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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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3. Zeitraum. 1. Periode. 1. Capitel.

schlossen sich nicht an. Auch wollte der Kaiser sie nur in der äußersten Be-drängniß zulassen, um den Frieden nach seiner Absicht dictiren zu können.Dagegen war die protestantische Macht von keinem militärischen Talente ge-leitet, obschon Sch'ertlcin von Burtenbach mehrfach dafür gehaltenwurde'). Moritz von Sachsen'), der Schwiegersohn des LandgrafenPhilipp von Hessen, war, obgleich Protestant, aus die Seite des Kaisersgetreten und siel in das Churfürstenthum ein, dem Vorgeben nach, um esfür den Chnrfürsten in Verwahrung zu nehme»; denn auch Ferdinand, Königvon Böhmen , machte Miene, es zu besetzen. Durch schnelles Vorrücken desKaisers wurde der Cburfürst von Sachsen Johann Friedrich beiMühlberg zur Schlacht gezwungen (24. April 1547) und gefangen ge-nommen; bald darauf ergab sich der Landgraf Philipp von Hessen und konntenur durch Verbürgung seines Schwiegersohnes Moritz von Sachsen einigeFreiheit erlangen. Letzterer erhielt nun das Churfürstenthum Sachsen; dieMacht der Protestanten war getheilt. Der Kaiser, welcher dieses Resultatselbst ohne Hilfe eines kathvl. Reichsstandes, vielmehr sogar mit dem Bei-stände protestantischer Fürsten erreicht hatte, war nun aber weit entfernt, sei-nen Sieg zur Erweiterung seiner Herrschaft zu benützen oder die Protestan-ten mit Gewalt zur Rückkehr in die kathol. Kirche zu bringen, beabsichtigtevielmehr dieses nur durch einen Vergleich. Im Interesse der Katholikensetzte er nur den widerrechtlich verdrängten Bischof von Naumburg Juliusvon Pflug wieder ein, und vollzog an Hermann, EB. von Cöln, das Ab-setzungsdecret. Er eröffncte darauf den Reichstag zu Augsburg (1. Scptbr.1547) in der Hoffnung, die früher vereitelte Vereinigung hier zu erreichen,da er die Hoffnung, den Streit auf einem allgemeinen Concil beizulegen, beider wiederholt kundgegebenen Ab l ehnun g der Protestanten aufge-geben hatte, zumal das Concil nicht mehr in Deutschland zu Trient versam-melt, sondern nach Bologna verlegt war. Die zu Augsburg versammelte»Theologen Julius Pflug, B. von Naumburg, Michael Helding,Weihbischof von Mainz, besonders der aalglatte Johannes Agricola,Hosprcdigcr des Churfürsten von Brandenburg, verfaßten das berüchtigteAug sb urg cr Inter i m ^). Dasselbe gestattete den Protestanten die Com-munion unter beiderlei Gestalten, den vcrheirathetcn protestantischen Geist-lichen die Beibehaltung der Frauen; auch der weitere Besitz der eingezogcnenGüter war stillschweigend zugestanden: das Ganze, ein Meisterstück derHalbheit, verfehlte gleichwohl seinen Zweck. fand zu Rom wegen der Ei-genmächtigkeit des Kaisers in Neligionssachcn, bei den Katholiken Deutsch-lands in gleicher Weise wie bei dem protestantischen Volke Anstoß; die Lu-theraner tobten gegen diesesBuhlen mit der babylonischen Hure." Siehatten Luther's Schimpfrcden gegen Rom besser als seine Ermahnung zurFrömmigkeit im Andenken behalten, und ließen ihre Erbitterung gegen dasInterim als ein neues Aufdringen des Papstthums und Werk des Teufels

1) Scbast. Schcrtlcin von Burtenbach u. seine an die Stadt AugSb. geschrie-bene Briefe, mügetheilt von Th. Herberge r. Angsb. 852.

2) v. Laugenn, Moritz, Churf. v. Sachs, u. seine Zeit. Lpz. 841. 2 Bde.

3) Der Kaiser ließ dasselbe am 15. Mai 1548 publiciren und den anwesendenBischöfen eine Vorschrift für die Reform der Kirchcnzucht verlegen, ssorwulnNelormatumis a Oarolo V. in (lomitiis Augusten. 1548 Ltatilms eeelesiast.oliluta, eum ,'ominentutiouö Dürr. Llogunt. 782 Vgl. I. E. Dicck, dasZfache Interim. Lpz. 72 l. ck. ^l. Sc/rmr'ckt, ftistoria iuterimistica. Heimst. 73i>.