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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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843
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§. 335. Allgemeine Charakteristik des Protestantismus,

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die aber als Produkte menschlicher Einsicht nicht lange in solchem Ansehenverbleiben konnten, und es factisch nicht behauptet haben. In der Opposi-tion gegen die kathol. Kirche ward der in seltener Weise entstellten Lehre vonder Nothwendigkcit der Werke neben dem Glauben die absurde und unver-nünftige Behauptung gegenübergcstellt, daß der Glaube allein rechtfertige.Ja in weiterer Entwickelung wurde das Lutherthum zum Protestantis-mus, der Alles, nicht so fern es falsch ist, sondern weil es die kathol. Kirchelehrte, verwarf. Dem Papste zum Trotz wollte Luther weder eine noch zweiGestalten im Abendmahle annehmen (S. 778), und in Nacheiferung hievonweigerten sich die Protestanten hartnäckig, den verbesserten KalenderGregor's Xlll. anzunehmen. Die protestantischen Theologen erklärten,da der Papst der Antichrist sei und mit diesem Kalender in ihre Kirchen sichcinschlcichen wolle, so sei die Verwerfung desselben Gewissenssache.Demzufolge verweigerte auch der Chnrfürst August von Sachsen die An-nahme. Man wollte lieber eine irrige Zeitrechnung haben, als etwas vomPapste annehmen').

An eine Umwandlung der Sitten war bei den in stürmischem Reform«-lionseifer entzügelten Leidenschaften nicht zu denken. Luther klagte, daß dasSodoma unter dem Evangelium ärger sei, als es vormals im Papstthumgewesen. Philipp von Hessen verlangte sogar die Doppelehe, und dieReformatoren haben sie ihm gestattet. Um die Leidenschaften zu zügeln,wurde bisweilen, wie von Zwingli noch mehr von Calvin, der äußersteDespotismus in kirchlichen wie in häuslichen Angelegenheiten angewandt.Durch Luther's abergläubigen Kampf mit dem Teufel erhielt der Glaubean Zauberei und Tcufelswirkungen neue Nahrung und Stärke.Melanchthon wurde von den bei der einseitigen Berufung auf die h. Schriftund dem Mangel einer sichern Norm mit Nvthwendigkeit hervorgetreteneninneren Zwistigkeiten auf's tiefste ergriffen, und glaubtenicht Wasser genugin der Elbe zu haben, um das dadurch entstandene Unglück zu beweinen."Um so auffallender erscheint aber die von den Koryphäen gegen andersDenkende verübte Intoleranz, die sich bis zur äußersten Verfolgung,ja bis zur Anwendung der Todesstrafe steigerte. Außer den schon obendurch Calvin bewirkten Hinrichtungen von Ketzern (s. S. 796) ist noch zuerwähnen, daß der Prediger Nicolaus Anthoine als ein zum Jnden-thume Nebergetrctener zu Genf verbrannt, der Osiandrist Funk hingerichtet(1601), der Kanzler Krell wegen Kryptocalvinismus zu Dresden ent-hauptet wurde (1632)ff). Und dies geschah nicht in Uebereilung, sondernmit der vollsten Uebcrlegung: Melanchthon und Beza vertheidigten wissen-schaftlich die Todesstrafe der Ketzer, der erster? in UebereinstimmungmitLuthcr sogar den Tyrannenmord *). Auch zeigte sich fast überall

für die schottische Presbptcrialkirche; Confessio Xngliea sive XXXIX Xrticnlifür die anglicanischc Hochkirchc; Confessiones 11el->üe-,e, Heidelberger od. PfälzerKatechismus; Confessio llobemioa; Confessio Ilnngnriina; Confessiones l'olo-mae u. Confessiones LInrelnas. die märkischen Bekenntnisse. > vgl. Dieringeru» Aschbach'schen jiirchcnlcrieon s. v. B c k c n n t n i ß s ch r i ft c n.

1) Diese Consequcnz dauerte imevangelischen" Deutschland thcilwcisc>»s 1777; in England bis 1752; in Schweden bis 1753! Die fehlerhafte Berech-nung des alten fnlian. Kalenders betrug 1582 volle 10 Tage; die Frnhlings-nachtglciche fiel auf den 11. März.

k) Histor. politische Blätter Vd. III. S. 528-545.

) Walch, Luth. Werke Bd. XXII. S. 2151 ff. vgl. Strobel, Misccll.