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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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3. Zeitraum. 1. Periode. 2. Capitcl.

studirt habe, eine vaterländische Anstellung erbalten solle. Dieses wurde je.doch nicht streng durchgesührt.

Ungeachtet solcher Maßregeln war bei dem Tode Sigismund I. der Pro-testantismus in vielen Theilcn Polens verbreitet; besonders hatten die frei,sinnigen adeligen Polen demselben Vorschub gcthan. Unter dem NachfolgerSigismund August II. (154872) war eine Anzahl der von KönigFerdinand vertriebenen böhmischen Brüder nach Posen gekommen, die vonhier verwiesen, sich nach Marienwerder wandten. Da der jetzige Regentweniger entschieden gegen die neue Lehre auftrat, so kam es dahin, daßPolen der Sammelplatz fast aller neuen Sekte wurde. Außer böhmischenBrüdern und Lutheranern gab es hier auch Neformirte, die derBeichtvater der Königin Bona, derFranziscaner Lismanin, und JohannvonLasko begünstigte, der sogar später in England eine Rolle spielte, undUnitarier (Sociniancr), die aus Italien und der Schweiz nach Polenkamen. Der litthauische FürstRadziwill, der reformirten Lehre zugethan,ließ nach dem Vorgänge der Lutheraner und der ihnen sogleich folgendenKatholiken (s. 1556) die Bibel nach dem Lehrbcgriffe dieser Sekte ins Pol-nische übersetzen (1563) und drucken'). Schon vorher wurde von den Land-boten zu Petrikau ein polnisches Nationalconcil unter dem Vorsitze desKönigs gehalten (1555). Hier beschloß man: daß Beratbungen von kathol.Bischöfen und protestantischen Theologen angestellt und ein Glaubensbekennt-niß aufgesetzt, Mclanchthon und LaSko, Calvin und Beza herbeige-rufen werden sollten^). Sonderbar genug ertheilte der König diesen Be-schlössen seine Bestätigung und bat P. Paul IV., die Messe in polnischerSprache, das Abendmahl unter beiden Gestalten und die Priesterehe zu ge-statten, die Berufung eines Nationalconcils und die Aufhebung derAnnaten zu genehmigen. Wie sich erwarten ließ, wurde diese Forderungzurückgcwiesen. Die Gefahr für die kathol. Kirche war um so größer, alsder protestantisch gesinnte polnische Adel auf seinen Gütern fast unbeschränktherrschte, wiewohl für das polnische Volk nie etwas Widernatürliches gedachtwerden konnte, als die besonders begünstigte Lehre der Reformirten. Aberdie ausgebrochenen heftigen Streitigkeiten der verschiedenen Religionsparteienmachten einen ungünstigen Eindruck, und den Verständigen wurde es baldklar, daß durch den Protestantismus die Einheit der Nation zerrissen undPolen der Untergang bereitet werde. Nun vereinigten sich jedoch die Reli-gionsparteien, die nicht weniger unter sich, als von der kathol. Kirche ab-wiche», auf der Synode zu Sendomir (1570) zu einem höchst seltsamen,in unbestimmten Formeln abgefaßten Glaubensbekenntnisse'). Indem sie soan Kraft gewannen, wußten sie nach dem Tode Sigismund Augnst's währenddes Interregnums den Religio ns frieden zu Warschau durchzusetzen(1573 psx ckissickontiiini), wonach Katholiken und Dissidenten einenewigen Frieden halten und gleiche bürgerliche Rechte haben sollten. Der

1) Katholischer Setts zuerst gedruckt das N. T. 1556 zu Krakau beiScharfcnbergcr eine vollständ. Bibclübcrs. <von Joh. Lcopolita?) >56!ebendaselbst. Die Ucbcrs. dcS Jesuiten Jac. Wujck erschien 159399 >m>Beifügung des hcbr. und gricch. Textes und mit kath. Auslegung der schwerstenStellen zur Schirmung des allgcm. heil. Glaubens wider die Ketzer.

2) Gcsch. der resorm. Kirche in Litthauen. Lpz. 848. I. Bd.

3) /«üionsLr, bist, consensus Lomlomiriensis, «ui subjioitur ipso Oousen-kus. Lerol. 731. 4.