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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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821
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z. 329. Der Protestantismus in England. 62t

punkt von Anna Boleyn, der Mutter Elisabeth's, gewonnen ; als Katholikinhatte diese die Verbindung ihrer Mutter mit Heinrich für Ehebruch, damitzugleich die eigene Abkunft für eine illegitime, die von der Thronfolge aus-schließe, erklären müssen, wie denn auch Paul I V. sie nicht anerkannte; nurim Protestantismus fand sie die^ Stütze ihres Königthums. Denn nächstElisabeth hätte Maria, Königin von Schottland, den Thron Englands ein-genommen , und da sie an den Dauphin verheirathet war, wäre das Landau Frankreich gefallen. Der Gedanke, einem fremden König«- anheimzufal-len, wenn es auch nicht der von Frankreich oder Schottland war, mit welchenLändern damals eine Spannung bestand, war unerträglich. England waralso entschieden für Elisabeth, sie entschieden für den Protestantismus, ob-schon sie unter Maria aufrichtige Anhänglichkeit an die kathol. Kirche be-theuert hatte. Sie ließ sich sogar noch nach katholischem Ritus krönen, undbeschwor Aufrcchthaltung der katholischen Religion, denn nur unter dieserBedingung verstand sich ein Bischof dazu. Bald nachher ward jedoch derGesandte aus Nom abgeruscn; die exilirten Protestanten kehrten zurück, insOber- und Unterhaus traten Protestanten ein: das Parlament (1559) er-neuerte die Erlasse gegen die päpstliche Gewalt, bewilligte der Königin denZehnten und die Annaten, und trug den Supremat auf sic über, so daß siedie höchste geistliche und weltliche Gewalt in sich vereinte. Auf Verweigerungdes SupremateidcS stand Amtsentsctzung und Einkerkerung; die Katholiken,die ihn nicht leisteten , waren von allen Aemtern ausgeschlossen. Geistliche,die sich nicht fügten, wurden entfernt und durch protestantische ersetzt. Derernannte Erzbischof von Canterbury, Matt h äuö P a r k e r, ließ sich vondem reformirt gewordenen Bischöfe Barlow weihen, um dann die übrigen zuweihen*). Das aomincm s»i,)'ai-t,oc>le wurde abermals revidirt; woGeistliche fehlten, sprachen Handwerker die Gebete. Die 42 Artikel desSymbolums schmolzen in neun und dreißig zusammen'), die trotz desgemäßigten Calvinismus doch den päpstlichen Primat, die Messe alsgottes-lästerliche Erdichtung," Transsubstantiation, Fegfeuer, Anrufung der Heili-gen und Bildcrverehrung verwarfen. Nur Taufe und Abendmahl unterbeiden Gestalten wurden als Sacramente beibehalten; die hl. Schrift alsdie einzige Quelle der Offenbarung anerkannt. Doch sollten nach Artikel34. die kirchlichen Ueberlieferungen, sofern sic der heil. Schriftnicht widersprechen, nicht verletzt, sondern beachtet werden. Auch die Weiheder Erzbischöfe und Bischöfe, wie die Ordination der Presbyter

*> Die Frage über die Giltigkeit dieser Consccration der Protest. Bischöfe istvielfach diöcutirt worden. Nachdem der Einwand, daß Parkcr's eigentlicher Consc-crator, Barlow, selbst nicht inach kathol. RituS) consecrirt gewesen sei, alsunbegründet erfunden worden, nrgirtc man die Formel der Bischofs weiheim Rituale Eduard's VI.:nimm hin den heil. Geist u. gedenke, daß du dieGnade Gottes erweckest, die durch die Auflegung der Hände in dir ist." Dieseerwähnt der bischöfl. Gewalt gar nicht, und könnte in ihrer Allgemeinheit ebensobei der Taufe oder Confirination eines Kindes gebraucht werden, weshalb sic auchlk62 geändert worden ist:Nimm hi» den heil. Geist für das Amt u. dieFunctionen eines Bischofs in der Kirche Gottes re." Nun folgerteman, wenn die Bischöfe unter Elisabeth ungiltig consecrirt worden, sind cs auchalle spätem »othwendig gewesen. Deshalb glaubte Elisabeth die etwaigen De-fekte supplircn zu müssen!

l) Lateinisch in anrp. lilwor. s)iuboIic. p. 12642. deutsch in B o n-

ner Ztschr. neue Folge Jahrg. V. H. 1. S. 196206. Freib. Ztschr. Bd.lul. S. 2S06l. Vgl. den ArtikelHochkirche" im Freib. Kirchcnlexikyll,