812
3. Zeitraum. 1. Periode. 2. Capitcl.
sei und durch Siegel und Unterschriften bestätigt worden, verlassen." Erstnach diesen Vorgängen kam der Jesuit Lorenz Nicolai von Belgiennach Stockholm, un^ wurde von Johann als Professor der Theologie äuge-stellt. In den heftigen Religivnsgesprächen mit den Professoren PeterJone und Olof Luth über das Ansehen und die Gewalt der Kirche unddas Opfer der Messe erntete er einen glänzenden Sieg (Januar 1577 ^,Der bald darauf folgende Reichstag und das damit verbundene National-concilium nahm die Liturgie an. Hierdurch ermuntert, sandte Johann denKanzler Fecht und den gewandten «Staatsmann Pontuü de la Gardienach Rom, um bei P. Gregor Xlll. die Wiedervereinigung Schwedens mitder kathol. Kirche unter der Bedingung der Gestattung des Laienkelcheö, derLandessprache beim Gottesdienste, der Priesterehe u. A. in Aussicht zustellen. Fecht ertrank bei der Ucbcrfahrt. Gregor sandte den gelehrtenJesuiten Anton Possevin^) als Nnnt ns nach Schweden; vor ihm schwurKönig Johann die Jrrthümer ab und bekannte sich zur tridentinischen Glau-benSformel (1'578). Bei seinem Abschiede sprach der König bewegt: „Ichumarme Dich und die römische Kirche auf ewig." Die in Rom zu Bern-thung der zwölf von Johann verlangten Zugeständnisse berufene Congre-gation verwarf mehrere, und in Schweden entspann sich auf Anstiften derdeutschen Theologen ein heftiger Kampf gegen die Liturgie (Philolitur-gen und Misol iturgen).
Der Herzog Carl hatte in Deutschland die protestantischen Fürsten zueinem Bündniß gegen seinen Bruder aufgefordert; seine deutsche GemahlinMaria bewies sich in Schweden als Beschützerin des Lutherthums; dieschlaue Umgebung des Pontus de la Gardie uno Jacob Typoti us reizteden König Johann, mit Nachdruck auf seinen Forderungen in Rom zu be-stehen. Der Papst antwortete aber in den neuen Instructionen an den nachSchweden zurückgekehrten Possevin (1579): „Haben wir dann Alles,was in unfern Kräften stand, gethan, und gefällt es gleichwohl vem Herr»nicht, daß dieses Land wiederum zum Leben gelange, zur kathol. Kirche zu-rückkehre; so werden wir im Angesichte der göttlichen Majestät entschuldigtsein und uns begnügen, obne solches zu leben, wie dies schon durch mehrdenn 40 Jahre geschehen ist." Johann erneuerte nochmals sein Gesuch, er-kaltete aber bei der standhaften Weigerung Rom's m seinem Eifer für diekathol. Kirche; die Bemühungen Poffevin'L waren vergeblich. Noch ver-häugnißvoller wurde der erbauliche Tod der Königin Katharina (16. Sept.1538). Mit ihr schwand die Hoffnung der Wiederherstellung der kathol.Kirche in-Schweden immer mehr; denn Johann erklärte sich auf dem Reichs-tage zu WesteräS für eine zweite Ehe mit der Gnneila Bjclkc, welchedie mächtigste Beschützerin des Protestantismus in Schweden wurde. DerEinfluß auf ihren Gemahl, auf den auch der berühmte Theologe ChyträuSzu Rostock wirkte, ward bald sichtbar. Zwar hielt er seine Liturgie aufrecht,gerieth sogar mit seinem Bruder, dem nach der Dictatur Schwedens streben-den Herzog Earl, in offenen Kampf darüber, that aber keinen Schritt mehrzu Gunsten der katholischen Kirche (ft 1592).
Sein Sohn und Nachfolger Sigismund III. war bei dem AblebenStephan Bathori's als der letzte Sprosse der Jagellonen zum Könige Po-lens erwählt worden. Durch die Sorgfalt seiner Mutter in der kathol,
1) Bgl. Thcincr Tb. 1. S. 4ö7,