Druckschrift 
Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
Entstehung
Seite
800
Einzelbild herunterladen
 

800

3. Zeitraum. 1. Periode. 2. Capitcl.

seS Verfahren, und rief den Kaiser zur Bestrafung des begangenen Frevelsauf; aber die Achtserklärung des Kaisers und die Protestation der ihrerRechte gewalttbätig beraubten Ordensglicdcr waren wirkungslos. Albrcchtnahm sogleich die Augsburger Confessio» an (1530), und um eine Pflanz-schnle für daS Lutherthum zu haben, wurde zu Königsberg eine Uni-versität gestiftet. In Ermangelung der päpstlichen und kaiserlichen Be-stätigung ertheilte ihr der König von Polen dieselbe. Bald wurde diese Uni-versität der Schauplatz der verheerenden osianderschen theolog ischenStreitigkeiten. Nach dem alle Gewissensfreiheit unterdrückenden Grund-sätze : Ini.iiis ropio, illiim religio zwang Albrecht die Bewohner seines Lan-des, d i e Kirche zu verlassen, der sie alle Cultur und Bildung zu danken hat-ten. Bei seinem Tode (1568) hatte das Lnthertbum in Preußen so festenFuß gefaßt, daß weder Unterthanen noch der Fürst an eine Rückkehr zumKatholicismns dachten, wie dies Theiner von letzterem darthun wollte,von Voigt aber vollständig widerlegt wurde ^).

tz. 324. In Schlesien.

-j-Duckisch tkönigt. Rcgierungs-Secrctär zu Beleg, kaiserlicher Nach und Iiisto-rieuss, schlesische Ncligionsactcn 7 B k. noch nicht gedruckt! daraus schöpftes-Fibigcr (Magister u. Prälat ncl 8t. LlnUliinm zu Breslau), das inSchlesien gcwaltthätig cingcrisscnc Lutherthuin u. die dadurch erfolgte schwereVerfolg, der röm. Kirchen u. Gcistl. re. Brest. 71233. 3. Thl. 4.HB ach, urkundl. KG. der Grafschaft Glatz. Brest. 841. s-Buchmann,Antimoslcr oder Beiträge zu einer gerechten Würdigung der Lage derschles. Protestanten unter östcrr. Herrschaft. Epcicr 843. Hcüscl, Protest.Kirchenhist. der Gemeind, in Schlesien. Lpz. u. Lieg» 764. No send erg,schles. Neformat.-Gcsch. Bresl. 767. A. Menzel, neuere Gesch. derDeutschen Bd. III. S. 9106; Bd. V S. 23856. 422 ff.; Dd.VI. S.140 - 44. 22085. Dölliugcr, die Reformation w. Bd.I. S. 22627Z.

Schlesien war bis 1163 mit Polen vereinigt; von da ab regierten eSfreie Herzöge. König Johann vonBöhmen wußte den inner» Strei-tigkeiten die Wendung zu geben, daß der größere Theil des Landes, die Her-zogthümer Jauer, Schweidnitz und die Besitzungen des Bischofs ausgenom-men, die Oberhoheit Böhmens anerkannte (1335). Kurze Zeit darauf folg-ten auch der Bischof (1342) und die Herzöge von Schweidnitz und Jaucr(1392) diesem Beispiele. Zur Zeit der lutherischen Religionsbewegungwar Ludwig König von Böhmen und Ungarn (s. 1516), der schon in sei-nem 16tcn Jahre in der unglücklichen Schlacht bei Mohacz gegen die Tür-ken das Leben verlor (1526) , worauf die Böhmen den Erzherzog Ferdi-nand, den Bruder Kaiser Carl's V., zu ihrem Könige wählten. Der im15ten Jahrh. bei der Entartung des Klerus und des weltlichen Sinnes derBischöfe in vielen Ländern Europa's hervorgetrctene Verfall des religiösenund kirchlichen Lebens hatte auch in Schlesien auf Bedenken erregendeWeise überhandgenommen; die Nachbarschaft und die Verbindung mit demvon den Husiten erregten Böhmen konnte auch nicht ohne Folgen bleiben.War hierdurch bereits her Boden für Religionvbcwegungen zubercitct, somußte die Aussaat der lutherischen Reformation, deren Früchte für Fürsten,Laien und lüsterne Geistliche so verlockend waren, hier um so leichter Wurzelfassen, daher Schlesien sich frühzeitig der lutherischen Lehre zuwandtc. Denersten Grund, die thcilweise Verkommenheit des Klerus, hat schon Fibiger

1) Theiner, Herzog Albr. von Preußen re. Rückkehr zur kaihol. Kircheu. s. w. Augsb. 846. vgl. Frcib. Kirchenler. Bd. VIII- S. 700.