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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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815
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§. 328. Der Protestantismus in Dänemark, Norwegen und Island. 815

und den Bischöfen getheilt; der B. von Röskild besaß allein 33 Lehen.Dabei waren die Prälaten unwissend und schwelgerisch. Beide Stände,fast unabhängig, wählten den König oft unter lästigen Wahlcapitulationen.Christiern II (151323) sann darauf, diese Nebergewalt der Aristo-kratie z» brechen. Der Protestantismus mußte ihm dafür günstig erscheinen;denn nach dessen Grundsätzen durfte er die Bischöfe ihrer Güter und ihrespolitischen Einflusses berauben. Einen andern Zweck hatte dieser wollüstigeTyrann unter der Tyrannei der Mutter seiner Buhlerin bei Einführung derneuen Lehre nicht. Als er in Schweden durch das schreckliche Blutbad mo-mentan seine Absicht erreicht hatte, begann er seine Gewaltstreiche gegen dieKirche Dänemark's zu richten. Dem von Luther erbetenen Magister Mar-tin (1520) übergab er eine Kirche zu Kopenhagen. Die Reichsstände, derKlerus und das Volk protestirtcn; Christiern setzte jegliche Gewaltthätigkeitdagegen; ließ den ernannten Erzbischof von Lund hinrichten, verbot den un-verheiratheten Geistlichen Güter zu kaufen u. A. Gegen eine solche Grau-samkeit vereinte sich die Macht der Barone und Prälaten zum Sturze Chri-stiern's. Sein Nachfolger Friedrich I., Herzog von Schleswig und Hol-stein (152333), begünstigte aus gleichen Gründen die neue Lehre, wie-wohl er bei seiner Krönung geschworen hatte, daß er die katholische Kircheaufrecht erhalten wolle.

Er bekannte sich sogar bald öffentlich zum Protestantismus, und schützteden lutherischen Prediger Hans Tausan (s. 1521). Als man ihn aufdem Reichstage zu Odensee (1527) darüber zur Rede stellte, entschuldigteer sich damit: daß er ja nicht versprochen habe, auch die Mißbräuche in derkathol. Kirche zu dulden, und wußte den Anhängern des Lutherthums bis zueinem allgemeinen Concile bürgerliche Rechte zu verschaffen. Doch wurdedas Band mit Rom sofort aufgelöst, der König allein bestätigte die Bischöfe.Im Kampfe gegen das aufstrebende Lntherthum fühlten sich die unwissendenund weltlichen Bischöfe nicht stark genug, und riefen, da der König auf einReligionsgespräch zu Kopenhagen drang (1529), die katholischen Stimm-führer Deutschland's Eck und Cochläus herbei. Sie erschienen aber nicht,sondern nur der Cölner Theologe Stag efy r; und da die Lutheraner nichtlateinisch disputiren, auch außer der Bibel die Concilien und Kirchenväternicht als Autorität anerkennen wollten, unterblieb die Disputation ganz.Dem Könige und den Reichsräthen wurden nnn die gegenseitigen Beschwer-den schriftlich eingereicht. Wie zu erwarten stand, wurde die lutherischeLehre als göttlich erklärt, und sogleich Gewaltthätigkeiten gegen die Katho-liken verübt. Die Stadt Malmöe unterdrückte zuerst den katholischenCultus; der B. Rönnow von Roskild mußte dem Könige für das Pallium6000 Gulden erlegen.

Nach Friedrich's Tode protestirtcn die Bischöfe gegen die Successionseines Erstgeborenen Christiern's III., weil er mit Luther persönlich be-freundet wäre; aber er verpflichtete sich die weltlichen Reichsstände, und ließalle Bischöfe Dänemark's gefangen nehmen (20. Aug. 1536). Nur durchResignation auf ihre Würde sollten sie ihre Freiheit erlangen. Von einersolchen persönlichen Begünstigung zum Nachtheile der Kirche wollte jedoch

Worte. Kjvbcnh. 2. Bd. u. KG. von Dän. u. Norm. Lpz. 834. Bd. III. vgl.polberg, dän. u. norw. Staatshist. Copenh. 731. 4. Dahlmann, Gesch.von Dänemark. Hamb. 841 ff. 3 Bde.