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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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791
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§. 320. Schmalkald. Krieg; Religionsfricde zu Augsburg rc. 791

apostolischen Beruf erkennen. Ganz treffend muß hiernach die AeußerungdeS Erasmus erscheinen:Das lehrt mich doch der gemeine Menschenver-stand, daß ein Mann nicht aufrichtig die Sache Gottes treiben kann, der sogroßen Aufruhr in der Welt erregt, und an Schmähworten und Spottredenseine Freude hat, und sich daran nicht ersättigen kann. Eine Anmaßung, wiewir sic größer noch bei keinem geseben, kann unmöglich ohne Thorheit sein,und mit dem apo sto lisch en Gei sie sti mmt ein solch possenhafterMuthwille nicht überein." In gedrängter Kürze faßte Palla-oicini Alles in nachstehender Charakteristik zusammen:Ein fruchtbarerGeist, der aber mehr bittere, als reife Früchte brachte, mehr Fehlgeburteneines Riesen als vollkommene Geburten. Ein starker Geist, aber mehr zumRiederreiße» denn zum Aufbauen. Seine Gelehrsamkeit glich einem zer-störende» Platzregen, nicht einem befruchtenden Sommcrrcgen; seine Bered-samkeit war hinsichtlich der Sprache reich und unvollkommen, und dem In-halte nach ein Staub erregender, die Augen blendender Sturm. Obgleichkühn im Anfänge der Streitigkeiten, zeigte sich Niemand furchtsamer, wenndie Gefahr nahe rückte. Oft erbot er sich zu schweigen, wenn seine Gegnerschwiegen, ein Beweis, daß irdische Rücksichten ihn bestimmte». Von denFürsten ward er nur aus Gier nach den Kirchengüteru geschätzt; er stürztedie Kirche mehr zu Anderer Schaden als zu seinem Gewinne. In der Ge-schichte wird er immer, jedoch mehr zur Schande als zum Ruhme, genanntwerden, und der Weinstock der Kirche ist nun, damit er besser treibe, be-schnitten; die Getreuen sind von den Empörern gesondert worden." Aehn-lich urtheilte auch der ernste und tiefblickende Ancillon Dennoch ha-ben Luther's Anhänger nach seinem Tode die den Papisten vorgeworfene ab-göttische Heiligenverehrung in der vollendetsten Form an dem Reformatorausgeübt

tz. 320. Schmalkald. Krieg; Ncligionsfriedc zu Augsburg (1555).

Carl's V. Rücktritt u. Tod.

Hortlcder Bd. ll. Buch III. S. 6t8 ff. 6'amsrarrr cnniw. belli Lmalo.giusceserig. sVoelier 1'. III. p. 557.) üb. VIII. e. 1. A. Menzel Dd.

II. S. 451-72. Bd. III. S. l-480. Riffel Bd. II. S. 733-60.

Die Reichsacht des Kaisers gegen die Anführer der protestantischen Für-sten wurde noch durch die Stimme des P. Paul III. , der die kathol. Volkerwie zu einem Kreuzznge aufforderte verstärkt. Diese Kriegserklärung fanddie protestantischen Fürsten nicht unvorbereitet. Der schmalkaldische Bundbestand bereits 15 Jahre und das kaiserliche Heer kam dem seinigen nichtgleich; denn mehrere kathol. Fürsten, eifersüchtig auf des Kaisers Macht,

1) Hann»« im Ilzperasxikten eliutribae uelv. servrun arbitr. Imtberi. An-tillen urthcilt über Luther:Seine Handlungen flössen mehr aus Leidenschaftenals aus feste» Grundsätzen; und wenn auch keine absoluten Laster seinen Charakterbefleckten, so zierten ihn doch auch keine sanften Tugenden, und im Ganzen ist diemoralische Seite desselben offenbar ohne hcrvorspringendcn Werth." Vgl.auch Raumer, Gcsch. Europ. seit Ende des 15. Jahrh. Bd. I. S. 524 ff.

2) Man vgl. z. B. das zur Säcularfcicr im 18. Jahrh. verfaßte Werk: Dasgüldene und silberne Ehrengedächtniß des Theuern Gottes-Lehrers v. Nnrtiniüuiüeri. in welchem dessen Leben, Tod, Familie u. Reliquien umständlichbeschrieben u. aus mehr als 200 Medaillen oder Schaumünzen u. Bildnissenvon rarer Curiosität, mit auserles. Anmcrk. erklärt durch Christian Junker vres-aensom Hochfürstl. Sachs.-Hennebcrg. gesamten IliMorioAr.ipttum. Frksi u. Lpz. 706.

3) Vgl. nck rr. 1546. nr. 94. s. Walch Bd. XVII. S. 1832 ff.