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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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3. Zeitraum, t. Periode. 2. Capitel.

unter dem nichtigem Vorwände, daß sich die Türken dahinter verbergen könn-ten, das schöne Prämonstratenserkloster auf dem Elbing vonGrund aus zerstören (1529), den Kirchen die Kleinodien und Pretiosenrauben *).

Gleichzeitig mit der Hauptstadt und auf dieselbe Weise verfuhr unter denschlesischen Herzögcn besonders Friedrich II. von L i egn itz und Briegin seinen Besitzungen "). Nachdem er für Liegnitz und Goldberg lutherischePrediger berufen, befabl er, daß von nun anevangelisch" gepredigtwerden sollte. Von der Erfüllung dieser Bedingung machte er die Entrich-tung der schuldigen Abgaben der Unterthanen an die Geistlichen abhängig.Als der Barfüßer Pater Antonius dennoch sortsuhr katholisch zu predi-gen, wurde er sammt seinen Brüdern aus dem Lande getrieben. Zu Groß-glogan verübten die Protestanten Brutalität gegen die Katholiken und ihreKirchen; diese Sccnen wiederholten sich dann zu Schweidnitz und in denübrigen Theilen des Landes, so daß die lutherische Lehrsorm in einem be-trächtlichen Theile des Landes zur Alleinherrschaft gelangte °).

Zwar war König Ferdinand I. (152664) der kathol. Kirche innigzngethan und von energischem Charakter; aber er war zu sehr von den Tür-ken bedroht, um die Einführung des Lutherthums mit-Nachdruck abzuweb-rcn. Vor Allem aber hätten dieBischöfe ein Hort für die kathol. Kirchesein sollen, nachdem besonders die Oberlandeshanptmannschaft auf sie über-gegangen war (s. 1526); aber gerade sie trifft der schwere Borwurf, daßsie entweder allzusehr in weltliches Treiben und dessen Lust verstrickt ihre hei-ligen Pflichten nicht mit dem gehörigen Ernste erfüllten, oder sogar Luther'sReform günstig waren, und sich gern zu derselben bekannt hätten, wennnicht der Verlust ihrer Einkünfte zu fürchten gewesen wäre*). Die ohnehintheils laue, theils verkommene Curatgeistlichkcit war nun, wo sie in ihremkirchlichen Obern weder ein Vorbild standhafter, hochherziger Pflichterfüllungsah, noch von ihm Schutz erwarten konnte, um so weniger geneigt, den un-gestümen Anforderungen der Herzoge und Magistrate zu widerstehen. Da-her fanden sich z. B. unter der gesummten Geistlichkeit in dem Gebiete vonBrieg, Ohlau, Strehlen und Nimptsch nur jene drei preiswürdigen Priestervon Sen itz, llr. Colo und Kupferschmidt, welche Angesichts derevangelischen" Zumuthung Friedrich's II.: lutherisch zu predigen, Ver-bannung der Treulosigkeit vorzogen. Nun erhielt Schlesien noch einen eige-nen Reformator in dem Hofrathe des Herzog Friedrich I I. und Kanonikus zuLiegnitz Caspar Schwenkfeld, einem kräftigen, klaren und gewandtenGeiste. Mit ihm und dem oben genannten Krautwald brachen aber auch hierdie Religionsstreitigkeiten unter den Lutheranern aus, besonders in Ansehungder Rechtsertigungs- und Abendmahlslehre, wovon unten H. 341.

1) ffGörlich, Gcsch. der Prämonstratcnser zum hl. Vinccnz, Brest. 83b ff.Th l. S. 151 ff.

2) Fibigcr Th. I. Cap. 14. S. 118 ff.

3) Menzel, neu. Gcsch. der Deutsch. Bd. V. S. 244 ff.

4) Ucbcr die auf Jacob v. Saltza folgend. Bischöfe: Balthas. v. Pomni-nitz (1539-62,, Caspar v. Logau (1562-74,, Martin Gcrstmann>1574-85), Andr. Gerin (1585-96), Paul Albrccht (, 596 -lM),Johann Sitsch (16001609 >. vgl. Buchmann a. a. Ö. S. 9It. ».Tkei-üe--, Lilösiao uacrus oriZinsn p. 82 sg.; über die Freude der Protestanten oeiErwählung des Balthasar Pommnitz vgl. Menzel Bd. III. S. 93 ff.