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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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807
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§. 326. Der Protestamismus i» Lievland, Kurland, Ungarn rc. 807

Md sich nach Deutschland begeben hatte, wo er Protestant wurde undHeirathete').

In Ungarn^) hatten die zu Wittenberg studirenden Jünglinge denProtestantismus zuerst verbreitet. Aus den Antrag der kathol. Geistlichkeitwurden hier wie >n Polen auf dem Reichstage zu Pesth (1525) strenge Ge-setze zur Unterdrückung der Lutheraner gegeben, aber bei dem Verfall desKirchenwesens fehlte dem ausgcarteten Klerus die nöthige Achtung, um denKatbolicismus gehörig vertreten zu können. Da der König in der unglück-liche» Schlacht bei Mohacz (1526) gefallen war, machten die Türken undBürgerkriege die Ausführung jener Beschlüsse unmöglich. Während derFehden der beiden Könige Ferdinand von Oestreich und Johann von Zapvlyawurden die Güter der Bisthümer, deren Bischöfe abgefallcn waren, von meh-reren Edelleuten begierig eingezogen, welche dann, um sie behalten zu kön-nen, zum Protestantismus übertraten. Für denselben war besonders M a t-thias Devay, erst Lutheraner, seit 1543 Zwinglianer, thätig, und hieltbereits zu Erd öd in der Grafschaft Szatmar eine Zusammenkunft von 29Predigern (1545). Auf der Synode zu Eperics in Oberungarn erklärtensich die 5 königlichen Freistädte Leuts ch au, S eben, Barts«, Eperies,und Ka sch au für die Augsburger Confessio». Der auf dem Reichstage zuPreßburg (1548) von dem Könige und den Ständen erlassene Befehl zurAuftechthaltung der kathol. Religion und Unterdrückung der Ketzereien warvon geringem Erfolge; denn der Protestantismus hatte bereits in dem neuenPalatinuö Thomas Nadasdy (s. 1544) einen kräftigen Beschützer.Doch wurde die neue Lehre durch die, wie überall, so auch hier entstandenenStreitigkeiten gehemmt. Von der Augsburger Confessio» waren viele zurLehre Zwingli's und Calvin's übergegangen; die Synode zu Tarczal(1563) nahm Beza's Glaubensbekenntniß an, und befahl das Volk mit derLehre Calvin's von der Gnadenwahl bekannt zu machen. Bald wurde derCalvinismus auch in Ungarn herrschend, und seine Anhänger erklärten aufder Synode zu C z eng er die Lutheraner für fleischliche, stumpfsinnige Men-schen, die eine grausame blutige Communion lehrten, wogegen die Lutheranerihren Lehrbegriff im Gegensatz zu Calvin in scharfen Ausdrücken sormulirten,und sogar auf der Synode zu B artfa (1594) behaupteten: alle theologischenStreitigkeiten müßten aus Luther's Schriften entschieden werden. Der nochweitern Verbreitung dieser Rcligionsneuerung hatten am entschiedensten derglaubenöfeste NikolausOlahi, EB. von Gran, und die seit 1561 indem Collegium zu Tirnau thätigen Jesuiten entgegen gewirkt. Auf derSynode zu Tirnau (1560) wurden durch das Restitutionsedict vom10. April d. I. alle geistlichen Güter, die in weltliche Hände gefallen waren,zurückgefordert. Leider wurde die Thätigkeit der Jesuiten unterbrochen, daihr Collegium abbrannte; sie verließen 1567 Ungarn und konnten erst 1586zurnckkehren.

In Siebenbürgen verbreiteten zuerst Kaufleute aus Hermannstadt,

1) Schlözer u. Gebhardi, Gcsch. von Litth., Liest, u. Curl. Hal. 785. 4.

2» (Lei»»«-»,) kist. äiplomariea äv statu rsl. svan^. iu Huu^. 710 k. Ilist.eccles. rekorm. in IIunZaria st Vrans^lvania kauet. 0. Deüi eecsn) aeces. In-cuplet. a Fb ^t. Lamxe. Vich. ack Ubsn. 728. blsmorabilia ^.u^ust. eonkess. inrsZno UuuZ. a h'erst. I. ack t!arol. VI. rscens. ,/oan. koson. 78789.

2 7. vgl. Engelhardt, KG. Bd. IV. S. 2 >7. ckok. Kenäerr'irr/r, corpus maxi-ws wemorabil. 8)mo(lorum ovanxslic. ^uzust. eonksss. in Hunxaria. I'sslb, 848,