungSlchre Luthcr's, behauptend: daß die Heiligung das WesentlichederJustistcationsei, und zwar wirke Christus nicht nach seiner menschlichen,sondern nach seiner göttlichen N a t u r die Gerechtigkeit des Menschen.Sein Gegner StancaruS behauptete: daß das Mittleramt Christi blosaus seine menschliche Natur bezogen werden müsse, und erweckte sich da-durch nicht weniger Feinde. Es entstanden darüber entsetzliche Händel, undHerzog Albrecht erntete von der Stiftung der Universität Königsberg nurKummer und Verdruß. Neid und Haß entbrannte zwischen den Professoren,die sich theils als Flacianer , theils von der alten Aristokratie des OrdenS-landes aufgchetzt, in die Opposition warfen. An die Spitze stellte sichMör-lin, Prediger zu Königsberg, eine ungewöhnliche Thätigkeit entwickelnd,und bald war das ganze Land in Aufruhr gegen Oslander. Man behaupteteganz im Ernst, wenn Mörlin bei der Tafel schwelge, sitze unterdcß der Teu-fel an seinem Pulte und schreibe für ihn, weil man sonst seine große schrift-stellerische Thätigkeit mit seinem Weltsinne nicht zu vereinen wußte. NachMörlin's Tode (1571) folgte ibm der gleichgesinnte, charakterlose und fana-tische Heßhusius^). Der Streit hatte sich mit wilder Wuth über ganzPreußen verbreitet, bis er nach Unterdrückung der Osiandristen im corgnsckootriime s'rutoiii'eum endete (1566).

5) Der KryptocalvinismuS. Schon früher wurde an Melanch-thon, dem Verfasser der Augsburger Confessio», gerügt, daß er in Beziehungauf dasAbendmahl eine zweideutige Rolle gespielt habe (s. §.316 zu Ende).Dies blieb nicht lange verborgen und wurde besonders nach dem LeipzigerInterim bekannt. Es entstanden die Parteien der Lutheraner und Phi-lip p i st e u in Betreff des Abendmahls; Matth. Flacius bekämpfte auchvon Magdeburg aus Melanchthon's Zugeständnisse in Betreff der s. g. Adia-phora, da dies keineswegs blos gleichgültige Dinge wären. Nichtsdesto-weniger neigte sich Melanchthon gegen Ende seines Lebens der Abendmahls-lehre Calvin'ö zu, und erlaubte sich sogar, den lOtcn Artikel der AugsburgerConfessio» abzuändern. Die Veranlassung gab Brenz in Würtcmberg, derdie Lehre von derUbiquität des Leibes Christi als allgemein gülti-ges Glaubensgesetz für Würtemberg aufstellte. Lutheraner und Philippistenbekämpften sich heftig. Seit der Zusammenkunft zu Torgau (1574) suchtendie Philippisten bei dem Chursürsten August von Sachsen lutherische Recht-gläubigkeit zu heucheln, wobei sie Peucer, der vertraute Leibarzt undSchwiegersohn Melanchthon's, unterstützte. Die heftigsten Vertheidiger derlutherischen Abendmahlslehre, Wigand und Heßhusiuö, wurden ausJena vertrieben (1573). Die. Wittenberger Philippisten glaubten nun alleMacht erlangt zu haben, und sprachen ziemlich offen die Verwerflichkeit derlutherischen Lehre aus. Dies erregte aber einen allgemeinen Ausstand gegen

1) Ritter, Flacius Leb. u. Tod. Frkf. u. Lp; (723) 725. Twesten, Flac.

Jllpr. rc. Bert. 844. Schmid, Flac. Erbs. Streit, hist. lit. (Zcitschr. für M-Thcol. 849. H. 1.) äs Llrmb. I7oe. in libb. saeros meritiu, <leu. 8M.

Otto, eie Victorino Ltrigslio. libsriorio wentis in secl. Imtlisr. vinäico. äeu.843.

2) Vgl. Wolsg. Menzel, deut. Gcsch. Cap. 419.