§. 320. Schmalkald. Krieg; Rcllglonsfriede zu Augsburg re. 793
auf jegliche Weise aus. Argwöhnisch-witzig sagte man: „Das Interimhat den Schalk hinter i h m." Besonders aussätzig zeigte sich dieStadt Magdeburg. Auch der neue Churfürst Moritz von Sachsen nahmdas Interim nicht unbedingt an, sondern ließ sich zuvor von seinen Theo-logen, Mclanchthon an der «spitze, ein Gutachten darüber ausstellen, inwie-weit dasselbe ohne Verletzung des Gewissens angenommen werden könne. Indiesem (Leipziger Interim) erklärten sie:'daß man in Betreff derAdiaphora d. i. der an sich gleichgültigen oder Mitteldinge, wie gottes-dienstliche Gebräuche und Ceremonien, sich einverstanden erklären könne.Zugleich zeigte man sich in Betreff der Lehre äußerst nachgiebig. Von derRechtfertigung hieß cs: daß Gott nicht mit uns wirke, wie mit einer Ma-schine, obgleich Christi Verdienst uns allein gerecht mache; die von Gottgebotenen Werke seien gut und nöthig, die Tugenden Glaube, Liebe,Hoffnung zur Seligkeit nothwendig; auch die früher verworfenen Sacra-mente der Firmung und letzten Oelung wurden wieder angenommen; dieMesse solle nach alter Art, nur mit deutschen Liedern gefeiert werden u. A.ManmerktecsdicscmJntcrimsogleichan, daß Luther bereits vom Schauplatzeabgetreten war, und daß die stimmführcndcn protestantischen Theologen sichjetzt aus äußern: Drange gegen den Kaiser, wie früher gegen Philippvon Hessen, nachgiebig zeigten. Von Seiten der lutherischen Prediger ent-stand ein förmlicher Aufstand und der heftige adiaphoristische Streitgegen das Interim. Flacius, der kraftvolle, leidenschaftliche SchülerLnther'ö, stand an der Spitze und floh aus Zorn über das Leipziger Interimnach Magdeburg, dessen kühne Bürger dem Kaiser wie dem Papste trotzten.
Ungeachtet dieses Widerstandes wurde dieses Interim dennoch allmälig inmehreren protestantischen Ländern und Städten eingeführt, so daß der Kaiseraufdcm Reichstage zu Augsburg (1550) nochmals denVersuch machte,die Protestanten zu bewegen, das jetzt unter Julius tll.zuTrient wiedereröffnete Concil zu beschicken. Zwar wiederholten sie auch jetzt ihre früherenPrätensivncn, namentlich daß auch die Theologen eine entscheidende Stimmeerhalten, die vorausgegangenen Acta und Bestimmungen annullirt werdensollten, der Papst sich des Präsidiums begeben müsse. Doch erschienen baldAbgeordnete von Brandenburg und Würtemberg zu Trient; auch von Sachsenging eine Gesandtschaft ab; sogar Melanchthon mit den Wittenberger Theo-logen waren bereits auf der Reise.
Jetzt änderte Moritz von Sachsen plötzlich seine Gesinnung. Nachdem erseine Absicht beim Kaiser erreicht hatte, beging er die doppelteVerräthe-rei an diesem und an dem Vatcrlande. Da ihm die Ausführung derReichsacht an Magdeburg übertragen war, so konnte er, ohne Aufsehen undVerdacht zu erregen, sich ein Bundesheer in Deutschland sammeln. Dazuging er auch noch mit dem Könige Heinrich 1l. von Frankreich (5.Oct. 1551) ein geheimes Bündni'ß ein, worin er ihm sogar die Kaiserwürdein Aussicht stellte ^). Indem er sich bereits als Retter der deutschen Freiheitbetrachtete, trat er dennoch zum voraus Heinrich die Reichsstädte Metz,Toul, Verdün und Cambray ab'). Darauf überfiel er plötzlich den
>) Der Vertrag bei Lünig, Rcichsarchlv. kart. spsc. u. kocusil (Iss ll'i-ai-les <lo paix. V. II. p. 258.
2) Scherer, der Raub der 3 Bisthiimcr Metz, Toul u. Bcrdn». (Raumer,Mor. Taschenbuch neue Folge Jahrg. III. > Buchholtz, Ferdinand I. Bd. VI.S> 477. Bd. VII. S. 23 ff. A. Menzel Bd. III. S. 41 > ff.