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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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3. Zeitraum. 1. Periode, t. Capitel.

nung contrastirt jedoch abermals der ruhmredncrische Ton, und sein Ueber-hebcn über die gewöhnlichen RcchtSformen ln seinem Testamentes.

Uebersieht nian sein bewegtes, thatenreiches Leben, so muß man ilmzu den merkwürdigsten Männern aller Jahrhunderte rechnen, wenn er auchseinen Beruf als Re so r in atvr ln der Kirche nicht erfaßt hat, weil ilm,der Geist der Liebe und Demuth fedlte. Ohne ruhige Besonnenheit verwarfer küllli die Autorität der Kirche, die er in auffallendem Widerspruche mitsich daun für sich selb st mit der größten Zuversicht wieder ln Anspruchnahm. Auch muß man m ihm Muth, der freilich oft in Trotz aus-artcte, eine unermüdete Thatigkeit, volkStbümliche hinreißendcBered-sainkcit, sprudelnden Wi tz soivle U n e i g e n n ü tz i g k c i t anerkennen.Fehlte es ihm auch nicht an t.efem relig.ösen Gefühle, das nach Befrie-digung sucht, da dies in seinem System sogar der Grundcharaktcr und dieglänzendste Seite ist; so muß daneben aber jene dem Reformator eigenihüin-lichc Frivolität, ja Gemeinheil um so auffallender erscheinen. Daher urtheilteschon EraSmns, man glaube in ihm zwei ganz verschiedene Personen zn fin-den:einmal schreibe Luther auf eine solche Art, daß man apostolischen Sinnanerkennen muffe; ein anderesmal übertreffc er jeden Possenreißer in beißen-den Scherzen, Schmähungen und Witzeleien, als wenn er vergessen hätte,welches Schauspiel von ibm aufgeführt, und welche Rolle von ihm daringespielt werde." Und während Luther einerseits den Gebrauch der Waffenauf dem Gebiete der Religion verbietet und davon abniahnt, findet man an-dererseits bei ibm Grundsätze und Aeußerungen vorgctragen, die auch einemZaeobincr des l8. Jahrhunderts Ehre gemacht haben würden. Wenn wirauch noch Lutbcr'ü Offenheit anerkennen, so müssen wir doch zugleich auchdie Rohheit tadeln, die er gegen seine Widersacher bewies, wie er am meistennoch dadurch verletz! bat, daß er, während er die unbedingte Willkür derLebr- und Schrifterklärung für sich m Anspruch nabm, diese seinen Gegnernabsprach, ja seine vertrauteste» Freunde, wie Melauchthon, nach dessen eige-nem Geständnisse oft eine scheußliche Sclaverci ltiili sorritiitom pene cie-Ivrmorn) fühlen ließ. Erwägt man noch die vielen schmutzigen und unsitt-lichen Reden, selbst in Begebung auf die heiligsten Institutionen des Lebens,wie die Ehe, die keineswegs blos in den Tischreden Vorkommen, undnicht durch die Rohheit und Derbheit der Zeit entschuldigt werden, da selbesich dergestalt in den Schriften seiner Gegner nicht finden ; so müssen wirihm den Beruf eines wahren Reformators, abgesehen von der Verkehrtheitseiner Principien, absprechen. Ein solcher beginnt das Rcformircn immcrerst an sich selbst, um als ein geeignetes Werkzeug für die Reform innerhalbder Kirche gelten zu können. In seinem stürmischen, leidenschaftlichen Auf-treten und der größtentheils nieder» Polemik kann kein Unbefangener eine»

t) biotus SU»!, heißt cs, i» reell,, io terra et internu, et aurieritatsm gutder snt-ii ienteni linlleo. ui milii soll eroäatnr. (Mim Deus inllii lumiiiü beetillininalül! et iniserolnü >>e<> atori ex pater»,a. nnsei-ieoriliu bwim^elnn,, tibisui ermliclerit ileileritipis, ut in ee verax et Illlell's iuermi, ita ul multi mmuiulo illull por Nie ireeoperiitt. et nie pro iliietors veritalis uKNiM'riNl,spreto biiiiNii papae, (llx-sarik, re^um, piiinapuiii et saeeriletuiii, inn> onmiiimNueineniini usliu. tguiüui i»:itur aei ilepusitieinmi li.'ene in rs exixsllii suilieiat,Li .".üsit Manns ineae te>kinn,niuiii et eliei pessit, baue siuüpsit D. Nart. Ia>-tliete untnriiis I> et testls Lviiiizrolii ejus? l,?ee/eona!. lill lll. p. 651)

2> Daher starke Vorwurfe sogar von seinen Anhängern bei de Wette Bd.Il, 49; IV, 27 l u. 276.