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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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3. Zeitraum. 1. Periode. 2. Capitcl.

in der Landessprache, wodurch das Volk mit dem geistigen Schake der' in derMcßliturgie verborgenen Gebete bekannt ward; auch bei der CvmmunivndenKelch zurückerhiclt. Der Eindruck von Bcidcm konnte in der Folge geschwächtniemals ganz unterdrückt werden. ' '

4) Luther schmeichelte dem Volke besonders noch dadurch, daß er ihmeine neue Bibel in die Hände gab, und cs zum selbstständigen Interpretenmachte. Trügerisch spiegelte er ihm dabei vor :die Geistlichen hätten daüRecht, die Bibel zu lesen, an sich gezogen, weil sie Angesehen, daß, wenn sieselbes Allen gemeinschaftlich zngeständen, alle übrigen Vorrechte des Priester-thuniS fallen und das Volk den Geistlichen in Allem gleich sein würde, wäh-rend das Recht zu lehren doch allen Christen zukomme (1 Petri 2, 9.)."Durch seine Lehre vom unfreien Willen wurde das Volk überfeineSünde leicht beruhigt, um so mehr, als sich durch den allein rechtferti-genden Glauben Alles leicht gutmachen ließ. Die lästige Beichte unddaS Fasten war damit ohne weiteres beseitigt.

5) Es that Luthern einen bedeutenden Vorschub, daß er sich wie an dieRcaction der bessern Bischöfe gegen kirchliche Mißbräuche und den Ablaß, soauch an den Streit der Humanisten gegen die Scholastiker anschloß, wodurcher von den ersteren eine bedeutende Anzahl für sich gewann. Die damalsins Leben getretene Buchdruckerkunst verbreitete Luthcr'S Ansichtenschnell in weiteren Kreisen.

0) Die Geistlichkeit und Mönche gewann Luther besonders durch Auf-hebuug des CölibateS und der Klostergelübde, die einem großenThcile lästig waren. Hatten sie einmal die Schranken überschritten, dannsträubte sich ihre Sinnlichkeit und die Furcht vor der Strafe, wieder zurück-zukehrcn.

7) Auch politische Gründe wirkten mit für die Verbreitung deSProtestantismus. Abgesehen von ausdrücklichen Acußerungen Luthcr's, er-gaben sich schon aus dem ganzenBeginnen von selbst wichtige Schlüffe.Dieraschen Angriffe ans alt geheiligtes Ansehen, die Berufung an Sinn und Ur-thei! des Einzelnen fanden bald ihr Gegenstück in weltlichen Kreisen. Wennman alle Fordcrnngen des Papstes verwarf, sollten da die Ansprüche deSPfarrers noch für heilig gelten? Wenn die Reformatoren gekrönte Häupterohne allen Anstand behandelten, konnte da der frevelhafte Nachhall des Pö-bels ausbleibcn? Wenn der Bauer entscheiden durfte, was von himmli-schen Dingen zu halten sei, sollte er sich nicht herauSnehmen, über Jagd-und Wcidcrecht seine Meinung zu haben? Warum sollten freiwillig ab-gelegte Gelübde setzt nicht länger binden, die Leibeigenschaft aber wider deSVolkes und Christi Willen ewig fesseln^) ?" Doch hat Luther dem Volke dieMühe erspart, diese Schlüsse zn machen, und ihm in den Schriften vonderFreiheitderK in der Gottes und von verweltlichen Obrig-keit Alles dieses klar genug auseinandergesetzt. Der Bauernkrieg zeigte,wie bald diese Lehre aufgefaßt war. Dasselbe beklagte auch schon Melanch-thon:Diese Leute, die nun der Freiheit gewohnt sind, und das Joch derBischöfe einmal von sich geworfen haben, lassen sich ungern das alte Jochwieder ausladen; nach der Lehre und der Religion fragen sie nicht viel,es ist ihnen allein um die Negierung und Freiheit zu thun."

8)Durch eine sonderbare Verkettung der Dinge mußte es sich fügen'),

1) Raumer, Gcsch. Europa's seit dem Ende des 15. Jahrh.

2 > Schiller, Gcsch. des 30jähr. Krieges Buch I. zu Anfang.