Druckschrift 
Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
Entstehung
Seite
809
Einzelbild herunterladen
 

§. 327. Dcr Protestantismus in Schweden.

809

Schweden ein. Unter den gefallenen Opfern befand sich auch der Vater dcSkühnen Jünglings Gustav Erichsen aus dem Hause Wasa. Gustavwar Christiern als Geisel übergeben worden, entfloh jedoch aus Dänemarknach Lübeck und fand dort Beistand. Er kehrte nach Schweden zurück, begei-sterte seine Landsleute zur Befreiung Schwedens und schlug mit ihnen dieDänen. Das Volk ernannte ihn erst zum Reichsverweser und Heerführer(l521), und dann auf dem Reichstage zu Strcngnäs (1523) zum Könige.Erwägend das Unglück, welches Schweden als Wahlreich getroffen, wollteer sein Vaterland in eine erbliche Monarchie umgestalten.

Ein willkommenes Mittel dazu war ihm Luther's Lehre, die er zu Lübeckkennen gelernt hatte. Darum erklärte er dem Episkopat der Nativnalkircheund dem alten Adel den Vertilgungökricg, und schuf jenen und diesen neu.Nicht eher, sagte er, wolle er sich krönen lassen, bis er den kathol. Episko-pat und mit ihm die Kirche seines Vaterlandes gestürzt hätte." Für seinenZweck arbeiteten zunächst zwei in Wittenberg gebildete Theologen, die Brü-der O los und Lorenz Peterson, die 1519 nach Schweden zurückgekehrtwaren. Der erste wurde Hauptprediger zu Stockholm und Lorenz Professorzu Upsala. Lorenz Anderson, Archidiaconus zu Strengnäs, der inihre Ansichten eingegangen und darum ihr Beschützer war, wurde GustavWasa's Kanzler. Mit Gewalt unterdrückte dcr König den Widerwillen desKlerus und Volkes gegen diese Reform; mehrere Bischöfe wurden abgesetzt,dieDominicaner vertrieben. Dabei aber heuchelte Gustav gegen den päpstlichenLegaten Johannes Magnus Go thuö und in mehreren Schreiben anPapst Hadrian VI. Anhänglichkeit und Ergebenheit gegen die kathol.Kirche. Diese Doppelzüngigkeit wurde jedoch bald erkannt. JohannesBraske, B. von Linköping, und Peter Jakobson, B. v. Westeräö,früher Kanzler des Sten Sture, warnten das Volk laut vor der Gefahr, dieReligion ihrer Väter unterdrücken zu lassen. Dafür erklärte Gustav denletztem des Hochverrats schuldig, seiner Würde und Einkünfte verlustig,was auch den Dompropst Knut traf, der um Linderung der Strafe gebetenhatte. Obschon Gustav entschiedene Schritte zu Gunsten des Protestantis-mus gethan, schrieb er noch heuchlerisch dem Papste:Um nun aber vor-züglich jene verderbliche Lehre der Husiten, die ein gewisser Martin Luther,Augustincrmönch zum Nachtheil der öffentlichen Ruhe eines jeden christlichenStaates von Neuem aufbringt, so schnell als möglich auszurotten, so befeh-len wir allen und jeden insbesondere aus unfern Uuterthanen unter der Strafedes Verlustes aller Güter und selbst des Lebens , daß Niemand für die Zu-kunft sich erkühne, die Lehre Luther's zu verbreiten, seine Schriften im Staateeinzuführen, zu verkaufen oder zu kaufen, noch auch sich ihrer zu bedienen "In der That aber wurden Olof Peterson und seine Freunde begünstigt, sodaß jener von der Kanzel herab die Bekenner des alten Glaubens mit Hef-tigkeit augriff, dafür aber aus der Kirche und Stockholm mit Steinen ver-trieben wurde. Solche Erfahrungen entmuthigtcn den König nicht. Zullpsala veranstaltete er zwischen Olof Peterson und Peter Galleeine Disputation, bei der fast dieselben Themata, wie zu Leipzig be-sprochen wurden. Olof, wie Luther in der KG. unwissend, erklärte dieh. Schrift äußerst willkürlich, und was er so nicht zu entkräften vermochte,belegte er mit entehrenden Schimpfreden. Auf Luther's Abhandlung:Vonder Einziehung dcr geistlichen Güter" sich berufend, begann Gustav dieselbe,und ließ ries durch die Professoren der Universität Upsala, die bereits sämmt-